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Hersfelder Anzeiger.

sre. 18. HerSfeld, den 3. März. 1855»

Der »Perl selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Hei- desselben bei der Expe­dition (Neuwarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Justizbeamten Friedrich Leopold Ludwig von Schutz bar genannnt Milchling zu HerrenbreitNngen in den Ruhestand zu »ersetzen und

dem Stadtgerichts-AssessorGeorge Wiskemann in Sasse! die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung auS dem Staats- dienste zu bewilligen, sowie

den Obeifinanz - Assessor von Wille zum Oberfinanzrathe mrd zum Vorstände der Rechnungs-Eommission zu ernennen.

Das Gsl - stü <k.

(Schluß.)

VI.

w Schwermüthig, aber doch gefaßt und entschlossen, war Wilhelm zu seinen Eltern zurMgekommen. Ihnen die letzten Jahre ihres Lebens zu erleichtern, schien ihm seine einzige Lebensaufgabe noch zu sein. Rasch stürzte er sich m die Arbeit, in ihr vergaß er am leichtesten, was sein Gemüth schmerzlich bewegte. Die Bermögcns- umstande seines Vaters mußten zunächst geordnet werden, und so finden wir ihn am zweiten Tage nach seiner Rückkunft aus Berlin vergraben in Rechnungen und Pa­pieren, emsig rechnend, ordnend. In dieser Beschäftigung ch" das Rollen eines Wagen, der vor seiner Thüre, stille hielt. Verwundert schaute er auf; wer konnte ihn in einem klagen besuchen? Da öffnete sich die Thüre oQl der Bataillonsarzt, der ihn in der verbunden hatte, an seiner Hand eine blasse, hübsche Dame, in der Wilhelm bald jene arme Kranke erkannte, die er 1806 gerettet hatte. Ehe Wil- ^Überraschung Worte finden konnte, reichte e j h m in den herzlichsten

UtlC stEe ihm seine Gattin vor. Auch diese schloß sich in der freundlichsten Weise den Danksagungen ihres Mannes an unv versicherte ihm daß sie, obigen sie damals kaum ihrer Sinne mächtig gewesen doch die Gestalt ihres Retters, ihr SS hulfrcichcr Engel.erschienen, nicht aus der Erinncruna Vk^oren habe Wilhelm war beschämt,, er meinte nur feine Pflicht gethan zu haben, was so vielen Dankes aar nicht werth |n; allein seine Verlegenheit vermehrte sich als der Arzt ihm die Pachtung seines großen Gutes un-

tet so vortbcilhaftcn Bedingungen anbot, daß man wohl sah, in diesem Anerbieten lag noch ein Abträgen deS Dankes versteckt. Wilhelm hätte gern jeden Dank auS- geichlagen, allein er wußte nicht, wie er gegen die herz­liche Art und Weise des Arztes auskommen sollte, und in seiner Verlegenheit fragte er, wie man seinen Namen erfahrn, ihn aufgefunden habe. Da erwiederte der Arzt mit ernster Rührung: wahrlich, wunderbar sind des Himmels Wege. In der Schlacht von Laon ward ich von Ihrer Seite gerissen, ohne Ihren Namen erfahren zu haben und vergebens war nachher meine Mühe, Sir wieder auszufinden. Leichter hätten Sie vielleicht mich erfragen können, allein Sie verschmähte», es hochherzig und wichen , meinem Danke aus. Und doch mußten Sie mich wider Willen auf Ihre Spur bringen. Kennen Sie dieses?" Bei diesen Worten zeigte er ihm das Goldstück an der Schnur. Wilhelm wurde roth und fragte stotternd: woher haben Sie das?" Der Arzt erwiederte:von meiner Nichte, meiner Tochter", öffnet« die Thür und herein trat Karoline. Sie streckte beide Hände nach dem jungen Manne aus, die Thränen stürzten ihr auS den Augen und stockend sagte sie:Wilhelm, wie bist du hart gewesen ich habe dich ja niemals vergessen!" Wilhelm wußte nicht, wie ihm geschah, er faßte Karoli» nens Hände, drückte sie an sich und fragte zweifelnd:ist eS möglich, Karoline, du wärest mir treu geblieben, ich dürfte dich wohl mein nennen?"

«Und warum nicht", sagte ernst b#r Arzt;der Himmel hat mir keine Kinder geschenkt, und als mein Schwager, Karolinens Vater starb, kam diese zu mir, unS eine Tochter ersetzend. Ein braves Mädchen bleibt seiner Liebe treu, und einen wackern Freiheitskämpfer, den Retter meiner Frau begrüße ich mit Freuden als meinen Neffen, meinen-Eidam. Nehmen Sie sie hin." Mit Entzücken drückte Wilhelm die Wicdergcfunvcne an sein Herz, dann fragte er zweifelnd:aber Karoline, kein Wort, kein Zelchen'der Freude, als ich in Berlin wich wieversah?"Karoline hielt Sie für todt",, sagte ihr Oheim:Gleich nachdem sie in unser HauS gekommen war, entdeckte sie uns ihre Liebe zu Ihnen. Ich forschte bei Ihrem Regimente nach und erhielt vor einem Jahre die'Nachricht, Sie seien gefangen und vom Feinde erschos­sen worden."Als du plötzlich vor mir standest", fuhr Karoline fort, »ergreif ich bis zum Tode. Lange hatte