Hcrsfelder Anzeiger.
Nk. 9. HerSfeld, den 31. Januar. 1855«
Der «Her-felder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwoch- und Sonnabends. — Preis desselben bei der Espe? dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:
den ordentlichen Referenten füt ^«6 Bauwesen in den Ministerien des Innern und der Finanzen Obeibauraih Georg Fiied- rich Lange zum Geheimen Oberdaurath zu ernennen,
den Dr. Christoph $ empfing aus Eschwege zum dritten Lehrer an der Realschule zu Marburg, sowie
den Hofküchschreiber Born zu Caffel zum Kanzlisten bei der Regierung in Fulda und
den Rechispraklikanten Friedrich Quentin von Sontra zum Actuar bet dem Iustizamte in Steinbach-Hallenberg provisorisch zu bestellen, z
den bisher provisorisch angestellten Leibbüchsenspanner Ernst Klepensteuber nunmehr definiiiv zu bestellen,
dem Hofiakci Klein zu Caffel die erledigte Pedollenstelle bei der Direktion der LandeSkre dilkaffe provisorisch zu übertragen.
Die bäuerliche Pferdezucht im ^kurstaate
hat sich zwar schon seit dezn Bestehen des Landgestütcs von Jahr zu Jahr immer mehr gehoben; aber einen sichtlicheren Ausichwung nahm sie doch msbesvuvere in den legieren zehn oder zwölf Jahren, bis heute.. Wäh- rend früherhin fast die ganze Remonte für ras Kurhessi- sche Armeekorps aus rein Auslande bezogen werden wußte, ist tiefer Bedarf, vermöge allerhöchst lanvesvä- terlicher Fürsorge und Anordnung, bereits seit längerer Zeit, mit geringer Ausnahme, vollständig church Ankauf im Inlaute erzielt worden. Unv die Züchter standen sich wahrlich nicht schlecht dabei. Die Militär -Verwaltung zahlte durchgängig Preise für die jungen Pierre, welche Den Fleiß unv die Sorgfalt dieser Züchter recht gut belohnten. Nun sagt man wohl: „Der Prophet gelte nichts im eigenen Sanoe"; unv allerrings fehlt es auch bei uns nicht an Leuten, die mit Geringschätzung auf unsere' vaterländische Pferdezucht Herabscheu unv sagen: „Das ist ja alles nichts; va sehe man sich einmal in Hannover, Mecklenburg, England rc. um!" Diesen Leuten, die zwar lauter Sachvei ständige sein mögen, kann man aber doch ganz einfach entgegnen, daß in ten eben genannten Ländern die Pferdezucht-Verhältnisse vielleicht seit Jahrhunderten ganz andere und günstigere sind, als bei uns; ganz besonders aber/ daß dort die Zucht beinahe ausschließlich in den Händen der gro^n und reichen Gutsbeßtzer, Pächter u. dergl. bedeutenderen Land- wirthen liegt, bei deren Geld- und weiteren Mitteln
es ihnen ein gar Leichtes ist, ja nicht einmal zuM Verdienste angerechnet werden sann, wenn sie gute und schöne, selbst die herrlichsten Pferde ziehen; unv dann noch, daß man Angesichts der Verhältnisse unserer Bauern im Allgemeinen, doch gar wohl bedenken müsse, daß Rom nicht in einem Tage erbaut wurde. Auf Der andern Seite aber können wir vorläufig nur einmal auf das Urtheil unserer Nachbarn, d. h. der fast ständigen Käufer aus den benachbarten Staaten, Hinweisen, welche Die Er olge der kurhessischen Pferdezucht viel besser zu würdigen wissen. Es ist nämlich erfahrungsgemäß, daß in den letzteren. Jahren fast eben so viele junge Pferde, als etwa zur Remonte erforderlich sind, von unseren Züchtern in die angrenzen- den Nachbarstaaten, verkauft werden, und daß die Käufer nicht nur durchgängig mit deren Brauchbarkeit, Natur und Ausdauer sehr zufrieden sind, sondern an vielen auch noch einen starken Gewinn machen.
Daß aber auch schon ganz ausgezeichnetes geleistet wird, davon möge hier, als Thatsache, nur ein Beispiel mitgelheilt werden, welches zugleich ein höchst ehrenvolles Zeugniß, für ten Stand unserer Pferdezucht ist. AlS der Kaiser von Nußland vor einigen Jahren in Berlin war, fiel ihm gelegentlich einer Parade ein sehr hübsches Pserv (Eisenschimmel) auf, unv er fragte den König von Preußen: wo dieses Pferd wohl Herstamme? Der König sagte: „das sei ein kurhessischbs Bauernpferd", worüber Der Kaiser, dem unsere strengen Pfervekenner doch auch ein wenig Sachverstand zutrauen werden, seine volle Anerkennung auSsprach.
Hat nun bei uns der Staat einerseits dafür gesorgt, daß fortwährend tüchtige Lanvbeschäler Vorhäuten sind, so muß andererseits auch zugestaneen werden, daß unsere Zucht es doch schon so weit gebracht hat, eine sehr große Anzahl selbst gezogener, recht guter unv schöner Mutterpferve zu besitzen, so Da§ also Die zwei. Haupt-Erfordernisse —' tüchtige Väter und tüchtige Mütter — vorhanden sich finden. Alles Weitere liegt dann in der Hand des Züchters selbst; uuv dessen ist noch gar viel! — Indeß soll in vorliegendem keineswegs eine schulmäßige Züchtungskunde ausgestellt, sondern eS soll nur auf diesen unv jenen einzelnen Punkt aufmerksam gemacht werden^ lo w ti ein solcher von bcsonvercr Wichtigkeit für die Sache ist. ~
Wenn nämlich nach dem, was oben gesagt wurde.