Hersfelder Anzeiger.
Mp. 3S. HerSfeld, den 16. Mai. 1855.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst aben allergnädigst geruhet:
dem ObergerichtSanwalte Friedrich Ludwig B aur in Kassel die nachgesuchte @.,Haftung zu ertheilen und
dem Advokaten Carl Möller in Trepsa statt seiner bisherigen Anwaltspraxis die Adork tur bei den Justizänttern zu Marburg, Wetter, Fronhausen und Treis a. d. L. mit dem Wohnsitz in Marburg zu gestatten.
Euch und Kette.
Novelle von Dr. Hugo Hagendorff.
(Schluß.)
3.
Einige Jahre waren vergangen; der Tov hatte das Band zwischen dem Kommandanten und Atbenais gelöst und sie lebte jetzt von ihrem Witthum in Paris, wo sie an der Gräfin Aurelie eine mütterliche Freudin fand. Ein neues Ministerium und eine neue Regierungsform waren ins Leben gerufen und Diejenigen, weiche von dem frühern Ministerium verfolgt worden waren, sahen sich jetzt aus ihrem Dunkel wieder hervorgezogen.
Vicomte Alfred hatte in den öffentlichen Zeitungen . Dod des Kommandanten erfahren und sogleich an Erraffn Aurelie geschrieben, ob sie nicht wisse, wo Athenals geblieben sei. Der Brief kam einige Tage ^nfmist der Baronin an, die sich eben bei der Gräfin befand.
.. "Da, lesen Sie Athenais," sagte Aurelie und reichte ihr den Brief, den sie mit flüchtigem Errölhen durchl«s- Dann drückte sie die Unterschrist an die Lippen und rief freudlg :
»Er liebt mich noch!"
»Danm meine Freuvin, ist es jetzt auch Ihre Sache, ^chrfft zu thun, da Sie selbst das Verhältniß gelost hatten. Lie leben kinderlos und haben keine Verwandte, sind also völlig Herrin Ihrer Hand und Ihres Herzens, der Herr Kapitän ist längst zum Major avancirt, und ich denke, der Titel „Vicomteffe" wird meine kleine Freundin gar nicht so übel kleiden!"
^®na*6 verschloß ihr mit einem Kusse den Mund und wtlltgte endlich nach langem Zureden ein, zuerst an
Alfred zu schreiben. Auch die Gräfin legte einige Zeilen mit der Frage bei, ob sie durch ihren Mann nicht dahin wirken sollte, daß Alfred wieder zu einem Pariser Regiment versetzt würde!
Die Folgen des eingeleiteten Briefwechsels sind bald zu errathen; Alfred erhielt leicht die Ordre zum Wiedereintritt in sein altes, freiwillig von ihm verlassenes Regiment, und als das Trauerjahr vorüber war, wurde die Vermählung der beiden Jugendgeliebten zu einem Sonntage festgesetzt.
Einige Tage vorher, als sie bei der Gräfin im traulichen Zirkel beim Thee saßen, sagte Athenais:
„Mein Herz und meine Seele liegen offen vor Dir, Alfred, wie ein reiner Krystallspiegel, doch verschwieg ich noch Eins, das ich vor unser Vermählung Dir sagen muß. Ich fürchte, ich habe aus Liebe zu Dir vielleicht einem schweren Verbrecher zur Flucht verholfen."
„Wie? einem Verbrecher?" fragten Aurelie und Alfred wie aus einem Munde.
Athönais erzählte von dem Galeerensklaven und als sie Alfred's Bild erwähnte, welches der Flüchtling gekannt habe, drückte ihr der Bräutigam die Hand und sagte:
„Dann hast Du gewiß einen meiner politischen Freunde gerettet und ich kann mir denken, in wie peinlicher Lage Du Dich befunden haben mußt. Würdest Du ihn wieder erkennen?"
„O, selbst unter Taufenden," versetzte die Braut. „Die damalige Furcht hat mir sein Bild so fest einge- prägt, daß ich ihn aus der größesten Menschenmenge herausfinden würde."
„Haben Sie nie wieder von ihm gehört?" fragte Gräfin Aurelie. >
„Nein, und ich glaube auch nicht, daß er je kommen wird, um sein Stück Kette, welches ich getreulich ausbewahrt habe, einzulösen."
So wende noch lange über den Galeerensträfling gesprochen, bis die Trennungsstunde erschien. Nachdem Alfred seine Braut in ihr Hotel gebracht hatte, fuhr er in das seinige. Der Portier überreichte ihm einen Brief, den er hastig öffnete. Ein Freucenstrahl blitzte aus seinen Augen. „Bei Gott, ein wahrer Romeo!" rief er lustig, so daß ihn der Portier verblüfft ansah.
Am andern Tage fuhr bei Alfred ein zierliches Kabriolet vor, aus welchem ein Herr mit vielen Orden