Str. »1. HerSfeld, den 18. April. 18SS.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Hauptmann G eßner vom 2. Infanterie-Regiment zum 3. Jnfantcrie-Regiment zu versetzen,
den Premierlieutenant von Todenwarth vom 2. Infanterie-Regiment zum Hauptmann und Compagnie-Chef in demselben, und
den Secondlieutenant von Coelln vom 1. Jnsanterie-Re- gimen (Kurfürst) zum Premierlieutenant zu ernennen «nd dem genannten Regimente zu aggregiren, sowie
den Secondlieutenant von Reinhart vom Leibgarde-Regiment zum Premierlieutenant im 2. Infanterie - Regiment zu ernennen.
Wundersame Lmgung.
Gerhard Sebald war ein Goldschmied, der früher in einer totaot Pommerns wohnte, im Jahr 1610 aber nach Rostock zog, wo er nun ein kleines Haus besaß und sich redlich nährte. Seine Wirthschaft wurde jetzt von Clara geführt, die. für seine Tochter galt, und außer einer sehr alten und schweigsamen Magd befand sich weiter Niemand im Hause älö Erich Heimlen, den Se- bald als eine Waise zu sich in die Lehre nahm.
Es war im Juni 1628, als Meister Sebald zu Erich sprach: „Du wurdest gestern vierundzwanzig Jahr alt, und es wäre wohl Zeit, daß Du Dich umfähest in der Welt. Dazu scheint mir jetzt gute Gelegenheit, da zumal hier der Arbeit nicht viel ist, so daß ich wohl al- m n^r1.1 ^rtig werde. Die Kaiserlichen stehen unter Wallenstein vor Stralsund, die Verheerungen des Krieges laufen in unserer Gegend nur Wenige an Gold- und Silbergeräth denken, unvselten werden sogar dieBraut- ringe. Ziehe alle in Frieren! und werde geschickter in Deiner Kunst va, wo das Glück unv die Freude heimischer sind als bei uns!"
Erich stand wie vom Donner gerührt und kam lange nicht zu Worte. „Meister", sprach er endlich, und an seiner Rede nagten die unterdrückten Thränen; „Meister, gerade in diesen Tagen des Unheils solltet Ihr mich nicht von'Euch senden. Wißt Ihr denn, was sich bege- ben kann —und ob Euch nicht für alle Fälle in Eurem Hackse ein Paar junge, kräftige Arme noth thun?" —
stehen in Gottes Hand!" entgeanele Sebald- „Draußen wirst Du Arbeit finden und Lohn, den ich
Dir, da's hier an Geschäft mangelt, nicht mehr zu geben im Stande bin. Und wie gesägt, es ist Dir nützlich; machen wir uns also das Herz nicht schwer."
Ach, Erich wär' gern ohne solchen Lohn geblieben, denn er sehnte sich nach dem größesten — nach Clara. Auch diese wurde bleich unv roth, als sie vernahm, daß Erich fort solle, und eilig ging sie in ihr Kämmerlkin, sich dort auszuweinen und ihres Herzens Neigung nicht zu verrathen. Sebald hatte diese Neigung wohl erkannt, und auch deshalb schien es ihm gerathen, daß Erich scheide. So geschah es denn nach wenigen Tagen. Clara nahm von ihm Abschied in Gegenwart des Vaters und vermochte nicht der Thränen sich zu erwehren, als sie nun sprach: „Gedenk' Unserer, und halte Dich treu und redlich, daß wir uns freuen mögen, wenn wir uns jemals Wiedersehen!" — unv dabei hatte sie ihm die Hand gegeben und er fühlte ihren innigen Druck. Erich mußte meinen unv Thränen waren auch fast seine ganze Sprache, denn er sagte nur: „Lebt wohl Meister, der Ihr mir Vater warst; lebt wohl, Jungfer Clara! Wenn'S Euch wohl geht, vergeßt mich nicht/ und geht's Euch schlimm, so ruft mich!"
Bald stand er draußen vor der Stadt und belsste inbrünstig zu Gott, indem er hinblickte auf den Ort, wo er sein Herz zurückließ. Dann schritt er fürbaß, und wiederholte sich im Gehen Clara'ö Rede, von der ihm die Worte: „Halte Dich treu" die liebsten waren, denn wagte er auch nicht, es sich zu gestehen, doch schien eö ihm, als läge gar viel Hoffnung darin.
Clara saß traurig daheim und Sebald sagte seufzend zu sich selber: „Du hast doch recht gehandelt!", — Clara war nicht seine Tochter. Als Sebald von langer Wanderschaft zurückkehrle, fand er beide Eltern todt, und nur seine liebe Schwester Kunigunde kam ihm entgegen. Er brächte einen Kunstgenossen mit, Franz Horsolt, der eines reichen Goldschmieds Sohn, nach Stockholm wollte, wohin er verschrieben war. Aber er .blieb, und blieb zum Grame Sebald's; denn dieser sah, daß ihn Kunigunde hielt, und doch hatte er schon deutlich genug bemerkt, daß dem Horsolt nicht sonderlich zu hau,en war, ihm, der nach Lust und Prunk, nicht in Genügsamkeit nach den Schätzen des Herzens trachtete. Plötzlich aber hatte er sich entfernt, und aus Kunigundcn'S Thränen und Verzweiflung sprach es, daß er ihr Verführer gewesen. Clara war Horsolt's und Kunigunven'S Tochter,