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Martha denselben Kr das nächste Jahr in Pacht und zahlte dafür 10 Thaler. Im Frühjahr, Enve März, ward der Ackrr rein geegget und Martha streute alsdann ihr Düngpulver aus. Dieses bestand aus folgender Mischung. Alle Abfälle bei der Flachsbereitung sam­melte Martha und veibrannte sie zu Asche. Diele Asche ist ein treffliches Düngungsmutel, denn sie enthält, .die Bestandtheile, welche der Flachs zu seinem Gedeihen be­darf. Darunter mengte sie 50 Pfund Viehsalz, welches der König steuerfrei zu 26 Sgr. 4 Pf. pro Zentner er­läßt; ferner 50 Pfund gepulverten Gyps; der kostet pro 100 Pfund 20 Sgr., an andern Orten oft nicht halb so viel; ferner 20Ö Pfund Knochenmehl, welches sie, wie wir früher erzählt, selbst gesammelt hatte. Wohl gemengt und sein ward dieses Pulver gleichförmig ausgesäet und eingeegget. Mitte April begann die Aussaat von Z Ton­nen frischen, schönen Rigaer Lein, und dann ward der Acker mit der Handegge möglichst klar gestellt, als ob es Gartenland wäre. Der Flachs will, nicht locker stehen, deshalb wird er meist überwalzt. Martha aber zog die Tretbretter vor, wie man sie in Thüringen in den Gär- - ten gebraucht. So ein Brett ist 1^ Fuß'lang und 1 Fuß breit, an jeden Fuß wird eins mit dem Strick be­festigt und das Ende des Seils behält man in der Hand, um'das Aufheben zu erleichtern. Damit tritt man die Erde fest, und die Oberfläche wird so glatt, als ob sie gehobelt wäre. Sobald der Flachs eine Höhe von drei Zoll erreicht hatte, ging Martha mit den Kindern auf das Feld, um das Unkraut sorgfältig auszuraufen; tobet wurden die Schuhe ausgezogen und Kniee der Knaben umwickelt um die jungen Pflanzen nicht zu beschädigen. Gegen den Wind mußte gearbeitet werden, damit derselbe . die niedergedrückten Stengel wieder gufrichte.

- Je reiner der Flachs von. Unkraut ist, um so ge­deihlicher wächst er empor.

Die Zeit der Reife, die Behandlung bei der Erndte und die Röstung habe ich schon früher beschrieben. Die Zubereitung des Flachses, das Brechen, Schwingen und Hecheln war Martha's schöne Winterarbeit. Dazu ge­hört eine Kunstfertigkeit, welche nur durch Uebung ge­wonnen wird; denn die Aufgabe ist, vielen Flachs und wenig Heede zu machen. Martha hatte Unterricht bei einem Belgier genommen; ich aber rathe einem Jeden, welcher die Sache gründlich erlernen will, sich an die Flachsbauschulen in der Provinz zu wenden.

Es falten sich jetzt aller Orten Vereine zur Beför­derung des Flachsbaues und dort kann sich jeter Lust- jragenre Rath holen; ich bitte ia, diese Gelegenheit nicht zu versäumen, denn der Fleiß und die Umsicht, welche man aus den Flachs verwendet, belohnt sich besser, als irgend eine andere Feldarbeit.

Laßt uns die Rechnung machen: Martha zahlte un Pacht . . . 10 Thlr.Sgr.Pf. Aussaat Z Tonnen Rigaer Lein ä 15 Thlr.......11 * 7 - 6 -

Die Asche halt? sie selbst gesammelt.

50 Ä Salz, 1 Etnr. 26 Sgr. 4 Pf. Thlr. 12 Sgr.Pf.

50 - Gyps - 20 -. - 10 - - - 200 Ä Knochenmehl selbst gesammelt.

Dem Säemann und Eggen . . 1 - 10 - -

Baare Auslagen 23 Thlr. 9 Sgr. 6 Pst

Dagegen wurde in guten Jahren

350 Pfd. reiner Flachs erzielt, und für die schöne Waare empfing

Martha 23 Thlr. für 100 Ä, also 77 Thlr. - Sgr.Pf. an Saamen gewann sie mindestens das Doppelte der Aussaat; wir wollen indessen nehmen,.baß ihre

Auslage nur gedeckt sei . . 11 - 7 - 6 -

/ 88Thlr. 7Sgr. 6Pf.

Die Arbeit lohnte sich also mit 64Thlr. 28 Sgr.Pf. und außerdem fiel Martha das gute Werg zum eigenen Gebrauch und die Spreu der Saamenkapseln als Vieh- futler anheim. Da möchte ich doch sehen, ob irgend eine lohnendere Arbeit für den Landmann zu finden sei!

Marcha zahlte ihre Pacht aus den Gartenfrüchten und zog den eigenen Hausbedarf. Wöchentlich diente sie drei Tage ä 4 Sgr.,

das macht im Jahre . . , 20 Thlr lSgr.Pf. an Flachs kamen ein . . . 64 - 28 - -

für Eier und Körbe . . . 5 > 2 - -

macht 90Thlr.Sgr.Pf. baares Geld; die Frau stand sich also besser, alö ein Arbeiter, der täglich 10 wgr. verdient. Da seht ihr, was ein frommes, verständiges, fleißiges Weib vermag!

Wer Gott fürchtet und vertraut, beharrlich ist in der Arbeit und seinen Verstand braucht, der wird unter allen Verhältnissen durch die Welt kommen und hat nicht nöthig scheel zu sehen, wenn der Herr gütig gegen An­dere ist.

Der kleine Mann muß Früchte bauen, die viel Ar­beit und wenig Boden erfordern. Geht nach Thüringen und schaut Euch um, wie man dort Anis, Kümmel, Kanariensaamen, Mohn, Fenchel, Hopfen, Taback, Cicho- rien und eine Menge anderer Handelsfrüchte ^ieht, die Ihr kaum dem Namen nach kennt. Jeder untersuche, was auf seinem Boden, am sichersten fortkommi und das meiste Geld giebt, unb verwende darauf Umsicht und Fleiß. Gesetzt, eine Familie von fünf Köpfen bebaut fünf Morgen gartenmäßig, und nehmen rote Mann, Frau und ein Kind als arbeitsfähig. Wollte der große Grundbesitzer, welcher 1000 Morgen besäet, dieselbe Kul­tur einführen, dann hätte er 600 Menschen nöthig, und die sind nicht aiMwerben und zu regieren. Jeder han­dele also seiner Stellung gemäß. (Schluß folgt.)