Hcrsfelder Anzeiger.
Nk. 1O HerSfeld, den 3. Februar. 1855♦
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Die bäuerliche Pferderucht im «Kurstaate.
(Fortsetzung.)
r' Jeder wirkliche Fortschritt in der Pferdezucht ist stets auch ein Gewisssi für den Züchter, sei es nun miltel- bar oder unmittelbar; und als ein sehr wesentlicher Fortschritt muß es z. B. betrachtet werden, daß neben der besseren Beschaffenheit derselben, auch die Anzahl der gezüchteten Fohlen neuerlich bedeutend gestiegen ist. Eben darin liegt aber, wie jeder Züchter sehr wohl weiß, nicht nur ein großer Dingen für vaS Allgemeine, sondern auch ein rein pekuniärer oder Gelc- Gewinn; denn wir haben auch hier zu Lande sckon sehr viele gehabt, daß ein abgesetztes, d. h. von der Muttermilch entwöhntes, und sonst schön gebautes Fohlen von guter Race, welches dem Eigenthümer entbehrlich war, zu 30 bis 36 Thales verkauft wurde. Nun rechne man einmal, was das nur für einen Kreis schon auSmacht, wenn in einem solchen, wie dieses in Der legieren (18o4er) Absohlungsperiode im Kreise Hersfeld der Fall war, noch einmah (c. h. doppelt) so viele Fohlen geboren werden, als in den nächst vorhergegangenen Jahren! Gerade dieser bedeutende Erfolg Hai aber auch wieder recht schlagend nachgewiesen, wie grundlos und auf wie wenig Sachkunde gegründet, die hier und da noch immer gehörten Urtheile sind: „das Lanogestüle koste zu viel Geld!" ganz abgesehen davon, daß, wo nöthig, vollständig rar- gethan werden könnte, daß die LaMgistüte-Anstalten der meisten anderen Staaten verhällnißmästig weht mehr falten, als die unsrigen. Ucberhaupt sind das nur ein- jetlige Borurthelle, und der Irrthum liegt hier blos Da« rin/^gß viele Leute nur berechnen, was das Lantgestüto an Sprung- und Fohlengeleern Haar einbringt, wobei -sie aber gänzlich über sehen, daß das für die Ei Haltung des Landgestüles angelegte K pital sich eben duich die Prokuetiop einer immer größeren Anzahl, und weit dessererFohlen viel höher verzinset, als gar manche andere Anstalten. Dieser Gegenstand ist übrigens längst schon so vicsieuig erörtert, und im Hinblick auf den ter- maligen etano' unserer bäuerlichen Pferdezucht, in so gründlicher Weise zu Gunsten des Lanogestüies eiiiichlc- ren worden, daß wir uns hier nicht veranlaßt finden können, den Faden darüber weiter zu spinnen. Wir kommen vielmehr auf die Thalsache zurück, daß, neben deren viel besseren Beschaffenheit, die Anzahl der neuer
lich geborenen, aus "ein Lantgestu. abstammenden Fohlen eine viel grogere als in früheren. Jahren, mithin also auch Der Gewinn für die Züchter schon ein »telfeiti» gerer gewesen ist. Leider hat nun aber diese rfreulichr Aussicht eben in der letztvergangenen AbsohlungSzeit c wieder eine sehr beklagenswerthe Schattenseite gehabt. Es würde nämlich der Fohlen noch eine gar hübsche Anzahl mehr, alö deren naturgemäß geboren-und bis dahin gesund fort erhalten worden sind, gegeben haben, * wenn nicht auffallenverweise in der letzten Abfohlungs- pcrioce so viele trächtig gewesene Stuten verfehlt, und theilweise den eigenen Tod dabei gefunden hätten. Frägt man nun nach den Ursachen dieses traurigen Umstandes und forscht man weiter genau nach den vorgelegenen Verhältnissen, so wird man fast in alten Fällen die Gewißheit erlangen, daß die Besitzer der/trächtigen Mutter- pferve diese Verluste nur eigener Schuld beizumessen haben. Und zwar eincsiheils durch nicht gehöriges Beachten oder gänzliches Ucbcrsehen des ZeitpunkieS, wo die Stute fohlen muß, ancerntheils aber durch verkehrte oder förmlich schlechte Behandlung und Pflege deS Mut- lerpfcrtcs in den letzt, den Wochen vor und bis zum Abfohlen.
Was den ersteren Punkt betrifft, so weisen zwar die Dockscheine, welche jedem Stutenhalter, der einMut- lerpferd belegen lassen will, richtig behäudigtwerden, bestimmt und gewöhnlich auf den Tag nach, wann die trächtig gewordene Stute abfohlen wird; und Düne Zeit stets, namentlich aber in den letzteren 5 oder 6 Wochen vor dem Abfohlen genau im Gedächtniß zu behalten, ist die erste und unerläßlichste Bedingung- für den Zück'/, wenn bei der Demnach fügen Geburt deS Fohlens alles gut gehen soll. Da giebt es aber unter vierzig solcher Leute beinahe die Hälfte, bei denen diese scheine verloren, verlegt, durch die Kinder zerrissen, oder auch im Gestüte-Lokal zurückgelasteN werden, mit einem Worte: durch Vernachlässigung abhanden kommen.
So geringfügig das auch Manchem scheinen mag, so ist roch Die genaue Bemerkung der AbsohlungSzeit von der größten Wichtigkeit; und mit Ausnahme sehr einzelner Fälle, in reuen Der betreffende Züchter den Tag der letzten (oder auch nur einmaligen) Bedeckung fest im Kopfe behalten hat, ist Das nur durch sorgfältige Aufbewahrung der Deck eherne möglich. Ist Der Züchter hinsichtlich dieser Zeit ungewiß (und es ist wirklich schon