Hersfelder A«zeiger.
NV» 6*. HerSfeld, den 20. Januar. 1855»
Der „HerS feib er Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwoch^und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expe. dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet
Lanhtvirthsch östliches.
Ueber den Runkelrüben bau für kleine Besiher.
(Schluß.)
Es ist nie zu vergessen, daß die Runkel eine sehr zarte Wurzel ist, welche nicht in feste Ervmassen einvrin- gen kann. Will man also, daß sie recht groß werde, so muß man auch die Erve rings um sie her fleißig und wieverholt auflockern, Damit sie aus cen Schätzen ihrer Umgebung sich die Nahrung hole, gerade wie man es Mit einem Haupt Bich macht, das man mästet und gern recht fett haben möchte. Einem solchen giebt man die Nahrung durch Kochen erweicht und möglichst zerkleinerl, unv läßt ihm das Korn vom Müller schroten- Darum thut man wohl, wenn man bis zum September jeden Monat die Runkeln behackt unv mit der Zunahme der Größe auch die Erve um sie her mehr aus der Tiefe heraubäufl. Daß diese verschiedenen Behausungen mit dem Häufelpflüge geschehen können, habe ich schon gesagt, unv va Die Pflanzen in gleichen Entfernungen von einander stehen, so kann dieses Werkzeug auch querüber, wirken, so daß die Handarbeit fast ersitzt wird. Von Sep- lembes ab ist vie Bearbeitung einzustellen. Die Runkel hat ihre Größe erreicht und setzt nun in ihren Zellen die Nahiu'ngöstoffe ab, um derentwillen wir sie bauen. Schade ist’», daß. unsere Witterungsverhältnisse uns nicht gestalten, sic^länger als bis zur Mitte Ociooers in der Erde zu lassen, va die Nachtfröste ihr leicht schädlich, werden, zumal der sehr üppig gediehenen; denn sie würde uns den längeren Aufenthalt im Boden durch größeren Reichthum an Zuckersaft und fleischansetzenvem Eiweiß lohnen. Daher-zögere man um diese Zeit nicht Mit der Aushebung. Diele geschieht am besten mit einer dreizackigen Gabel, der Mistforke, intern man vie gelüstete Wurzel beim Blänerschopse völlig herauöhebl. 'Kinder und Alte können sofort die Blätter unv Wurzelzasern abschneiden, was ein schnelleres Welken unv Ausirocknen der Rübe zur Folge hat und das so treffliche Mutter der Abfälle in einem dem Vieh gedeihlicheren Zustande kar- stellt, als wenn es vielfach zerquetscht und durch Gäh- rung erhitzt ihm gereicht wird. Man heimse^es dato ein, lasse es dünn verbreitet ebwelken unv verfüttere, es
bald grün oder langsamer, indem man es mit Stroh zusammen zu Häcksel schneidet, welche letztere Art wohl die zweckmäßigere ist, indem sie das des trockenen Futters während des Sommers entwöhnte Vieh allmälig wieder an Stroh gewöhnt und den sonst gewöhnlichen Rückschlag in der Milchergiebigkeit verhütet. Die Wurzel läßt man auf dem Acker abvunsten, und wenn die Oberhaut rpelk geworden, fährt man sie, je nach dem Zwecke, entweder zur Fabrik, oder, wenn sie der Wirthschaft ganz verbleiben soll, in den Hof, wo man sie, wie die Kartoffel, sei es in Kellern, sei es in Gruben, oder in stroh- und ervgedecklen Miethen, vor dem Froste bewahrt. Eine der Heften Arten, um recht lange in den Frühling hinein dem Vieh die Labung eines saftigen Futlerö und sich den Vortheil eines reichen Milchertrages zu gewähren, ist die des Einsalzens, Man erschrecke nicht vor dem Preise des Salzes, denn es wird nicht schwer werden, so viel man braucht von dem Viehsalz abgelassen zu erhalten, da§ die Regierung den größeren Schaaf- Heervebesitzern zu geringem Preise verkauft. Zu tiefem Zwecke macht man an einem erhöhten Orte in fettem Boden eine Grube und thut eine Schicht Rüben -hinein, die man zerstampft, beschüttet sie mit Salz und bringt darauf von Neuem eine Schicht Rüben, die wieder zerstampft werden, so abwechselnd mit einer Lage Salz und einer Schicht Rüben, bis der Vorrats) erschöpft ist. Obenauf kommt eine starke Lage Salz. Dann bringt man schwere Feldsteine darauf und schüttet einen Hügel von Erde darüber. Im Frühjahr nun, wenn noch nicht hinlängliches Grün zur Ernährung des Viehes vorhan- . den ist und dieses Widerwillen vor dem dürren und magern Häcksel zeigt, vann eröffne man die Grube. Man hat nun einen feinen, säuerlich-salzigen Brei, den man in Wasser zerrührt auf den Häcksel schüttet. Uno mit Freude wiro man die Freßlust unv mit ihr den verkümmerten Milchzufluß wieverkehren sehen. Es ist nicht bloß Die Erquickung durch Den sauren Brei, es ist zu-- gleich die Medicin des Kochsalzes, welche die Thiere neu belebt. Denn so wie der Mensch des Salzes nicht entbehren kann, so ist es den bloß von Pflanzen lebenden Thieren ein noch größeres Bedürfniß Für diejenigen, welche ihre' Rüben in den Fabriken hatten auspressen lassen, die Trebern aber zurücknahmen, gilt derselbe Rath, sie mit Salz zu vermengen unv in saure Gährung zu versetzen in noch größerem Maße; denn wenn sie dieiel-