Hersfelder Anzeiger.
Nr. 7. HerSfeld, den 24. Januar. 1855»
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:
den Hauptmann Wird er hold v»m zweiten Infanterie- Regiment zum Füsilier-Bataillon zu versetzen.
Vermischtes.
Getrocknete Kartoffelschnitte als Mittel gegen die Kartoffelkrankheit.
In einer Versammlung der Royal Agricultural Society wurde von Lord Palmeislon eine Kiste mit Kartoffeln und eine Zuschrift übergeben, welche der Lord vom englischen Biceconsul im Fiume zugesenvet erhallen Halle. Die Kartoffeln waren, von schöner Qualität und gut erhallen, von einem italienischen Gutsbesitzer auö leichtgedörrten Kartoffelschnitten erzogen. Ein angrenzendes Stück Land, welches mit auf gewöhnliche Art auf* bewahrten Kartoffeln bepflanzt war, liefene kranke Frucht. Auf dem mit getrockneten Kartoffelschnitten bepflanzten Acker entwickelte sich die Vegetation freilich weit später, dann aber auch um so kräsilger, und die reichlich tragenden Stauben zeigten keine Spur von Krankheit.
Das Blindwerden der Pferde. Bei keiner Gattung unserer Hauölhic^e beobachtet man so häufig Gefichtsfehler, von einer einfachen Entzündung bis zum völligen Erblinden, als bei dem Pferde; und ganz besonders oft soll dies in den Gegenden der Fall sein, wo dle sogenannte Kumte einen wesentlichen Theil des Geschirrs der Wagenpferde ausmacht; z. B. bei den Fracht- fuhren, bei we chen man so viele der schönsten und stärksten Pferde an Augegfehlern leiden sieht. Eine noch zu wenig beachtete Ursache und Veranlassung dazu giebt wohl oftmals eben die sogename Kumte wenn solche nicht mit Behutsamkeit aufgelegt, ober abgenommen wird: wenn ste selbst zu enge, ooer daS Pferv beim Auf- und Ab- schirren unruhig mit dem Kopf hin und her fährt und. damit so gegen den harten Rand der Kumte schlagt, daß das so zarte Sehorgan dadurch in seiner Höhle heftig erschüttert und beschädigt wird. — Eine solche Beschädigung bet großen Pferden muß um so leichter erfolgen, wenn der an- oder ausfchirrende Mensch von zu kleiner Statur fft, w daß er nicht.hinanreichen kann, ohne den Kopf des Thiers gewaltsam zu sich herabzuziehen, wobei denn livch obendrein unvernünftiger Weise manchmal mit ge
ballter Faust heftige Schläge gegen die Stirn des Pferdes ausgetheilt lverven. — Solche zu kleine Leute sollte man daher bei diesem Geschäfte niemals zulassen; ferner muß das Pferd nie sogleich nach angestrengter Arbeit, wo es noch von Schweiß trieft, abgeschirrt werden; indem dieser von der innern Fläche der Kumte herabtröpfelt und dem Pferde in's Auge fällt, dem er dann seiner fast ätzenden Schärfe wegen sehr nachtheilig werden muß. Endlich ist darauf wohl zu achten, daß die weiche Ausfütterung der Kumte nicht 'zerrissen sei, keines Nagels Kopf oder Spitze im Innern am Nanve hervorrage und so das Auge bei jener Gelegenheit verletze. Ist das innere Tuchfutter zerrissen, so rieseln einzelne feine Kuhhaare, mit welchen es gewöhlich auSgepolstert zu sein pflegt, hindurch und gerathen dem Pferde beim Auflegen und Abnehmen der Kumte in's Auge, so schonend diese Geschäfte auch im Uebrigen vollzogen werden mögen. Daß diese feinen Haare, wenn sie nicht sogleich wieder entfernt werden, auf die feinen Häute des Auges verletzend einwirken müssen, bedarf wohl keines weiteren Beweises.
Brennöl zu reinigen stößt man frische Holzkohlen so sein als möglich, giebt 4 bis 8 Loth von diesem Kohlenpulver in eine Dutte von Löschpapier und gießt nach und nach das Oel darauf, welches dann in ein unlergesctztcs Gesäß tropft und sehr hell, ohne Geruch und Dampf brennt
BunteS.
Die Bettlerinnen. »Frau Nachbarin, leihen Sie mir- doch für heute Ihren kleinen Zungen, ich möchte betteln gehn." — »Meinetwegen, ich muß waschen; heute kann Sie ihn Habens aber morgen brauch ich ihn selber."
Neuer Färbcstofs. Vater. »Was mach'st Du denn da Hannchen?"
, Kind. „Ei/ ich faxbe das Kleidchen meiner Puppe roth!"
Vater. „Womit färbst Du denn?"
Kind. „Mit Bier, Papa!
Vater. „Ja wer hat Dir denn gesagt, daß Bier roth färbt?"
Kind. „Ja die Mama sagte erst gestern, das Bier hätte Deine Nase so roth gefärbt!" -