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Wr< 4. Hersfeld/ den 13. Januar. 1855/

DerHers seid er Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- tition (Renmarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Ar werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raune mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allcrgnäcigst zu befehlen geruht, daß der für das Kurfürstenthum Hessen ernannte'Konsul der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Samuel Nicker von Loui- siana, in dieser Eigenschaft anerkannt werde.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allekgnädigst geruhet:

dem Ober-Finanz-Assessor von Wille die erbetene Erlaub« Niß zur Annahme und zum Tragen des, ihm v^n des Königs von Baiern Majestät verliehenen Ritterkreuzes des Königlichen Verdienst-Ordens vom heiligen Michael, zu ertheilen,

den Qber-Zoll-Conlrvleur Stöckler zu Oberkaufungen in den Ruhestand zu verfeuert und

den Probater Löwer bei der Rechnungs-Commission zum Rentmeister in Salmünster zu ernennen,

den Amts'-Assessor Wilhelm Schmeißer von Grebenstein in gleicher Eigenschaft zu dem Justizamte I in Rotenburg zu versehen,

den ObergenchlS-Rrferendar Ferdinand Duyssing von Eas. stl zum Unterstaats-Procurator in Hanau provisorisch zu bestellen, die erledigte Pfarrei Bebra, Classe Rotenburg, dem bishe- rigen Pfarreiverweser Pfarrer extr. Ferdinand August TH°- ma S daselbst,

die erledigte Pfarrei Germerode, Classe Waldkappel, dem Rektor an der Stadtschule zu Waldkappel, Pfarrer extr. Gott- fried Ludwig König,

die erledigte Pfarrei Frielingen, Jnspectur Hersfeld, dem 2. reformirten Prediger und Steter zu Frankenberg Conrad August Hast,

die erledigte Pfarrei FrankerShausen, Classe Allendorf, dem 2. Pfarrer in Ziegenhain Johannes Lpding zu übertragen,

den zu der erledigten Pfarrei Weitershausen, Classe Fron- Hausen, repräsentirten Rector zu Gudensberg Pfarrer extr. Wil­helm Heldmann zu bestätigen,

den Amtswundarzt Koch zu Schlüchtern als solchen auch für daS Amt Steinau zu bestellen,

dem bisherigen beauftragten Vorstand der Rechnungscommis- ston, Buchhalter Pfeiffer zu Cassel, die Stelle des Rechnungs- führers bei der Generalbrandtasse zu übertragen,

den Maler Jacob Becker zu Frankfurt sowie die Bijoute- rrefabrikanten Amen Weiß Haupt und Carl Backes inHanau zu Ehrenmitgliedern der Zeichenacademie zu Hanau zu ernennen, den Landbaumeister L>chwalm zu Fulda wegen eingetrete- ner Dienftunfähigkeit in den Ruhestand zu versehen.

«attdwiethschaftriches.

Ueber den Runkelrübenbau für kleine Besitzer.

In manchem Dorfemag noch ein Großvater leben, der auö len Erinnerungen seiner Kindheit erzählen kann' oder manchmal erzählt hat, wie die Kartoffeln in den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum ersten Male in seinem Dorfe gelegt worden sind. Und zwar geschah dies nicht mit Bereitwilligkeit, sondern aus Zwang; denn der Herr Oberamlmann schickte den Gensd'arm mit den garstigen Knollen, und halte ihm die schärfste Ordre gegeben, aufzupassen, daß die auf unmittelbaren Befehl Seiner Königl. Majestät in Preußen (Friedrichs des Großen) ihm überwiesenen Erdäpfel auch wirklich ord­nungsmäßig gepflanzt würden. Vom Pflanzen zum Essen war aber noch ein langer Weg bet unsern Vorfahren; denn was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht, sagt das Spriichwort, sowie: Man kann den Esel wohl ins Wasser jagen, aber nicht zwingen, daß er säuft. Und jetzig Wie hat Groß und Klein Kartoffeln essen gelernt! wie grämt sich das Kind, wenn, statt der dampfenden Kartoffeln, die Suppenschüssel auf dem Tische steht! Welche unermeßliche Vermehrung des Nahrungsstoffes ist uns durch die Verbreitung deS Kartoffelbaues geworden! Nur durch sie ist es möglich, daß jetzt Meirichen in dür­ren, sandigen aus Kiehnenwäldern gelichteten Aeckern leben und sich ernähren können; nur ihnen haben wir es zu danken, daß Hungerjahre, die sonst in der Regel in fünf Jahren einmal zu wüthen pflegten, jetzt zu den Ausnahmen gehören, ja daß es eigentlich nur Theue- rungsjahre zu nennen sind; da, im Verein mit dem Handel, der Karloffeibau solche Vermehrung der Nah- rungSmittel heevolgiraien hat, daß es immer Länder auf der Eree geben wird, welche mit ihrem Ueberflusse den Mangel Leidenden ausheffen können, und daß ein Verhungern im Großen, eine Verödung ganzer Land­strecken nur noch Bilder unsrer gepeinigten Einbildungs­kraft, nicht dem Leben entnommene wirkliche Thatsachen sind.

Aber die Kartoffel ist eine Ausländerin, Amerika bekanntlich ihr Vaterland und daher auS einem viel wärmeren Himmelsstrich, als den Ländern, welche sie vorzugsweise anbauen, eigen ist. Bei uns kann sie nicht im Freien überwintern, wir müssen die Knollen sorgfäl-