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Hersfelder Anzeiger.

Mr. Stz. Hersfeld, den 17. März. 1855»

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Hanau, Premier- Lieutenant ä la suite der Garde du Corps und dem Prinzen Moritz von Hanau, Premier-Lieutenant in der Garde du CorpS, Durchlauchten, den Kurfürstlichen goldenen Lowen-Orde^n, sowie

dem Kaiserlich Königlich Oesterreichischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Hannover- Hose, wirklichen Kämme,rer Grafen von Jngelheim das Großkreuz des Kurfürstlichen Wilhelms-OrdenS zu verleihen.

Flachs-Martha.

(Fortsetzung.)

Kam aber die Geschichte auf hie Schlacht bei Ligny und wie dort auf dem Kirchhöfe, der Vater in Verthei­digung seines verwundeten Haupimanns gefallen sei, dann wurde es so stille in der Stube, als ob ein Engel durchs Haus ginge. Dse Kinder hauen den Vater kaum gekannt, allein in Manhas Herzen war sein Bild frisch und lebendig wie gestern geblieben. Wiedersehen war ihr Trost! Der einfältige Glaube dieses Weibes hätte Berge versetzen können, etc blieb murhig unv treu auf ihrem irdischen Posten, um nach der Abberufung sich mit ihrem^ Heinrich wieder zu vereinen. Ferner stand in der Stube ein eichener Küchen schränk mit Glasihüren, darinnen das wohlerhaltene Küchen- und Tischgeräts welches sie mit ihren Bräutigam einst angeschufft, oder am Hochzeitstage von Freunden und Verwandten em­pfangen hatte. Denn das tugendhafte Paar war nicht 'zusammengelaufen in leichtsinniger Weise, wie die Zigeu­ner. Ja, das ist eine leichte Sache, heiralhen, Kinder in die Welt setzen, Hungbr leiden und Betilw und Gauner zu Lasten der Gemeinde, wild aufwachsen zu lassen. Nein, Martha hatte 5 Jahre beim Pfarrer mit Ehren gedient und ihren Lohn sparsam zurückgelegt. Nicht bunte Lappen hatte sie sich angeschafft, sondern ein 'iuche- nes Kleid, das sie noch am Sonmage trug. Und ihr Mann war Großknecht auf dem Schloß unv ließ seinen Lohn ebenfalls nicht in der, Schenke. So mochten sie wohl an die 100 Thaler zasammengebracht haben. Das Bett war gut, und das Leinenzeug wie es sich für ge­ringe Leute schickt. Auch hatte sie eine schöne Kuh be­

sessen, allein leider aus Noth verkaufen müssen, als der Mann todt war und die Kinder klein. Des Herrn Wille geschehe, dachte Martha und begnügte sich mit einer Ziege. Der Viehhändler bot zwar eine Kuh an, allein sie hatte einen Abscheu vor Schulden. Wenn die Wittwe ihren Kindern von ihrer Dienstzeit erzählte, so sagte sie: Gott hat es weislich eingerichtet, daß geringer Leute Kinder bei tüchtigen Bürgersleuten und andern Herr­schaften dienen müssen. ,Da lernt man Ordnung und Haushalt, Reinlichkeit und Anstand und wer offene Au­gen hat, der sieht Manches ab, was ihm später nützen kann. Sei es Knecht oder Magd, wer fleißig, treu und sparsam ist, der kann von Lohn und Geschenken etwas zurücklegen für seinen künftigen Hausstand; der Pfen­nig wächst zum Thaler in derHanv dessen, der die Kunst vei steht. -»*

Wenn ich hübsch mit dör Wäsche frankieren kann und mich auf Gartenbau und Blumen verstehe, so ver­danke ich das der seligen Pastorin, die hat mich nicht auslaufen lassen in die epinnfiuben und auf die Kirmeß- bälle. Marrha, sagte sie, ein verständiger Mann sucht keine wilde Hummel unv ein sittsames arbeitsames Mäd­chen ist noch immer zu Ehren gekommen.

Die Bauern sind oft zu stolz, um ihre Kinder die­nen zu lassen und das ist eine Thorheit

Die Burschen werden wohl an Gehorsam, Anstand und Ordnung gewöhnt beim Militair, man siedt's auf der Stelle, ob der Junge gedient hat, oder nicht. Aber die Mädchen, da Hinki's, die hat die Mutter verwöhnt, schöne Kleider und schlechte Manieren, im Garten nur Bohnen, Kohl unv Kohl und Kartoffeln, unv in der Küche verbrauchen sie das doppelte, unv oft will kein fremder Gast zugreifen. Geht man in die Waschküche, so sollte man die Augen zumachcn! Wenn man ihnen die Leinewand schenkte, so könnten sie kein feines Hemde nähen.

Die Frau Pastorin war eine schmucke Frau und sie nähte alle ihre K^iter selbst, die saßen wie gegossen.

Eine gute Nähschule ist ein Glück für ein Dorf. Vom Renimeister hörte ick, der Graf habe gesagt: auf dem Landtage hätte der Minister von solchen Einrichtun­gen gesprochen. DaS wäre ein gesegneter Einfall wenn's nur nicht beim schwatzen bleibt. Martha erzählte allerdings ^ein wenig weitläuftig, allein was sie sagte,