Hersselber Anzeiger.
Stp. 1S. Her-feld, den 14. Februar. 18SS
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Das Gol-ft ü ck.
(Fortsetzung.)
II,
Wilhelm Freiwald befand sich ganz wohl in seiner neuen Stellung. Tüchtig in seinem Fache unv freundlich in seinem Wesen hatte er sich bald allgemeine Achtung und Liebe erworben. Zwar gab eS sehr viel für ihn zu thun, doch bot sich ihm dafür auch manche Gelegenheit, seine Kenntnisse zu bereichern. Er schrieb darüber seinem Vater dereinst: „Besonders angenehm ist -es mir, daß ich manches hier Urne, wovon ich noch nichts gewußt habe. Namentlich in der Forstwissenschaft kann ich mich hier sehr vervollkommnen, wozu ich in Wcstpha- kn gar keine Gelegenheit hatte." In der Thal hatte er eine besondere Vorliebe für das Forstwesen bekommen, und odjchon der Wald nicht so unter seiner Obhut stand, besuchte er doch den Oberförster der diesen verwaltete, so oft er konnte, machte Pläne mit ihm und lernte von ihm. Der Wald war auch wunderschön. Herrliche Eichen und Buchen wuchsen daselbst, an welchen Wilhelm ein großes Gefallen fand. Außer Eichen und Buchen wuchs aber in dem Forste, und zwar in dem Foisthaufe selbst, noch eine besonders anmuthige Blume, des Oberförsters holdseliges Töchterlein, Karoline geheißen, an der Wilhelm fast noch größeres Gc- fallen fand, als an den schönsten Stämmen. Ja nach und nach ging es den jungen Leuten, wie eS eben jungen Leuten öfter gehen soll: er dachte viel an sie, sie dachte vret an ihn, er ging stfrn zu ihr, sie sah ihn gern kom- stenechen sie auf den Gedanken: eS wäre recht hübsch, wenn sie ihr ganzes L>ben lang beisammen vletben konnlen, und zuletzt meinten sie: dieses Zusam- menbleiben sei eine unbedingte Nothwendigkeit. Gegen solche eingewurzelte ^Gedanken - fire Ideen, wie 'die Gelehrten sie nennen ist schwer anzukampfen, und der-wackere Oberförster, ein Mann von Menscheukennt- Nist, gab sich deshalb auch gar keine Mühe darum, sondern gewöhnte sich auch an den Gedanken, in Wilhckm vereinst seinen Eidam zu sehen.
. „ £cr Sebeneplan der jungen Leute war bald festge- stellt. Wilhelm sollte nach Ablauf seiner Lertragszeit 111 bie Hklmath zurückkrhren, eine Pachtung suchen unv dann nach zwei Jahren sein Bräutchen heimholen.
Zwar waren diese zwei Jahre des Aufschubs, den jungen Leuten nicht ganz recht, indessen bestand der Oberförster darauf, da Karoline erst sechszehn Jahre alt sei und füglich noch etwas bei ihm bleiben könne. Dieser Lebensplan gefiel nun dem jungen Pärchen so gut, daß sie manches Stündchen damit verbrachten, ihn durchzu- sprechen, unv sich auszumalen, und wie solcher Stündchen eins nach den andern verrann, waren, ehe sie es dachten, die drei Jahre auch herum, auf welche Wilhelm seinen Vertrag abgeschlossen halte. ZMrr"hätle man ihn gern behalten, allein es drängte ihn, sich seinen eigenen Hcerv zu gründen und so machte er sich zur Rückreise in die Heimath fertig. Beim' Abschied« gab ihm Karoline eine «Vchnur von ihrem Haare geflochten, an der er sein Goldstück tragen sollte; sie meinte; ihr Haar und das Goldstück müßten doppeltes Glück bedeuten. Nach manchem Kuß, nach manchem Händedruck und den heiligsten Betheuerungen von unverbrüchlicher Treue machte er sich dann auf den Weg.
Fröhlich und frisch«» Muthes war Milh'elm tret Jahre vorher durch die friedlichen Gauen Deutschlands gewandert, mit noch frischerem hoffnungsreicherem Muthe trat er seinen Rückweg an, allein dieser wurde bald getrübt. Durch friedliche Gauen führte ihn sein Weg nicht mehr. Der unglückliche' Krieg von 1806 "war Heraufgezogen und unter raschen, entsetzlichen Schlägen hatte er sich über dem schönen Lande entladen. Ue- berall, wohin Wilhelm kam, fand er die Spuren. des Krieges und seine Heiterkeit wärv sehr verdüstert. Zu - diesen traurigen Spuren des Krieges gehörte auch die Unsicherheit des Landes. Marodeure unv anderes Ge- sinvel, die gelockerten Bande des Staates benutzend, verübten Räubereien aller Alt. Oftmals ward Wilhelm gutmeinend ei mahnt, auf seiner Hut zu sein, er kannte indessen keine Furcht und wanderte unbesorgt weiter. (Fortsetzung folgt.)
Die bäuerliche Pferdezucht im «Kurstaute
(Beschluß.)
Beispiele, die auf Thatsachen beruhen, eigentlich Thatsachen sind, erläutern in Gegenständen, wie der vorliegende, immer am anschaulichsten ; beionrcrs aber, wenn sie als sogenannte Warnungstafeln ausgestellt werden. Keine Zeit ist hierzu geeigneter, als die gegenwärtige,