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Bedeutung war, da der Tschako den Hieb aufgefangen hatte. Wilhelm dankte für seine Hülfe, der Arzt aber sagte: Sie können mir Ihren Dank durch die That beweisen. Als ich Sie untersuchte, fand ich auf Ihrer Brust ein gehenkeltes Goldstück, daß ich einst' besessen habe, ich erkenne es an den eingegrabenen Buchstaben Fr. R. ded. Dieses Goldstück ist mir lieb und theuer und Sie werden mir einen Gefallen thun, wenn Sie mir eS zurückgeben; ich zahle Ihnen gern den doppelten Werth dafür." Wilhelm horchte verwundert auf und entgegnete, daß er dieses Goldstück schon lange besitze und nicht begreife, wie es einem Andern von Werth sein könne. Der Arzt erwiederte: „hier muß ein Irr­thum obwalten. Die eingegrabenen Buchstaben bezeich­nen das Goldstück zu genau, ich kann mich unmöglich irren. Um Ihnen jedoch meinen Anspruch darauf zu be­weisen, will ich Ihnen mittheilen, welche Beziehung das­selbe für mich hat " Wilhelm hörte gespannt zu und der Arzt fuhr fort: „ich bin ein Gutsbesitzer auS der Gegend Westphalens. Als der Krieg 181)6 auSbrach, war ich auf einer Reise in England. Ich eilte, nach Hause zu kommen, wo ich meine junge Frau, die ihrer Niederkunft entgegen sah, auf meinem einsam gelegenen Gute zurückgelassen hatte. Der Krieg hatte bereits seine unglücklichste Wendung genommen, als ich zu Hause an- kam. Ich fand meine Frau nicht mehr vor, aber einen Boten, der mir miltheille, sie liege krank in einer kleinen westphälischen Stadt. Ich eilte dahin. Mein armes Weib war von einem entsetzlichen Unglück betroffen wor­den. Marodeure hatten die Gegend unsicher gemacht. Täglich hatte meine Frau Kunde erhalten von neuen Räubereien, Ueberfällen, und so hatte sich ihre Furcht und Angst so weit gesteigert, daß sie sich keinen Augen­blick mehr sicher auf ihrem einsamen Landsitze wähnte. Sie hatte beschloßen, nach Arnsberg zu flüchten. ^Auf Nebenpfaden, nur in Begleitung eines Dieners, zu Fuße, um durch einen Wagen nicht die Raubsucht erst anzu- feuern, halte sie den Weg nach der nächsten Llabt an# getreten, in der sie die Post nehmen wollte. Allein' just so war sie wirklich Räubern in die Hände gefallen. Der Diener war feig geflohen, sie selbst aber beraubt und gemißhandelt worden. Hülflos, an einem Baum gebunden, würde sie dem sicheren Tode erlegen sein, hätte nicht ein junger Wanderer sie gerettet, und sich auf das Freundlichste ihrer angenommen.^ Dieser junge Mann halte für ihre Pflege ein gehenkeltes Goldstück, vielleicht sein letztes Besitzthum hingegeben und war, ohne Dank zu begehren, von bannen gegangen. Ich brächte meine Frau nach Berlin, wo sie langsam genas. Jenes Gold­stück aber, Dasselbe, was Sie auf der Brust tragen, wechselte ich mir ein und betrachtete es seit jener Zeit als ein liebes Andenken an den Retter meiner Frau, dem ich so gern meinen Dank abgetragen hätte. Sie wissen jetzt warum eS mir werth ist."

Wilhelm war freudig bewegt durch diese Erzählung, die ihm kund that, daß jene arme Frau vollständig ge­

rettet worden. Da er aber jetzt noch weniger die wun­derbare Art begriff, wie er das Goldstück wieder erhal­ten/ so fragte er: „und Sie verloren das.Goldstück wieder?"^ Der Azt wurde etwas ungeduldig und erwie­derte: Sie scheinen mir noch nicht zu glauben. Wohlan denn, Sie sollen auch das wissen.

Der Haß gegen die Franzosen bewog mich in dem Kriege von lb09 in österreichische Dienste zu treten. In der Schlacht bei Wagram ward ich schwer verwundet - und bewußtlos auf dem Lchlachifelve liegend, auSgeplün- dert. Dabei kam mir das Goldstück abhanden, das ich immer in meiner Börse trug.

Und als der Krieg gegen Frankreich voriges Jahr wieder auSbrach, vermochte ich nicht, vom Kampfe zurück- zubleiben. Allein in Folge jener Verwundung ünfähig den Säbel zu führen, trat ich als Arzt in die Armee. So ließ mich der Zufall Sie finden und fetzt wiederhole ich meine Bitte, mir dieses Goldstück abelassen, das nur durch Zufall in Ihre Hände gekommen sein kann." «Und doch besitze ich das Goldstück länger als Sie", sagte Wilhelm lächelnd.

„Unmöglich",' fuhr der Arzt aus, „das kann nicht sein!"

Wilhelm ward gereizt über den barschen Ton des Arztes und sagte: wenn ich nun jener junge Wanderer gewesen wäre, der ihre Gattin gerettet hat?" Der Arzt lächelte und erwiederte: „es wäre doch ein eigener Zer­fall, daß Sie das Goldstück damals weggeben hätten und es jetzt wieder besäßen" Wilhelm, verletzt über den Zweifel an seiner Wahrhaftigkeit, theilte jetzt dem Arzte Alles mit und erzählte die Nebenumstände jenes Abenteuers so genau, daß jener überzeugt werden mußte. Er gerielh in die größte Freude, drückte ihm die Hand und rief: „endlich habe ich den Retter meiner Frau ge­funden und ich kann ihm meinen Dank abstatten." In diesem Augenblicke erscholl in unmittelbarster Nähe ein furchtbarer Kanonendonner und eine sechspfündige Kugel schlug in die Wand des Haulcs. Der Arzt sprang hin­aus,'zu sehen, was es gäbe. Draußen entspann sich, eben das hartnäckigste Gefecht um das Dorf. Nach hef­tigem Widerstände mußten die Verbündeten weichen und die Franzosen blieben Meister des Dorfes. In dem Getümmel war der Arzt mit fortgerissen worden und Wilhelm blieb- in der Gewalt des Feindes.

Die Franzosen blieben in dem Dorfe Clacy bis bett andern Tag. An diesem aber, auf ihrem andern Flü­gel vollständig geschlagen, mußten sie den Rückzug an- treten und Wilhelm wurde gefangen mit fortgeführt. So sah er den Arzt nicht wieder. (Forts, folgt.)

Verwischtes.

Auch eine Warnung. Ein wohlhabender Bauer hatte neulich eine Summe Geldes in Kassenanweisungen empfangen und war eben im Begriffe, fie zu zählen