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Hcrsfelder Anzejger.

srr. 34* HerSfeld, den 28. April. 1855t

Der »HerSfeld er Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalte» kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Berthold Kuffner und sein Gaff.

Der berühmte und reiche Arzt Bertbolv Kuffner in Freiburg saß im Jahre 1710 eines Abends, nach den Anstrengungen des Tages, in seinem Sluoirzimmer bei einem Fläschchen Weins, als ihm ein Fremder gemeldet wurde, der ein Empfehlungsschreiben au ihn habe. Er ließ ihn eintreten und ersah aus dem Briefe, den ihm der Fremde brächte, daß es der Sohn eines Verwandten, des Malers Friedrich Herskmeif sei. Er bat ihn, sich zu sehen, was Jener auch that, obwohl etwas beklom­men, denn das Zimmer, in welchem ringsum Skelette standen, schien ihm kein angenehmer Ort Kuffner be­merkte dies und sagte lächeinv: »Ei, Better, Ihr seid auch Maler, wie der Brief besagt, und so müßt Ihr ja, glaub' ich, Eure Studien am Skelett ebenfalls vurch- machen; so werdet Ihr Euch also nicht scheuen vor den Gestalten, die einst mit Fleisch überzogen waren wie Ihr. Sie thun Euch nichts, seid also wohlgemuth und trinkt!" Ein Fläschchen deö besten Weines nach dem andern wurde geleert unv der redselige Kuffner erzählte dann auch die Geschichte seiner Skelette. Eines derselben war das Skelett eines Räubers, der im Gefängniß starb und von dessen Grüueithaten Kuffner viel zu berichten wu^le. Der Fremde trank dabei immer hastiger, und der alte Doctor that des Guten ein wenig zu viel, so daß er, während der Gast das Wort genommen hätte, einschlief. Jetzt beugte sich dieser scheu zu ihm hinüber, damit er prüfe, ob er wirklich fest schlafe; als er nun aber zu- rücktrat und wohl selber nicht mehr bei rechtem Gleich­gewicht war, stieß er an das Skelett jenes Räubers, sank bei. dem Geräusch entsetzt auf seinen Sessel zurück mnv fühlte nun plötzlich die kalte knöcherne Hand vcö zusammenbrcchenven Skeletts an seinem Halse. Seiner nicht mehr mächtig, schrie er laut auf, daß der Doktor davon erwachte, bald auch dessen Diener herbeikamen. Wie zermalmt sank der Fremde auf seine Kniee und als Kuffner nun um sich schaute, das Geschehene errieth, rief er scherzend aus: »Ei, Ihr scheint mir sehr verweichlichter Art, daß Euch solche Furcht angeht bei solchen natürlichen Dingen!" »Herr--; entgegnete, sei- ner Sinne noch immer nicht mächtig, der bebende Fremde, »Ihr irrt Euch! Hier wallet Gottes Fügung, denn wißt, auch ich bin ein Räuber und Jener war einst mein

Hauptmann, der mich zu Gericht fordert!" Jetzt selbst erschrocken glaubte Anfangs Kuffner, Wein oder Wahn­sinn spreche aus dem Fremden; dieser aber, wie getrieben von seinem Gewissen, fuhr fort: »Der Brief ist falsch und ich bin gekommen, mir die Gelegenheit zu erspähen, wie ich mich Eures Geldes und Eurer Pretiosen be­mächtigen könne. Meine Spießgesellen lauern nur auf mein Zeichen, das ich ihnen in der Nacht, wenn Ihr mich als vermeinten Verwandten bei Euch behieltet zu geben gedachte. Liefert mich den Gerichten aus, daß ich meinen Lohn empfange.

Es geschah und bei dem Verhör ergab sich noch, daß der jetzt Verhaftete einst bei einem Gelage saß mit seinem Hauptmann und Beide über das Jenseits spotte­ten; da sagte unter Anderem der Letztere: »Brüderchen, wenn ich etwa früher von hinnen scheide und ich von noch einer Welt etwas erfahre, werde ich nicht verfehlen, Dir es auf verständliche Weise kund zu thun!"

Wie sehr nun auch Alles natürlich zugegangen in dem Augenblick, als der Räuber die Umhalsung des Skeletts fühlte, immer werden auch wir als eine Fügung Gottes erkennen, wenn ein unvorgeschener Umstand den Verbrecher zum Geständniß bringt. Der erzählte Fall ist aber gewiß einer der merkwürdigsten, da hier so Manches zusammentraf, was mit voller Gewalt eines göttlichen Ausspruchs wirken mußte, wenn wir auch dabei an Salomo's Worte errinnern: »Böses Gewissen ver­stehet sich immer des Aergsten."

Vermischtes.

Am 17. d. M. strandete bei Memel, beim Ein­laufen in den Hafen bei hohem Seegang, das Dampf­bootDanzig" mit 80 Passagieren, größtentheils Ziegel­arbeiter aus Belgien. Das Dampfboot wurde zerschla­gen und sämmtliche Mannschaft ertrank bis auf 2.

Zu den mancherlei ungewöhnlichen und ungünstigen elementarischen Erscheinungen, den außerordentlichen Schneefällen rc. dieses Frühlings, gehörten auch die frühen Gewitter. Auch bei Magdeburg hatte man ein solches am 14. d- begleitet von heftigem Platzregen und Hagel­schlag, der Menschen und Thiere, welche sich im Freien befanden, verwundete, über den südlichen Theil der