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Nr. 35» HerSfeld, den 2. Mai. 1855.

Der »HerSfelper Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hlir.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen alle» Art »erde» aafgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Prinzen Moritz von Hanau, Durchlaucht, Premier- Lieutenant in der Garde du Corps die Erlaubniß fzur Annahme und zum Tragen des von des Kaisers von Rußland Majestät »erlitten erhaltenen St. Stanislaus - Ordens 2ter Classe mit dem Stern, sowie des von des Königs von Preußen Majestät verliehen erhaltenen rothe» Adler-OrdenS 2ter Classe mit dem Stern, zu ertheilen,

den Rechtspracticanten Ferdinand Berner in Hofgeismar zum Amtsaffessor bei dem Justizamte in Witzenhausen, und

den Criminalgerichtsseceetar Emmerich Berner in Schwal- kalden zum Actuar bei dem Justizamte in Heirendreitungen zu bestellen, auch

den Actuar Friedrich Beck vom Justizamte in Schwarzen- felS in. gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Salmünster, und den Obergerichis- Pedellen-Gehülfen Heinrich Schomberg zu Lasset in den Ruhestend zu versetzen.

Der französische M-vokat.

Don Sanferra, Grand von Spanien, war im Jahr 1651 mit seiner Tochter Maria von seinen Gütern in Spanien nach Paris gekommen^ dort sich eine ansehnliche Erbschaft zu sichern. Seine Schwester hatte sich einem Franzosen vermählt, Antoine Marquis de Richmont, die­ser war, angeblich als Der Letzte seines Stammes, ge­storben, das große Vermögen ohne Testament seiner Gemahlin hinterlassend, die'im Jahre 1650 starb, und so wollte nun Don Sanferra den reichen Rachlaß in Besitz nehmen. Franyois de Langeac, ein junger kluger Franzose, der die Rechte stadirt Halle, iah den Spanier öfter mit seiner schönen Tochier spazieren gehen und die Reize der jungen Spanierin machten rasch einen so tie­fen Eindruck auf ihn, daß^er nach irgend einem Anlaß suchte, dem stolzen Don Sanferra näher zu kommen; es wollte ihm aber durchaus nicht gelingen. Wenn in­deß Don L-anferra seiner bis dahin gär nicht achlete, Donna Maria hatte den schönen jungen Mann wohl bemerkt und seine Bemühungen murren von ihr ohne Worte verstanden, was dem klugen Franzosen auch nicht entging.

Weshalb ihr Vater nach Paris gekommen war, wußte er auszukundschaften, und so flennt? er auf den Gedanken, einen Versuch zu wagen, ob der Spanier ihn vielleicht als Anwalt in seiner Erbschafts- Angelegenheit

beschäftigen und er so Gelegenheit finden^ würde, seiner Geliebten sich zu nähern. Obwohl Don Sanserra wenig oder gar keine Besuche annahm, auch Langeac ein Paar Mal abgewiesen worden war, wußte er doch den alten spanischen Diener von der Wichtigkeit dessen, waS er sei­nem Gebieter eröffnen wollte, so zu überzeugen, daß er endlich vorgelassen wurde, als besonders auch die Duenna (Erzieherin der Donna Maria) wie zufällig ihn gesehen und ein Wort für ihn gesprochen hatte; ein Umstand, den Die eitle Schlauheit Langeac's seinen Hoffnungen sehr günstig erachtete.

Mit der verbindlichsten Höflichkeit trug der Franzose dem stolzen Spanier sein Anliegen vor, Don Sanferra aber, der nicht nur stolz, sondern auch geizig war, zeigte keine Lust, einem Anwalt seinen Beutel zu öffnen, son­dern erwiederte:

Mein Herr, die Angelegenheit, welche mich nach Paris rief, ist so klar und einfach, daß sie keines Advo­katen bedarf, um in die Länge gezogen zu werden."

Langeac ließ sich indeß nicht so leicht abweisen, re­dete sich vielmehr ins Feuer, um darzüthun, daß der Don sich irre und ungeahnte Schwierigkeiten seinen Weg erschweren könnten, was ihm aber nichts half, vielmehr nur dahin führte, daß der Spanier seinem Groll gegen Advokaten immer mehr Luft machte, so daß endlich Langeac selber empfindlich wurde und seiner Dreistigkeit keinen Zügel mehr anlegte. Der Spanier horchte hoch auf, als er vernehmen mußte, daß der Franzose sein Anerbieten nur zum Vormunde genommen habe, Donna Maria sich nähern zu können, um die nun Langeac ohne Weiteres seine Werbung vorbrachte. Sanferra, schon in höchster Aufwallung, hielt doch so weil seine Fassung beisammen, um den kecken Freier zu fragen:Ist Eure Familie, Euer Vermögen der Art daß Ihr Euren Sinn auf die Tochter eines Grand von Spanien richten Dürft?" Warum mehr?" entgegnere übermüthig Langeac;ich bin französischer Edelmann, habe zwar wenig an Geld und Gut, aber mein Talent versichert mir Beides, und ich werd' es als Avvokat^zu gewinnen wissen!"So thut'S erst!" gab ihm Sanferrd höhnisch zur Antwort, und sorgt zugleich, daß Ihr aus dem niedern Edel­mann Euch zu Den Höchsten des Reichs erhebt, dann meidet Euch wieder! Was mich betrifft, .so hab' ich's kein Hehl, daß ich von Feverhelven Eurer Art wenig erwarte!"