Hersfcldcr Anzeiger.
Mv. S3. HerSfeld, den 21. März. 1855>
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnäoigst geruhet:
den Oberstlieutenant v. Spiegel, aggregirt dem 1. In» fanterie-stiegiment (Kurfürst), zum interimistischen Commandeur bryelben zu ernennen,
dem Haupimann Breithaupt im Artillerie-Regiment die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich demselben verliehenen Ritter. Ordens der eisernen Krone dritter Klasse zu ertheilen,
zu Obersten zu ernennen:
den Oberstlieutenant v. Spiegel, inierimistischen Commandeur des 1. Infanterie-Regiments (Kurfürst) unter Bestäti- x gung als Regiments-Commandeur,
den Oberstlieutenant Wegner, Commandeur des 2. Jn- fanterie«RegimentS,
den Oberstlieutenant ». Kalteaborn, Commandeur des 3, Jnfanterie-Regiments, und
den Oberstlieutenant v. Schenk zu SchweinSbertzj Commandeur des 2. Husaren-Regiments, — auch
den Hauptmann Bauer ä la suite des Leibgarde-Regi. - ments von der Dienstleistung als Plaßmajor der Residenz zu entbinden.
Flachs -Martha.
(Fortsetzung.)
Die beiden Knaben schliefen auf der Bodenkammer. Weiches Betlwerk taugt nicht für solche gesunde Bengel.
Jeder lag: auf einem S-trohsack mit trockenem Far, renkraut ausgepolstert, ein Kopfkissen unv ein Paar Dek- ken nebst Leintücher waren Die ganze Ausstattung. Im Winter wurde noch ein Rock oder alter Sack 'auf die Füße gestegt. Jeder Bursche hatte sein Bette selbst zu machen „vann braucht ihr's nicht in der Kaserne zu lernen," sagte die Mutter. Jeden Morgen kamen die Jungen mit der Jacke auf dem Aermel Herunter unv mußten sich auf der Hausflur kämmen und waschen, damit Martha sicher war, daß es geschah. Wild und lustig waren die Knaben, allein die Kleidung mußten sie schonen, darin spaßte Martha nicht; jeden Abend sah sie sorgfältig nach und flickte und setzte Knöpfe an; später halfen die Märchen. Bei ordentlichen Leuten muß die Kleidung ganz und reinlich sein; wenn die Kinder abgerissen umherlaufen, so wirft es Jedermann auf die Mutter. Ja, wenn man ihnen die Zügel schießen läßt, da gehts durch dick
und dünn über Hecken und Zäune, und die Kleider reißen sie sich vom Leibe. Martha war nicht hart im Strafen, sie regierte die Kinder mit Wink und Wort, während die Nachbarin alle Tage ^inen Haselstock zerschlug. Grethe, sagte sie zu dieser: man muß früh an- sangen, den Willen zu brechen. Die seelige Pastorin war eine Frau schön wir ein Bild, die Leute auf der Straße blieben stehen und sahen ihr nach, mild und freundlich war sie gegen Jedermann; wer eS nicht wollte, zog Den Hut ab. Allein mit Den Kindern spaßte sie nicht. Ist ihr Sohn der Assessor nicht ein Mann nach * dem Buche? Und wie er zwei Jahr alt war, konnte er oft vor Trotz und Eigensinn nicht zu Athem kommen. Dann legte sie das Kind auf eine kleine Decke platt an die Erve und ließ es ausschreien, bis es gute Worte gab. Der Junge wqr bald kurirt. Höflich mußten die Kinder sein gegen uns Dienstboten. Bitte, liebe Martha, komme zur Mutter! hieß es.
Ungehorsam und Eigensinn sind wie Unkraut, man muß rasch hinterher sein, bevor die Wurzel tief geht und der Samen schießt. Kommt man nicht oft in ein Haus, wo die Kinder lärmen und schreien, als wollten sie einen Marver aus der Scheune jagen? Das ist wahrhaftig die verkehrte Welt, wenn die Jungen den Alten das Leben verbittern. Jst's schon so weit gekommen, dann kann Birkenlieschen und Die angebrannte Asche nicht Alles wieder gut machen. Sagt mir, was ihr wollt, man muß schon "in der Wiege ansangen! Des Küsters Junge hat mehr Schläge gekriegt, als ein Esel tragen kann unv taugt doch nicht! Affenliebe findet keinen Segen! Finde ich mein Kind auch niedlich, fremde Leute sehen doch die langen Ohren! — Martha hatte Recht und wir fügen hinzu: Die Eckern sollten selbst ein gutes Beispiel geben und nicht so oft poltern und seifen. Befehlen kann man und streng sein, ohne im Hause die Allarm- trommel so zu schlagen, daß die Nachbarn zusammeu- laufen.
Aber am schlimmsten ist es, zu den schlechten und dummen Streichen der Kinder zu lachen; das heißt dem Verderbniß die Thüre öffnen. Hat nun die Mutter die Kinder verzogen, dann heißt es, der Vater muß kommen und sie aushauen! Wahrlich eine schlechte Erziehung, wo Der Väter nur zum Bangemachen gebraucht.wird;