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Hersfelder Anzeiger.

Nr. L. HerSfeld, den 17. Januar. 18L5.

DerHcr« felder Anzeiger» erscheint »»chentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend«. Preis desselben bei der Expe­dition (Neuwarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:

den bisherigen provisorischen Hofgärtner August Fuchs zu Philippsruhe nunmehr zum Hofgärtner in der Baumschulengärt- nerei zu Milhelmehohe und

den bisherigen Hofgartengehülfen Georg Hei der ich in dem Gemüsegarten und bei den Treibereien zu Wiltzelmkhöhc nun­mehr provisorisch zum Hofgärtner der Hosgärtnerei zu PhilippS- ruhe bei Hanau zu ernennen.

Dand Wirth schaftLicheS.

Ueber den Runkelrübenbau für kleine Besitzer,

(ywtffgungj

Was die Runkelrübe noch besonders zum Anbau dem kleinen Grundbesitzer empfiehlt, ist, daß fie bekannt­lich zur Zuckergewinnung verwendet wird, und hat man es in neuester Zeit schon so weit Darin gebracht, daß der aus den Rüben gewonnene Zucker mit dem, welcher im heißen Amerika aus dem Zuckerrohr gewonnen wird, obgleich dieses Rohr einen viel größeren Erliag lie­fert, gls die Rübe, dennoch Den Kampf wird aus­halten können, so daß Jeder, in dessen Nähe eine Rüben­zuckerfabrik -besteht, sich getrost darauf einlassen kann, mit dem Fabrikherrn einen Bertrag über die Lieferung von Runkelrüben zu schließen; nur bedinge man sich aus, daß daS Mark zurückgeliefert wird, nachdem der Saft ausgepreßt ist; kenn in dem Mark liegt eine große Fui- terkraft, und wenn- man dieses wieder mit Wassrr ver­dünnt und Damit das Häcksel für die Kühe benetzt, so werden sie es durch einen reichen Mücherlrag zu hohen Zinsen ausbringen und außerdem einen Dünger von so großer Fruchtbarkeit liefern, daß der schönere Stand des Korns im nächsten Jahre Die sichere Folge sein wird. Das Geld, das für die Rüben eingchi, kann man für rein verdient ansehcn; denn durch den Berkauf des Saf­tes ist- keine Kraft des Ackers verkauft, sondern in dem Marke wird dem Acker alles wiedergegeben, waS Die' Rübe ihm entzogen hat, uno ebenem ist der Fleiß bei dem Bau derselben unmittelbar bezahlt, obgleich Die wahre uno größere Belohnung erst in cen folgenden Jahren rintrilt, wenn die mit Rüden bestanden gewesene Fläche

einen reichlichen Kornertrag giebt und außerdem nicht einmal Land eingebüßt ist, da Der Rübenfelo ebenso fruchtbar für das nachfolgende Korn sein wird, als wäre dieses in reine Brache gesäet.

Wie hoch möchte sich aber der Preis belaufen, den der Zuckersiever Dem Landmann für ^erne , gelieferten Rüben zahlen kann? Das wollen wir kc^chndn, uno' zwar nicht bis auf den letzten Pfennig, sondern leben und leben lassen. Für jetzt begünstigte. die Regierung die Rübenzuckerfabriken dadurch, Dahlie auf den auö Amerika kommenden Rohzucker eine Steuer von sechs Thalern pro Zentner legte, während sie von Den Rüben­zuckerfabrikanten nur einen Thaler für zwanzig Centner, Rüben verlangte und dabei wohlwollend annahm, daß so viel Rüben erforderlich wären, um einen Centner Rüben­zucker hcrzustellen. Neuerdings hat sie die Steuer auf 2 Thaler für 20 Centner Rüben erhöht, so daß der Unterschied der Begünstigung noch vier Thaler beträgt. , Aber nehmen wir an, daß der Staat aus höheren Rück­sichten, z. B. weil er wünscht, daß die Leute in -Westin­dien uns Leinwand, Mehl, Heringe, Eisengeräth für Zucker abtauschen sollen, wodurch sehr viele arme Leute Brod gewinnen würden, die keine andere Nah- rüngsquelle haben, als ihren Webstuhl oder ihren Amboö, Den Zucker auö Amerika zollfrei einlassen wollte; würden wir es auch dann noch thunlich finden, Runkeln zur Zuckergewinnung zu bauen? Wir wollen sehen. Der Centner ungereinigter Zucker aus Amerika kostet bis hier­her etwa vierzehn Thaler unversteuert, oder achtzehn Thaler, wenn wir die Mehrstcucr von vier Thalern hin­zurechnen. Nehmest wir hierzu zwanzig Centner Rüben erforderlich an, die etwa einem Winspel' dem Maaße nach - entsprechen, rechnen wir die Hälfte der vierzehn Thaler auf die Kosten Der Bereitung, nämlich Arbeitslohn, Teue­rung, Zinsen Des in Gebäuden, Geräthschaften unv dem zum Betriebe nöthigen Gelde steckenden Kapitals, so wie auf Instandhaltung der Fabrik und den Profit deS Un­ternehmers, so bleiben noch sieben Thaler, Die Der Fa­brikant für einen Winspel Runkein zahlen kann. Aber wenn er auch nur die größere Hälfte, ich meine: vier Thaler giebt, so ist das ein Segen für einen Landwirth, weil, wenn er seinen Fleiß redlich und unverdrossen dem Rübenselvo zuwendet, er in mäßig fruchtbaren Jahren auf sechs Winspel mit größter Wahrscheinlichkeit, rechnen kann, Die in glücklichen, wie ich schon gesagt habe, leicht