Hersfelder Anzeiger.
Str. 11. HerSfeld, den 7. Februar. 18SS.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst habenLallergnävigst geruhet:
dem 2tenPfarrer zu Neukirchen Carl Sprank die Pfarrei SchenklengSfeld in der Jnsprktur HerSfeld,
dem außerordentlichen Pfarrer und bisherigen Pfarreiver« Weser in Ulfen Wilhelm Theodor R h o d e die Pfarrei Trendel- bürg i» der Klasse gleichen Namen»,
dem außerordentlichen Pfarrer uud Pfarrgehülfen Wilhelm Seybert zu Kirchbaunä die PfarreiRansbach in der Jnspektur Hersfeld zu übertragen.
DaS MatrosdNpreffen in England.
Dem Leser wird vielleicht schon bekannt sein, daß man in England, wenn die freiwillige Anwerbung die königlsche Flotte nicht hinreichend mit Malrosew und Schtsfsfoldalen versorgt, zu gewaltsamen Mitteln greift, Um das in's Werk zu setzen. Zu diesem Ende nimmt Man alle solche Leute weg, die zum Leedienst tauglich scheinen, und kümmert sich nicht darum, ob sie Weib und Kind oder arme Eltern zu ernähren haben. Diese gewaltsame Maßregel wird nun aus folgende Weise ausgeführt: Unter der Anführung eines Offiziers ziehen ein Dutzend Matrosen durch die Straßen, in die Wirthshäuser, Kneipen uud andere öffentliche Orte. Wer sich nun zufällig dort befindet, wird ohne Umstände gefangen genommen und aut's Schiff geschleppt Kein Mensch kümmert sich um sein Jammern und Sträuben. Im Namen des Gesetzes wird er zum Seedienst gezwungen.
Daß dieses abscheuliche Gesetz nun schon viel Unheil angerichtet, ja schon Tausende zu Verbrechern gemacht und aus's Dchaffot geliefert hat, weiß in England selbst jedes Kind. Unsere deutschen Leser wollen wir damit bekannt machen und ihnen die Geschichte von der armen Mary JoneS erzählen.
Mary Jones war ein schönes und zugleich ein braves Mädchen. Ihr Vater, ein armer Schuhflicker, war frühzeitig gestorben und hatte Werb und Kind in Dürftigkeit zurückgelassen. Aber die Wittwe war fleißig und verdiente so'viel mit Nähen und Stricken,, daß sie sich und die Tochter kümmerlich groß brächte. So wurde Mary vierzehn Jahre alt. Da erblindete plötzlich ihre - Mutter, die sich ihre Augen beim Lampenlicht verdorben hatte. Nun mußte Mary die Mutter ernähren, und sie that es redlich mit. Lust und Liebe; denn ihr Herz sagte ihr: Es giebt kein schöneres Gefühl auf Erden, als den
Eltern mit dankbarer Liebe wohlzuthun. Als sie achtzehn Jahre zählte, hieß sie in der ganzen Straße die schöne, fleißige Mary. Aller Augen 'blickten mit Wohlgefallen auf sie, besonders die Augen der Männer, und Mary hätte ihr Glück machen können, wenn sie gewollt hätte. Da war ein dicker Fleischer, der sein eigenes Haus und schöne Nahrung hatte, der bot ihr seine Hand an. Auch ein wohlhabender Krämer, ein Mann in den besten Jahren, wie er selbst sagte — er war ein angehender Sechs- ziger — wollte sie zu seiner Frau erheben. Die schöne Mary aber dachte: WaS hilft mir Reichthum ohne Liebe und Zufriedenheit. Sie schlug deshalb den Fleischer und den Krämer aus und hriralhete einen armen Jungen; einen Tischlergesellen, der schon seit mehreren Zahlen ihr Liebster gewesen war. .
Tom Fuller war ein fleißiger Bursche und eben so brav, als seine Frau; deßhalb ging es mit ihrem Hausstände vorwärts, und sie hatten sich nach einem Jahre ein Kapital von zehn Pfund erspart. Das zweite Jahr ihrer Ehe brächte ihnen doppelten Segen; denn ihr kleines Kapital stieg auf zwanzig Pfund, dazu war ein kleiner, gesunder Schreihals angelangt, der die häuslichen Freuden des jungen Ehepaars und der blinden Mutter noch wermchrle. Das folgende Jahr schenkte ihnen wieder ein Kind. Da mehrten sich allerdings ihre Sorgen, aber auch ihre Freuden. Freilich konnte nun nichts mehr zurückgelegt werden; aber sie brauchten das wenige Er- Iparie auch nicht zuzusetzen.
Da kehrte Tom eines Abends von seinem Meister nach Hause zurück. Unterwegs stieß er auf einen Schulkameraden, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hatte. Dieser beredete ihn, einen Augenblick mit ihm in's Wirths- ' Haus einzuirelen. Tom, der sonst nie dergleichen Häuser besuchte, ging in der Freute seines Herzens mit ihm. Die Freunce erzählten sich Manches und erinnerten sich einander an frohe, vergangene Stunden. Nur eine Stunde waren sie dort und Tom schon im Begriff, nach Haus zu gehen. Da zog ein Preßgang durch die Straße und kam auch in das Wirthshaus, welches Beide so eben verlassen wollten. Man fiel über sie her im Namen des Königs und nahm sie gefangen. Tom, aw Weib und Kind denkend, wehrte sich wie ein Löwe. Umsonst, er wurde zu Boden geschlagen, gebunden und aus's Schiff geschleppt.
Mary wartete indessen zu Hause mit dem Abendessen