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Herssel-er Anzeiger.

Re. 4«. HerSfeld, den 9.,Juni. 1855.

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Lan-wirthschastlicheS.

Welche Zeit ist für das Mähen der Wiesen die zweckmäßigste?

Von der Versammlung thüringischer Landwirthe wurde unter andern Fragen auch vorstehende aufgewor­fen, und es wird hier zu deren Beantwortung ein Bei­trag geliefert.

Nicht selten wird die Meinung vernommen, Wiesen dürften nicht eher gemähet werden,' bis die guten Wie- senpflanzen reif geworren wären, damit bei dem Heu­machen der Same auSfalle unv dadurch die Rasennarbe immer dichter mit guten Gräsern besetzt werde.

Auf der Herrschaft Libiejitz in Böhmen beginnt, wie Hahna in seiner Anleitung zur Führung einer Fruchtwechselwirthschaft (Prag 1849, S. 43) bemerkt, tie Heuernte in der ersten Hälfte des Juni, so lange das Gras noch in der Blüthe steht. Wegen natürlicher Be­schaffenheit der Wiesen werde immer wechselsweise jedes Jahr die Halste etwas später gemähet, damit der aus- sallende Same den Graöwuchö verdichte. Hierdurch werde die Bildung von dünnen (schüttern) und leeren Grasplätzen verhindert.

Es dürfte zweifelhaft sein, ob die Erfahrung diese Meinung begründet; wenigstens ist sie durch den einen Q)ra6flarten des Unterzeichneten nicht bestätigt worden. Das Gras auf dem untern feuchteren Theile dieses Gar­tens wurde eine Reihe von Jahren gegen Johannis ge­hauen und dürre gemacht, auf dem obern Theile aber meistens zeitig grün gefüttert. Nun zeigt es sich aber, daß auf dem obern Theile die guten Wiesengräser sich nicht vermindert haben, das Gras überhaupt noch dichter als auf dem untern Theile steht.

Unterzeichneter ist, wenn es die Umstände irgend gestatten, für eine zeitige Heuernte, und zwar nach dem Wachsthum und der Ausbildung der Gräser: wenn sie meistens in die Blüte getreten sind; nach dem Kalender: zu Anfang des Juni.

Wiesen, welche eine feuchte Lage und einen üppigen Grachswuchs haben, sind zeitig zu mähen, weil sich hier die Gräser eher ausbilven, als im entgegengesetzten Falle. Wird zu lange, wol gar bis Johannis mit der Heuernte

gewartet, so werden die Stengel derZ Gräser unten zu hart, unv das Heu verliert viel von seiner Güte.

Es ist wohl anzunehmen, daß z Pfd. zeitig gehaue­nes Heu so viel Futterwerth hat, als 1 Pfd., welches drei Wochen später gemähet worden ist. Der Zurückschlag am Gewicht wird aber kaum den vierten Theil betragen, und dann wird der Mehrertrag des Grummets und, ist auch die Ernte des Grummets zu beschleunigen, die bes­sere Weide nachher den Ausschlag geben.

Zeitiges Mähen des zu Heu bestimmten Grases ist auch bei den Ueberschweinmungen ausgesetzten Auenwie- sen rathsam. Die Verzögerung wurde hier oft schon hart bestraft.

Begünstigt im zeitigen Frühjahr Feuchtigkeit und Wärme den Graswuchs, fo ist besonders früh zum Wie- senmähen zu schreiten.

Auch dann kann man sich zum zeitigen Wiesenmä- Hen bewogen finden, wenn man nach Verhältniß viel Wiesen aber wenig Arbeiter hat und ein Zusammentref­fen der Heuernt mit der Winterübsen- und Napsernte möglichst vermieden werden soll.

Die Frühjahrsbehülung zweischüriger Wiesen kann das Mähen hinausschieben; aber selten wird sich diese Benutzung rechtfertigen lassen.

Uebrigens verdient auch dieser Gegenstand durch vergleichende Versuche näher sestgcstellt zu werden. Es können zu tiefem Behufe von einer zweischürigen Wiese Anfangs Juni wenigstens 10 Hl Ruthen gemähet unv das Heu gewogen werben. Zu Johannis würbe dane­ben eine Fläche gleicher Größe und Beschaffenheit gemä­het, dürre gemacht uno gewogen. Zur Zeit der Grum- meternte erfolgte das Abmähen beider Abtheilungen an einem Tage. Es versteht sich aber, daß jede Abtheilung abgesondert dürre zu machen unv zu wiegen sein würde. Der Ertrag an Heu unv Grummet jeder Abtheilung wäre dann zusammen zu rechnen. Gäbe die Vergleich- ung dem Gewichte nach zum Nachtheil des früh gemäh­ten HeuS nur eine geringe Abweichung, so würde schon, anderer Vortheile nicht zu gedenken, der höhere Futter- werth den AuSschlag geben. F. Teichmann.