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Hersfelder Anzeiger,

Wr* 40* HerSfeld, den 19. Mai. 18SS.

Der »Hers selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Neumarkt No. 587) pro Quarta! 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:

dem General-Adjutanten, Teneral-Major von Loßberg, die erbetene Erlaubniß zur Annahme und znm Tragen des von Seiner Hoheit dem Herzog von Sachsen-Meiningen demselben verliehenen Großkreuzes des Herzoglich Sächsischen-Ernestinischen HauSordens, zu ertheilen, sowie

dem Flügcl-Avjutamen, Major von Eschwege und dem Leibarzt, Geheime Hofrath Dr. Bunsen, die erbetene Erlaubniß zur Annahme^und zum Tragen des von Seiner Hoheit dem Herzog von Sachsen-Meiningen demselben verliehenen Ritter­kreuzes des Herzoglich Sächsischen-Ernestinischen HauSordens, zu ertheilen.

Das väterliche Erbe.

3wci Brüder aus dem freien Jndianerstamme der ' d'e a^ Nomaden und Jäger am untern ^lllstftppl herumziehen, hatten als väterliches Erbtheil eine ziemlich ansehnliche Viehherde erhalten: unD zwar in gleicher Anzahl der Stücke, die sie wohl durch Zei­ten und Farbmale unterschieden. In die Nähe ihrer -^.eide kam eines Tages ein eifriger Unitorier, predigte k^6. scr Natur und der Nacht das Evangelium, b^ö, die Freude und das Verdienst, dem Ehristenthume viele Bekenner zuzuführen.

^e von jenen zwei Brüdern hörte von der Lehre, und wohnte eines Tages bei, die solche Wirkung auf m!br ®e«^ machte, daß er nun keine Mehr zu verabsäumen beschloß. den ^Uu^ roilCete Bruder, ein Fanatiker im blin- saate^ ,Catüber höchlich entrüstet und sen "^ n. ^^n Du noch einmal zu vie-

Nanwn unfern^ f° "^^Se ich dich im nes ?^ ö'e Habsucht größer als die Stärke sci- Ä Das wußte der ältere Bruder aus S raS S ?' ^d beschwichtigte ihn jedesmal mit ö glucke Vieh, wenn er hingehen und den Bekeh- oft ttkaus^b^' ^ sich diese Erlaubniß schon übr?a blieb ni??"ö, daß ihm zuletzt nichts mehr eigen ng^.uneb, als fein getreuer Hund, ,o wollte der Eigen- Keule e<«,e ^Ä^" "^ch haben, und drohte ihn mit der Keule todt zu schlagen, wenn er den Hund verweigern

würde, den er längst gern besessen hätte. »Aber Bru der," sprach der sanfte Bekenner des Kreuzes, »nun du die ganze schöne Heerde allein besitzest, gib dich zufrieden, und laß mir diesen letzten Splitter des väterlichen Erb- theils, diesen letzten Gefährten meiner Noth, daß ich mich mit ihm ferner durch die Jagd ernähre und nicht Hun­gers sterbe."

»Gieb oder stirb" schrie der Jüngere, der doch der Stärkere war, und riß den armen Bruder wilbschnau- bend auf die Erve, schwang die Keule und gebehrdete sich als wollte er ihm das Haupt zerschmettern. Da sprang der treue Hund einem Blitze gleich auf den Mörder sei­nes Herrn, packte ihn im Nacken und riß ihn zu Boden.

Der Christ erhob sich, nahm die Keule zur Hand und sagte: »Nun wäre dein Leben in meiner Gewalt, und das Gesetz unsrer Väter macht dich zu meinen Leib­eigenen, und mich zum alleinigen Herrn der ganzen Heerde; liefere deine Waffen ab!" Loon- Rickonayla, der Besiegte, knirschte, doch gab er seine Keule und blieb auf dem' Boden liegen. Der Christ legte die beiden Keulen quer und lothrecht, band sie so in der Form des Kreuzes zusammen und sagte:Sklave! ich befehle dir zuvördest, gehe mit diesem heil'gen Zeichen zu dem from­men Pilger des neuen Glaubens hin und höre ihn in Demuth an. Um mich aber nicht blos als strengen Ge- bieter, sondern auch als liebenden Bruder und uneigen­nützigen Christen zu beweisen, so sage ich Dir: Jedes­mal, als du einer Glaubenspredigt aufmerksam beige­wohnt hast, erhältst du ein Stück Vieh zurück, und mich soll es freuen, wenn du dir auf diese Weise die ganze Heerde wieder verdienst." Der Besiegte und Begnadigte erachtete sich als Kriegsgefangenen und Sklaven, und gehorchte seinem Gebieter, wie auch sein Heiz grollen mochte.

Telw-Osen bemerkte bald mit stillem Vergnü­gen, daß der Bruder, je öfter er eem Unterricht'bei- wohnte, stets sanfter und gemüthlicher zurückkehrte. Ei­nes Tages fiel ihm der Jüngere laut weinend um den Hals und sagte:Bruder! heute war ich gerade so oft bei unserm freundlichen Lehrer, als du vor dem Dorf gewesen bist, und komme nun als getaufter Christ zurück; vergieb mir, was ich an dir verbrochen, und laß uns fest verbunden wie diese beiden Keulen brüderlich zusam­menhalten in Uebung der Tugend und Liebe!"