Einzelbild herunterladen
 
  

- 58 -

dem Lonsul Friedrich Samuel Tunder, in St. Petersburg, die alleruntcrlhä»igst nachgesuchte Entlassung »oa. dem Dienste eines Kurfürstlich. Hessischen Lonsuls zu ertheilen,

/dem außerordentlichen Pfarrer und Rektor Conrad Ende, wann zu Wanfricd die erledigte Pfarrei Eberschütz in der Klasse Trendelburg zu übertragen,

den Lonsistorial-Probator Hepnemann zu Marburg zum Repositar bei der Regierung in Hanau zu bestellen.

Das G o l - fk « «k.

(Fortsetzung.)

In einem würteinbergischen Städtchen ward auf dem Marsche ein Rasttag gemacht. Wilhelm benutzte den Nachmittag desselben zu einem Spaziergange in die rei­zende Umgegend, und kehrte in einer Dorfschenke ein, um eine Erfrischung zu nehmen. Während er wartete, bis man ihm dieselbe brächte, überlaS er den letzten Brief seiner Verlebten noch einmal'. Sie klagte in Demselben, daß er nun so weit fort in den Krieg, vielleicht in den Tod müsse, denn man erzählte sich von Spanien gräß­liche Dinge. Und im glücklichsten Falle, wenn er auch gesund wieder heimkehre, würde ihre Vereinigung doch in weite Ferne hinauSgeschoben. Die Klagen Karvlinens verstimmten Wilhelm noch mehr, dem zwar der Krieg an sich nicht unangenehm war, denn ein kräftiger junger Mann hat Freude" an Gefahr und Abenteuern, der aber diesen Krieg verwünschte. Er sollte gegen ein Volk kämpfen, das seine Freiheit vertheidigte, und sollte kämpfen im Dienste eines fremden Unterdrückers; das widerstrebte keinem richtigen Gefühle — Während er sich mit diesen Gedanken beschäftigte, erschien ein Mädchen, die ihm den verlangten Wein brächte. Er sah sie flüchtig an und bemerkte, daß sie an blauer Schnur einen gehenkelten Dukaten am Halse trug. Wie ein Blitz schoß ihm Der Gedanke durch die Seele: „wenn das Der reinige wäre!" Das Mädchen reichte ihm auf seine Bitte denselben, da­mit er ihn genauer besehen könne, und wirklich, es war der seinige, er erkannte ihn an den eingegrabenen Buch­staben. Hastig fragte er das Mädchen, wie sie zu dem Goldstück gekommen sei. Diese erzählte ihm, sie habe es von ihrem Liebhaber vor wenig Tagen als Geschenk er­halten, der als würtembergischer Husar die Schlacht bei Wagram mitgemacht und ras Goldstück in der Börse eines gefallenen österreichischen OfficierS gesunden habe. Daß ein Goldstück im Verkehr aus einer Hand in die andere komint, ist zu natürlich, als daß sich Wilhelm darüber hätte wundern können, seinen Dukaten auf diese Art wie­der zu finden. Er bat das Mädchen, ihm Denselben zu überlasten, und nach einigem Weigern ließ sich diese dazu bereitwillig finden, da er ihr Den doppelten Werth dafür gab. :

Die düstere Stimmung Wilhelms erheiterte sich jetzt. Die Wiedererlangung seines Goldstückes, an daS sich so manche Erinnerung und der Glaube, es sei glückbringend,

knüpfte, erschien ihm LlS ein Wink des Himmels. Die Hoffnung kehrte ihm zurück, und mit frischerem Muche, als bisher, zog er mit dem Regimente durch Frankreich nach dem schönen Spanien.

Der Krieg in Diesem Lande war voll Mühseligkeiten und Beschwerden. Märsche, Gefechte, Anlernchmungen aller Art hielten die Soldaten beständig in Athem, der unversöhnliche Feind bedrohte sie unermüdlich mit Tod und Verderben, und wandle alle Mittel an, von List unv Hinterhalt-bis selbst zum Meuchelmord, um sich seiner ' Dränger zu entledigen. So war einst in einer kleinen Stadt eine Abtheilung Franzosen auf Dem Marsche, während sie des Nachts ruhig schliefen, von den Spaniern überfallen und bis auf den letzten Mann niedergemacht worden. Für diesen Ueberfall sollte eine furchtbare Rache genommen werden, und das Bataillon^ bei welchem Wil- , Helm stand, erhielt Befehl, nach jener Stadt aufzubrechen und sie-bis auf das letzte Haus niererzubrennen.

Das Bataillon trat seinen Weg an. Dieser führte durch daS Gebirge, auf steilen, schwer zugänglichen Pfa­den, wo rein Feinde vielfache Gelegenheit ;» Hinterhal­ten geboten war. Mit größter Vorsicht mußte deshalb Der Marsch ausgeführt werden. Der Vortrab, bei wel­chem sich Wilhelm befand, kam in eine tiefe Schlucht, die ein reißender Waldbach durchströmte. Nirgends war ein Anzeichen von der Nähe eines Feindes zu spüren, kaum aber waren Die Vordersten über Die Mitte der Schlucht hinaus, als plötzlich von allen Seiten Schüsse auf sie fielen, Steine auf sieherabrolllen und hinter jedem Steine, - leoem Strauche ein Guerilla zum Vorschein kam, der ftd) bemühte, den Tod in die Reihen der verhaßten Feinde zu schleudern. Der Angriff war so unerwartet, rieOrtS- gelegenheit so ungünstig für Die Truppen, daß sie sich nicht entwickeln konnten und mit großem Verluste zur Flucht genöthigt wurden. Wilhelm that, was er konnte, seine Leute glücklich aus der Gefahr zu bringen, allein bei diesem Streben dachte er zu wenig an seine eigne Sicherheit; plötzlich stürzte er über eine Baumwurzel, und ehe er sich wieder ausraffen konnte, fühlte er sich er­griffen und gebunden. Zwar kam bald darauf von der Hauptmasse des Bataillons Verstärkung, doch für ihn zu spät, denn schon hatten ihn Die Feinde einen steilen Sei- tenpfap hinaufgeführt und waren mit ihm in ein kleines Thal gekommen, wo sie vor Den französischen Kugeln sicher waren. Da die Sonne sich bereites zum Unter­gänge neigte^ so wagte das Bataillon für diesen Tag nicht mehr, den Durchgang durch die Schlucht zu erzwin­gen, sondern schlug vor derselben ein Lager auf, und so halten Die Spanier Muße, sich mit ihrem Gefangenen zu beschäftigen. Diese Beschäftigung war für den Ge­fangenen eine sehr traurige. Dsi Spanier führten den Krieg ohne Schonung und erschossen ohne Gnade jeden feindlichen Soldaten, der in ihre Hände fiel. Auch Wil­helm ward zu diesem Loose verurteilt. Der Gedanke, so früh zu sterben und so zu sterben, war entsetzlich für ihn, aber er ermannte sich und wollte wenigstens ruhigen