Hersfelder Anzeiger.
&*♦ Sl. HerSfeld, den 14. März. 1855*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Major und Flügel.Adjutanten von Heimrod zur Dienstleistung beim Leibgarde-Regiment zu eommandiren und demselben zu aggregiren.
Flachs-Martha.
(Fortsetzung.)
Kap. II.
Wie Frau Martha ihren Ha ushält führte.
Wer das Haustein der Wittwe betrat, der fand, was die Frau Darunter verstand, wenn sie sagte: jedes Ding muß an seinem Platze sein. Ein kleiner Graben war um eaö Haus gezogen, damit das Wasser ablaufen konnte, den Brunnen nicht verunreinigte und die Stube und Wände feucht machte. Bor der Thür lagen einige flache Steine und ein Bündel Birkenreiser um die Füße zu reinigen. „Den Schmutz, den ich nicht, hineinbringe, brauche ich nicht hmauszuiragen," pflegte die verständige Frau zu sagen. Auf dem Flur stand der Besen; daS Grabschciv und der Rechen hingen an der Wand, und die Flachsbracke und Hechel, so wie die Schwinge, womit sie im Winter^ arbeitete, waren wohl verwahrt und in Ordnung zu finden. Für den kleinen Spitz, mit dem die Kinder spielten, stand ein alter Bienenkorb da, mit Heu gefüttert; sie hielt es für sicherer, den treuen Wächter Nachts im Hause zu habön, als wie draußen. Abends schob sie den Riegel vor; am Tage schloß sie beim AuS- gang ab und hing den Schlüssel in das Nachbarn Haus, dort fanden ihn die Kinder, wenn sie etwa früher aus der Schule kamen.
Hinter dem Flur, unter demselben Dach, war ein kleiner Stall für die Ziegen, über demselben die Fulter- kammer. Ein schöner Hahn und sechs prächtige Hühner fanden hier ein warmes Quartier und wurden auf dem Flur gefüttert, denn in den Garten durften sie nicht kommen; auch waren die Flügel beschnitten, damit sie den Nachdain nicht lästig steten; auf der Strafte sucht, n sie, was zu finden war. Einige gebrühte Kartoffeln, die Brvckrünimlein, durch die Kinder gelesene (Seiften- ahren und was vom Tische abfiel, diente als Futter. Jedes Kind hatte ein Huhn, welches ihm aus der Hand
fraß und die paßten schon auf, daß fern @i »»ertragen wurde, oder dem Iltis anheim fiel. Begegnet den Thieren nur freundlich, und es ist kaum eins so wild, daß es euch seine Liebe nicht zuwendete. Aus den Gern löste Martha ein schönes Geld, eins verwandte sie täglich zu eigenem Gebrauch, und zu Ostern empfingen" dir Kinder bungekochte Eier. Gegen junge Hühner tauschte Martha jährlich zwei Gänse; die wurden gemästet, denn ein Schwein konnte fit nicht schlachten. Da denkt ihr wohl, sie hätte Gerste gekauft, um die Gänse damit zu füttern ? Danke schön — die gute Frau gab sehr ungern Geld aus. Die Steuern und Miethe bafte sie willig bezahlt, auch das Schulgeld, und Schuster und -Schneider abgefunden; allein dann ging ihr Koffer nicht mehr auf: geringe Leute müssen sparen, wenn sie fort* kommen wollen. Hört, wie sie es machte! Bor dem Hause war ein sonniges/Platzchen, es Hätte ein Blmnen- ffärteben sein können, da zog sie Kohlpflanzen zum Ber-l kauf früher, als wie der Gärtner. Dahin legte sie tür» kischen Walzen oder Mais von der kleinen tiroler Art, die in ganz Deutschland fortkommt; den Saamen hatte sie einst aus des Grafen Garten bekommen. Ward die Nacht kalt, so deckte sie eine Strohmatte über das Beet. Waren die Pflanzen eine starke Hand hoch, so umfaßte sie damit die Gartenbeete, je 18 Zoll von einander, und begoß und behackte sie fleißig. Kolben trug der Mais im Herbst bunkelroth und gelb, daß es eine Pracht war. Das Futter ist so gut wie Zucker für die Gänse, die iu dunkler enger Zelle der Welt vergaßen und nur an die Maiskörner und Nudeln dachten. Schlachtete Martha ihre Gänse, dann war sie nicht zu sprechen. Schwarzsauer wurde gemacht aus dem Blut, die Federn sorgfältig verwahrt für die Töchter, das Fett a ('gelassen, um als Butter und «Lchmalz' zu dienen, die Brüste zum Räuchern präpariri, um sie später zu verkaufen; Leber und Fleisch verwendet und Borralh gesichert für den langen Winter. Auch die Kinder gaben ihr Gutachten und die ganze Haushaltung was überzeugt es gäbe feine fetteren Schweine im Dorfe, als wie ihre.Gänse. Ja es steckt ein Geheimniß im Gänsemästen. Die beste Mästung geschieht durch Nudeln. Es wird alsdann auf jede Gans ungefähr * Scheffel Gerst-, Roggen-, oder Mais-Schrot gerechnet. Hiervon werten, wie ein Finger lange und dicke, Zapfen gemacht, die man etwas hart trocknen läßt, alsdann in Wasser taucht und bey