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Wersseldcr Anzeiger.

Atv. 14* Hersfeld, den 17. Februar. 1855*

Der «Hers fei der Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe« dition (Ncumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet: ,

dem vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thuen und Taxis zum Assistenlen bei dem Postamte in Eschwege in Vorschlag gebrachten Post-Prakiikanien Hermann Pfeiffer zu Kassel die allerhöchstlandcshcrrliche Bestätigung zu ertheilen, dem Hofzahnarzt Robert von H e r ß b e r g die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Hofdienste zu ertheilen.

' Das Goldstück.

(Fortsetzung.)

So gelangte er bis auf wenige Tagereisen von seiner Heimato. Der Weg führte durch eine Gegeno, in welcher Haive mit Wald abwechselte. Als er eines Tages- bei schon sinkender Sonne, burch eine solche Walbstrecke in Gedanken versunken dahin zog, tönte ihm plötzlich ein rauhesHalt" entgegen. Er schaute auf drei Kerle standen vor ihm, in zerlumpte Uniformen ge- kleltel, mehrere zusammengeschnürle Büncel auf dem Drucken tragend. Drohend hielten sie ihm Pistolen und Säbel vor und forrerten sein Geld. Muthig sprang Wilhelm einen Schritt zurück unv machte sich zum Wr- derstand bereit, allein eben so schnell fiel ihm ein, vie paar Thaler Reisegeld, die er bei sich führte, seien nicht werth, daß er fjch oer Gefahr ausseße, verwundet pver getovtet zu werben, ober daß er selbst Blut darum ver-

. *r i°8 seinen Geldbeutel hetvor, warf ihn den ^^rauchmeben zu und rief lachend: »bei mir lohnt es sich der Muhe nickt." Der erste Buschklepper steckte den Beutel ein unv fragte barsch: , pust du nichts mehr ?" "N/'n," war Wilhelms Antwort.Du lügst, Bursche," "^ ^inkt ein Goldstück auf deiner ^"klich war das Goldstück, das Wilhelm auf »N^k EkUg, zw'lchen dem Hemde Heivorgerulscht ^mf^ik l^ ^ ^^ ^dubcr auf ihn zu und faßte nach demselben. Jetzt änderte sich die Sache. Daö Goldstück und die Haarschnur seiner Karoline hätte Wilhelm nur mit seinem Leben hergegeben, und ehe der Räuber sich dessen ^M' >Ä 'hm der junge Mann einen Faustschlag m das Gesicht, daß er blutend zurücklaumelte. Die E."" ^"Ubgesellen feuerten jetzt ihre Pistolen auf Wilhelm ab. Dieser aber, nicht getroffen, faßte

seinen Knotenstock, die einzige Waffe, die er führte, stürzte aus die Spitzbuben zu, schlug den einen über den Kopf, daß er laut aufschrie und zog dem zweiten einen Hieb über die Hand, daß er seinen drohend geschwunge­nen Säbel fallen ließ. Ueberrascht durch den plötzlichen Angriff des erst so fügsamen jungen Menschen und feig, wie alle Schurken, wenn sie auf wüthigen Widerstand stoßen, räumten die Diebe hastig das Feld und ehe Wilhelm dazu kommen konnte, ihnen seinen Knotenstock noch einmal zu kosten zu geben, waren sie alle drei ba* vongelaufen. Lachend sah ihnen unser junger Wanderer nach. Der Verlust seines Gelbes kümmerte ihn wenig, bis nach seiner Heimath hoffte er schon durchzukommen. Und sein Goldstück hatte er ja gerettet. Als daher keine Spur der Räuber mehr zu sehen war, setzte er munter seinen Weg weiter fort. Kaum hatte er etwa tausend Schritte zurückgelegt, als ein leises Wimmern an sein' Ohr schlug. Er horchle auf, das Wimmern kam aus dem . Busche ihm zur Reckten. Ohne sich zu besinnen, ging er cen ängstlichen Tönen nach und fand nach wenigen Schritten die Urheberin derselben. Ein hübsches, junges Weib, hoch schwanger und ihrer obern Kleider beraubt,, war an einen Baum festgebunden und flehte mit irren Blicken um Mitleid und Erbarmen. Wilhelm konnte nicht zweifelnder sah ein Opfer jener Raubgesellen vor sich, und die Bündel, die. sie getragen hatten, enthielten vermuthlich die Kleiber und andere Dinge, die sie dem armen Weibe abgenommcn hatten. Mit Mühe nur ge­lang es dem jungen Manne, cie Stricke zu lösen, mit welchen die Frau gefesselt war. Losgedunben sank diese besinnungslos zu Loben, invem sie Schmerzensgeschrel auöstieß'unb flehentlich um Hülfe bat. Wilhelm ver­muthete richtig, baß tie schwere Stunde der Aermsten, beschleunigt durch den Schreck und die Mißhandlungen, die sie erfahren, herangekommen sei, daß sie sorglicher Pflege, daß sie weiblicher Hülfe bedürfe. Allein wie riefe schaffen? Was il)unV Aengstlich lauschte er umher, ob er nirgends ein Anzeichen menschlicher Nähe ver nähme und freudig fuhr er empor, als er nicht zu fern einen Hund bellen hörte.

Von Laub und Moos machte er hastig der Leiben­den ein Lager zurecht, so bequem es in rer Eile gwg deckte seinen Rock über sie mw eilte dann sporMMchs der Gegend zu, wo er ras HunvcgebeU gehört hatte.