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Hcksfclder Anzeiger.

Nr. 3«. HerSfeld, den 5. Mi. 1855.

Der f/$er«selb er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe dition (Neum.rkt No. 587) pro Quartal 7 S«r. 6 H«lr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werde, «fgenemmen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben aller gnädigst geruhet:

dem Kriegsminister, Generalmajor v. Hapnau zu Cassel, die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des, von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland demselben verliehenen, St. Annen-Ordens Ir Classe; sowie des, von Seiner Majestät dem Könige von Preußen ihm verliehenen, rothen Adler-Ordens 2r Classe mit dem Stern; ferner

dem Second- Lieutenant und Adjutanten in der Garde du Corps, v. Gilsa, die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des, von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland demselben verliehenen, Stanislaus-Ordens 3r Classe; sowie des von Seiner Majestät dem Könige von Preußen ihm verliehenen, rothen Adler-Ordens 4r Classe zu ertheilen;

dem Königlich Preußischen Obersten von Selasinskp, Commandeur des Königl. Preußischen 11. Jnfanterie-Regiments, das Commandcurkreuz 2r Classe des Kurfürstlichen Wilhelms« Ordens zu verleihen;

dem Pfarrer Peter Berneaud zu Wehrda die erledigte Pfarrei Ginnheim in der Classe Bockenheim zu übertragen,

den Regierungs-Assessor Carl Wilhelm Allhaus in Mar­burg zugleich zum Assessor bei dem dasigen Consiftorium zu er­nennen, und

den Hülfsprobator Heinrich Matthaeus zu Cassel zum Vogt für die vier niederhessischen UniversilätS-Voglelen mit dem Wohnsitz zu Singlis provisorisch zu bestellen,

dem Hauptmann im Artillerie-Regiment, Breithau pt zu Cassel, die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät, dem Könige von Sachsen, ihm verliehenen Ritterkreuzes der Albrecht-Ordens, zu ertheilen

Der gebesserte Eeufek.

Valentin Trotzendorf, der in den Jahren 1523 bis 1556 Rektor der Schule zu Golrbcig in Schlesien war, Halle sich in der Welt tüchtig umhergitummelt und mit klarem Blick viele Erfahrungen gemacht, die ihn, da er sie in Nutzanwendung zu gebrauchen verstand, über seine ZeUgenosien erhoben. Dabei war er, im derben Aus­druck jener Zeit, guten Humors, was unter Anderem auch daraus erhellt, daß, als er seinen ersten Vertrag in der Schule der genannten Start hielt, er seine Kna­ben also anredete:Gott grüß' euch, ihr Edlen, Bürger­meister, RaihShcrren, ihr kaiserliche, königliche und fürst­liche Räthe! Gott grüß' euch, ihr Künstler, Gewerds- meifter, Kaufleute, Krämer, Büttel, Henker und Lumpen- leut!" Seinen kecken und frischen Sinn bewahrte er

sich im Wandeln auf Erden bis zum letzten Augenblick' IN welchem er noch seine Geistesgegenwart bewährte. Am 26. April 1556 erklärte er den 23. Psalm und war eben bei der Stelle:Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebelang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!" da rührte ihn der Schlag. Er sprach noch^So eben, geliebte Zuhörer werde ich in eine andere Wchule abgerufen !" sank um und war todt-

' Wir kennen nun den Mann ein wenig und wollen zu einem Vorfall kommen, von dem er selbst gern sprach. Einer der Lehrer an genannter Schule er hieß Sebaldus Graßhof war sehr im Aberglauben befan­gen, und obwohl sich sein Rector alle Mühe gab, ihn auS seiner Schwäche zu befreien, wollt' eS doch nicht ge­lingen. Wie alle Gelehrte jener Zeit, die sich einem Hange zu Grübeleien oder um den jetzigen vorneh­men, aber auch bombastischen Ausdruck zu gebrauchen, dem Studium derin das Erdenleben hereinragender Gt'isterwelt" überließen, hatte Sebaldus eine wahre Wuth nach alten Manuscripten und Büchern, worin dergleichen abgehanvelt wurde, und Valentin Trotzendorf, rer eine ansehnliche Bibliothek zusammenbrachte, ließ Jenem davon Nutzen ziehen. Eines Abends es war Anfangs März im Jahre 1528 befanden sich Beide in der Bibliothek, deren Beleuchtung von der Seite hauptsächlich auf die Bücher -Repositorien gerichtet war. Sebaldus hatte, nach seiner Meinung, einen Fund gemacht von der größten Wichtigkeit: ein Buch nämlich, worin in aller Breite abgehanvelt war, wie man Geister, und selbst Teufel citiren könne. Mit freudiger Haft, aber nicht ohne einiges Fieber der Furcht, sprach er davon zu sei­nem Rector, der untcrdeß an seinem Tische ruhig Arbei­ten der Schüler geprüft hatte.Seid kein Narr,' Sebal­dus!" sagte lachend Valentin Trotzendorf; wenn wir nicht andere Geister hätten, als die, welche auf solche Beschwörungsformeln erscheinen, ständ's übel mit unö; obwohl's wieder gut wäre, wenn die Teufel der Erde immer auf's Citiren warteten!" Er nahm bei dieser Rede dem Sebaldus das Buch aus der Hand und legte vor sich hin.Damit Ihr aber merkt", fuhr er fort, daß von dem Pergament da weder etwas zu hoffen, noch zu fürchten, werd' ich den Teufel herrufen mit die­ser Formel; Ihr sollt dann sehen, wie er ausbleibt, was wieder ein gutes Remedium sein dürfte, um Euch von Eurer Thorheit genesen zu machen."