- 10
sehen? Aber vas bleibt.nicht aus, niemals! Die Reue kommt mit ihrer Qual. Bevenk's, du Leichtsinniger, du Tagedieb und Kartenspieler, du Säufer und Verschwender, bevenk's! Geh in dich, da es noch Zeit ist, und zähme dein Gelüsten! Kommt die Folge deines Thuns, Armuth und Elend, über dich — dann wehe dir! Auch der Wasserlropsen, der deinen Durst löscht, wird zur bittern Galle und deine Schuld drückt dich zu Boden! Und das ist die rechte Ernte deiner Aussaat. „Junger Spieler, alter Bettler; junge Verschwendung — alte 'Roth" — sagt das Sprüchworl. Das folgt, wie zweimal zwei Vier ist. Aber , ob's gleich in Tausenden von Beispielen vor Augen steht — sagt mir - warum hilft's ' nicht? Warum warnt's nicht? Warum hält's nicht zu- . rück? — Ei, wem der Teufel zum Tanze helfen will, dem sendet er den Geiger umsonst! Sie meinen Alle: Mir gehl's nicht so! Sie sind eben blind. Der Geiger spielt aus! sie tanzen und die Hölle lacht über ihren Sieg. „Wer Ohren hat, zu hören, der höre."
Heldenmuth eines Bankiers- /
x Vor etwa zwanzig Jahren stand in einer holländischen Stadt ein gescbätlsgewandler, in seinen Unternehmungen glücklicher Mann an der L-pitze eines angesehenen Bankhauses. Er hatte eine junge schöne Frau alS höchsten Gipfel und als gefährlichste Klippe seines Glückes. Jeden ihrer Wünsche, den er errathen konnte, erfüllte er, ehe sie ein Wort davon gesprochen hatte und so lebten sie einige Jahre^ in beneivenswerihem Glücke. Da erschien ein reicher Sauger — die in Holland so gut steigen als anderswo — welcher der jungen Frau in leidenschaftlicher Weise den Hof zu machen begann. Um den Mann derselben zu gewinnen, hatte er demselben sein ganzes großes Vermögen anvertraut. Er war an körperlichen und geistigen Reizen ausgezeichnet und gefiel bald. Die Frau war zwar sehr auf ihrer Hut, loch fiel ihrem Gatten einer ihrer Briefe an eine, Freundin in die Hände, in welchem sie gestand, daß sie nicht wisse, ob sie noch, lange ihr Herz werde schützen können. Wie den gefährlichen Siörer des Glückes unschädlich machen, der den ganzen Tag nichts zu thun hatte als fein Geld auszugeben und den Liebenswürdigen zu spielen, während der Bankier selbst von Geschäften fast erdrückt wurde?- Nachdem der Bankier reiflich und mit holländischer Geduld eine Menge Pläne geprüft hatte, entschied rr sich für ein sehr kupnes Beginnen, dessen sicherlich wenige seines Gleichen fähig sein würden. „Bet einem Sturme, wenn das Schiff jeden Augenblick sinken kann, wirst man die Ladung in das Meer,7 sagte sich der Mann. Das wendete er aus seinen Fall an und mit der Ausführung zögerte er nicht- Er suchte gewagte Speculationen aus, in denen möglicherweise große Summen zu gewinnen, weil wahrscheinlicher aber zu verlieren waren, war aber dabei so ehrlich, daß er unter den verschiedensten Vorwänoen Alle bezahlte, die Geld von ihm zu fordern hatten. Nur
daS Vermögen seines stillen Associe und öffentlichen Hausfeindes behielt er. Die Spekulationen fielen so aus wie rö der Bankier im Stillen gehofft hatte: er verlor sein ganzes Vermögen nebst dem des Anbeters seiner Frau. Beide waren ruinirt. Der Bankier macht Bankerott, aber man takelte ihn nicht, man sagte nur, er habe Unglück gehabt. Der Stutzer wurde von seinem Unglück in Verzweiflung gestürzt und dachte natürlich nichl mehr an Galanterien. Um seinen Gläubigern und der Schande zu entgehen, verließ er sogar die Stadt und suchte im fernen Auslande eine Zuflucht. Die Frau des Bankiers ertrug ungebeugt den Schlag „des Schicksals"; denn die rechten Frauen zeigen bei großen Katastrophen gar-oft ungewöhnliche, Seelenstärke und Aufopferung ist ja eine Tugend, die sie vorzugsweise gern üben. Es giebt keine sicherere und bessere Schule der Pflicht als das Unglück. — „Wenn Du mich ermulhi« gest und unterstützest," sagte der Bankier zu ihr, arbeite ich mich doch wohl noch einmal empor." Und da er ein allgemein geachteter Mann war, kam man ihm von- allen Seiten zu Hilfe. Mit Gewandtheit und Geschick benutzte er'den ihm gebotenen Credit und nach einigen Jahren war er wieder ein reicher Mann. Später, viel später, als von einer Gefahr nicht mehr die Rede sein konnte und seine Frau das Alter der Eroberungen überschritten hatte, entschädigte er den ehemaligen Courmacher derselben und ersetzte ihm alles was er verloren hatte.. Jetzt lebt er von den Geschäften zurückgezogen in... und hat vor wenigen Wochen seiner einzigen Tochter, die sich mit einem Manne mit historischem Namen verheirathete, eine Million Gulden zur „ersten Einrichtung" gegeben.
Sprüche und Thaten der Väter.
Die Brüder fragten den Vater Agathen, welche Tugend am meisten Arbeit koste- Er sprach zu ihnen: Ich achte dafür, es sei keine schwerere Arbeit als zu Gott beten. Denn wenn ein Mensch seinen Herrn anrufeu will, so bemühen sich allezeit die Feinde, die Teufel, daß sie sein Gebet verstören; sintemal sie wohl wissen, daß kein Ding ist, dadurch ihnen so große Hinderung und Schaden geschieht, als durch das Gebet zu Gott.—
Ein jüngerer Bruder kam zu einem Altvater und klagte ihm, daß er von argen Gedanken so sehr geplagt würde- Der Allvater führte ihn hinaus und sprach: „Lieber, daß die Vögel über deinem Haupte fliegen, magst du nicht verhindern: wohl aber kannst du wehren, daß sie dir keine Nester in'ö Haar bauen.
Johannes der Kleine, von Theben, hatte einem kranken Allvater zwölf Jahre Handreichung gethan, und obwohl er nie ein freundlich Wort von demselben empfing, doch mit großer Geduld gedient. Als aber der Allvater von dieser Welt scheiden wollte, nahm er Jo- hannem bei der Hand und sprach dreimal zu ihm: „Gott