Hrrsfelder Anzeiger.
Ne. 8. HerSfeld, den 27. Januar. 1855.
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Ltever Selbstentzündung organischer Substanzen.
Es entsteht so manche Feuersbrunst, von der wir die Ursache nicht erfahren können, trpß aller polizeilichen Nachforschungen; die gewöhnliche Erklärung ist Anst.k- küng von irevlerischen Händen; damit gedenkt man den Bervachk der Fahrlässigkeit beseitigt zu haben. Oft aber kann auch Untennlniß in physikalischen Dingen ein Brand- unglück tjerbetfübren, und muß daher jeder Beitrag zur Aufklärung^ entstandener Brände auch dem Einzelnen, um sich vor Schaden zu hüten, willkommen sein. Man weiß schon längst, daß Selbstentzündungen zu den Möglichkeiten gehören und man hat darüber eine Menge Erfahrungen gesammelt, wovon wir Folgende mitiheilen: In Dessau brannte vergangenes Frühjahr die Tuchfabrik und Wollspinnerei des Herrn M. ab. Die unbestellte Untersuchung ergab, daß in der Fabiik am Tage des Brandes nicht gearbeitet worden; absichtliche Brandstiftung war nicht anzunchmen, alle Feuerungen waren in der Ordnung. Bald aber kam einiges Licht in die Sache und zwar durch einen Borgang in einer andern Fabrik. Hier hatte man ein s. g. Wollbett bereitet, was darin besteht, daß man Baumöl und Oelsurrogat mischt, und mit einer Brause, alle nach und nach aufeinander geschichteten Lagen Wolle (meistens die Neste aus der Spinnerei) einzeln besprengt und fcstlrilt, worouf am andern Morgen die weitere Bearbeitung vvrgcltvmmen wird. Diesmal hatte man die Wolle nicht in einen Korb, sondern in einen Sack gestampft. Als am andern Morgen 2 Arbeiter in den Raum kamen, wo dieses Wollbett lag, fanden sie das Zimmer voll Rauch und bei der Berührung der Wolle fiel diese auseinander und Helle Flammen brachen heraus. Der Brand in jener Fabrik war also ohne Zweifel ebenso entstanden, da man dort ebenfalls ein solches Wollten zurechl gemacht hatte und der Brand in demselben Räume ausgebrochen war, worin dieses aufgestelli war. Ungewiß blieb zwar noch, ob nicht ein seit kurzem eingeführtes Oelsurrogat, eine Ait Scifcnsiercrlauge, daran schuld sei, .da die blos mit Baumöl und Wasser bereiteten Wollbelten bis daher sich nicht entzündet halten. —
Eben so brach in einer Kammer, die mit 10 Eimer Honig, 30 Eimer Branntwein und einigen Eent- nern Baumwolle fast gnnz angefülltwar, Feuer aus;
wahrscheinlich war ein Branntwein- oder Honigsüß ausgelaufen und hatte die Baumwolle mit seinem Inhalte getränkt und so die Entzündung veranlaßt. Es geschah dies übrigens an einem sehr heißen Tage. Auch ist der Fall vorgekommen, daß neu gepackte Zelte von grauer Leinwand, die wänrcnv des Transports naß geworden waren, beim Auspacken rauchten und tn der Mitte wirklich verkohlt waien. — Nach Rozicr entzünden sich Kugeln aus Wolle »nvOel, fest zusammengebunden, von plbst. Zu einem Dorfe bei Leipzig war ein starker Brand entstanden, derselbe sollte im Kudstall bei Behandlung eines kranken Biches auSgekommen fein. Ein Apotheker, der wohl wußte, daß man aus Roggenkleie uno Alaun SUbstzünder machen könne, und dem es nicht unbekannt war, daß die Lanoleute, um ihrem Vieh die dicken Hälse zu vertreiben, denselben einen Umschlag ^von gerösteter Roggenkleie machen, versuchte nun, yb man durch Kleie allein ohne Zusatz von Alaun eine Selbstentzündung hervorbringen könne, und röstete die Kleie solange, biß solche die Farbe des gebrannten ge- mahlnen Kaffees hatte. Hierauf wickelte er die Kleie in ein leinenes Tuch; nach einigen Meuten stieg ein starker Rauch daraus hervor, das Tuch wurde schwarz wie Zunder und die glühend gewordene Kleie fiel in zu- sammengcbackcncn Kugeln auf die Erde. — Eö ist Thatsache, daß in heißen Sommern woll ene Zeuge, welche dicht übereinander geschichtet waren, in wenig luftigen Zimmern oft von selbst verbrannten. Auch werden viele Fälle erzählt, veranlaßt durch die s. g. Kämm- lingswolle, zu deren Anfetten man Oele, Futter :c. verwendet. Auf einer Seilerbahn bei Petersburg entstanden in einigen hölzernen Häusern öfters Brande, ohne daß man nm;ie, um V Endlich fand sich, daß in ber Fabrik, worin sie Schiffslaue verfertigt werden, eine Menge Hanf aus Unvorsichtigkeit mit Del begossen, deshalb für verdorben erklärt, daher wohlfeil gekauft und aufbewahrt worden und so die Ursache dieser Feuersbrünste wurde. — Desgleichen kam in dem Gewölbe eines Pelzhänvlers Feuer aus, wohin niemals Licht und Feuer kam; man. fand die Ursache des .Feuers darin, daß der Pelzhändker Abends vor dem Brandt eine Rolle neuer WachStapeten erhalten und solche im Gewölbe gelassen hallt. Mehrere Brände auf Schissen führten, nach gorgfäliig angestelllen Untersuchungen, zur Entdeckung, daß eine Mischung von Hanfölfirniß und