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9tp. 16«. HerSfeld, den 24. Februar. 1855*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnäbigst geruhet:
den bisher provisorisch bei dem Oberhofmarschall-Amte an- gestellien Calculator Christian Garthe nunmehr definitiv zu
Das Gol-ftück.
(Fortsetzung.)
IV.
Länger als ein Jahr mußte Wilhelm in harter Gefangenschaft schmachten. Hart war diese im Allgemeinen, denn Die Gefangenen wurden schlecht behandelt, hart war sie für ihn ins Besondere, denn er hatte schon seitdem er in Spanien war keine Briefe von seinen Lieben mehr erhalten — was bei Der weiten Entfernung beö Kriegsschauplatzes von seiner Heimath uno Der Unsicherheit Der Feldposten nicht zu. verwundern war — setzt ober war ihm jede Möglichkeit einer Verbindung mit abgeschnitten. Die Unthätigkeit einer langen Gefangen,chasl untergräbt auch den festesten Muth und so war Wilhelm dem finstersten Trübsinn verfallen. Plötzlich aber drangen seltsame Gerüchte aus, die Gefan- genschiffe. Man erzählte von den ungeheuren Niederlagen, Die Napoleon in Rußland erfahren, man sprach von einem neuen Kriege, zu dem auch Preußen sich rüste; bei den Gefangenen wuchs die Hoffnung'auf baldige Befreiung. Doch Wilhelm war die Unthätigkeit unerträglich geworden, er sehnte sich danach, für seine Befreiung etwas zu thun. Das gelang ihm auch. Von dem Osficier, der die Gefangenschiffe beaufsichtigte und der ihn gern hatte, erfuhr er, daß England eine deutsch- knglische Legion ausrüste, die an dem Kriege Theil nehmen sollte. Wilhelm erzählte, wie er als westphälischer Unterthan gezwungen worden, gegen die Spanier zu rampsen und bat, in die deutsch-englische Legion eintreten ja dürfen da es fein sehnlichster Wunsch sei, an dem
lur. die Flechen seines Vaterlandes Theil zu Um«?”’ deine Bitte warb ihm gewährt uno mit ihm traten noch untere deutsche Gefangene iy diese Legion. «n-kri0 cr El^ nach langer als drei Jahren voll Mühseligkeit und Leiden, im Jahre 1813, den Boden Des geliebten Vaterlandes wieder.
Der Krieg begann. Rasch folgten die Ereignisse desselben aufeinander. Die deutsch-englische Legion'war Der Norbarmee zugetheilt.' Wilhelm, Der bald Feldwebel geworden war, nahm an manchen Gefechten Theil und hielt sich wacker. Nach der Schlacht bei Leipzig'ging ein Theil Der Norbarmee nach Holland und 1814 im März ein anderer Theil derselben unter Bülow und Winzingerode nach Frankreich, wo er sich bei Laon mit Blüchers schlesischer Armee vereinigte. Hier bei Laon finven wir Wilhelm wieder, den wir nicht füglich auf allen seinen einzelnen Abenteuern begleiten können.
Bei Laon hatte Blücher eine feste Stellung eingenommen, und erwartete festen Fußes Napoleon, der in ihm seinen gefährlichsten Gegner kannte und ihn um jeden Preis schlagen wollte. So kam es hier zur entscheidenden Schlacht.
Am 9. März des Morgens begann der Kampf. Wilhelm besanv sich auf dem rechten Flügel, der seinen HaUpistützpunkt an dem Dorfe Clacy hatte. Die Compagnie, bei welcher Wilhelm stanv, erhielt den Befehl, über dieses Dorf hinaus zu gehen, sich in TirailleurS aufzulösen und gegen eine kleine Anhöhe vorzurücken, die von den Franzosen besetzt war. Mulhig gingen Die wackern Krieger vorwärts, schon halten sie über 300 Schritt zurückgelegt, als plötzlich hinter einem Wäldchen eine Schwadron Dragoner auf sie los brach. Die Ti- railleurs eilten sich zu sammeln und ein Quarre zu bilden. Wilhelm, etwas zu weit nach links abgegangen, konnte trotz des besten Willens nicht mehr in das Quarre kommen und erhielt von den heransprengenden Reitern einen Hieb über den Kopf, der ihn bewußtlos zu Boden streckte. Seine Kameraden halten sich indessen geordnet und vor ihren gefällten Bajonetten prallten Die Dragoner zurück. Wilhelm ward aufgehoben und nach dem Dorfe Clacy in ein Bauernhaus gebracht.
Als er aus seiner Betäubung erwachte, fand er sich auf einem Strohsacke in einer kleinen Stube, mit verbundenem Kopfe.
Während er sich noch besann, was mit ihm vorgegangen war, und er aus Dem fortwährenden nahen Schießen schloß, daß die Schlacht noch fortdauerte, er also nur kurze Zeit ohne Bewußtsein gewesen sein konnte, trat ein Bataillonsarzt herein, Der ihn verbunden hatte. Dieser beruhigte ihn über seine Wunde, die von keiner.