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Hersfelder Anzeiger.

Str. 33t Hersfeld, den 25. April. 1855t

Der »Hers feld er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der E,pe- dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeige» aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Hauptmann von Uslar-Gleichen pom Leibgarde- Regiment mit dem Charakter als Major und mit Pension auS- scheiden zu lassen, sowie

dem Hauptmann 6 1a Suite der Kurhtssifchen Armee und Königlich Baierischen Kämmerer G. v. Ditfurth zu Schloß Theres bei Haßsurth a. M., die erbetene Erlaubniß zur An­nahme und zum Tragen des von Seiner Majestät, dem Könige von Baiern demselben verliehenen Ritterkreuzes des Verdienst- OrdenS vom heiligen Michael zu ertheilen.

Drei KretmdfchaftSgloffen. i.

Der Mensch hat nichts so eigen,

So idohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu' erzeigen Und Glauben halten kann.

Wenn er mit Seinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht er nicht zu weichen Mit Herzen, Mund und Hand.

Simon Dach-

Das Haupt gen Himmel heben, Zum cw'gen Vaterland Und seinem Bruder geben Die treue Freundeshand Das Herz zum Herzen neigen In Lust und Schmerzensbann: Der Mensch hat nichts so eigen So wohl steht ihm nichts an.

Wenn in der Trennungsstunde Das Auge trennt und «haut, Ob dem zerrissenen Bunde; Wenn stiller Sehnsuchtslaut Muß tief im Herzen schweigen; Was bleibt, was bleibt ihm dann, Als daß er Treu erzeigen Unv Glauben halten kann.

Ach, wenn der. Freund es wüßte, Wie weh das Scheiden thut

Wie bald er lassen müßte Des Lebens schönstes Gut, Wie schmerzlich würd' er reichen Beim ersten Gruß-die Hand, Wenn er mit Seinesgleichen Soll treten in ein Band!

Und doch! die sich gefunden

Im einen treuen Herrn,

Die bleiben treu verbunden, Die sind sich nimmer fern! Was kann dem Troste gleichen, Den stets der Freund empfand, Verspricht er, nicht zu weiche», Mit Herzen, Mund und Hand!

II.

Die Red' ist uns gegeben, Damit wir nicht allein Für uns nur sollen leben Und fern von Menschen sein;

Wir sollen uns befragen Und sehn auf guten Rath,

Das Leid einander klagen, Das uns betroffen hat.

Simon Dach.

Wenn wir uns nicht verstünden O, welche Einsamkm!

Wie taub und stumm entschwinden Würd' unsre Lebenszeit!

Die Lippen würden neben -~ Und doch verschlossen sein, Die Red' ist uns gegeben, Damit wir nicht allein.

Die Liebe kann nicht leben, Wenn nicht in frohem Muth Sie nehmen kann und geben. Was hülf uns großes Gut! Den süßen Säst der Reben Verbittert' uns die Pein: Für uns nur sollen leben Und fern von Menschen sein!