Hcrsfeldcr Anzciger.
Np. 3* HerSfeld/ den W. Januar. 1855+
Der »Hers selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal," Mitwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Reuwark, No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeige» aller Ar wcroen ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Nechtspractikanten Georg Flohr zu Gelnhausen zum
- Garnisons-Aubiteur zu Fulda zu ernennen.
WÄe eure Sorgen werfet auf -en
Herrn.
h Ihr Sorgen weicht, und laßt mir Ruh'.' Der Herr will für mich sorgen.
Wirft mir Gott heute noch nichts zu, So thut er eö doch morgen.
2. Und kommt es gleich auch morgen nicht, So giebt,'s noch'ano're Tage. ' Der Gott, der sieht, was mir gebricht, Hört das auch, was ich klage.
3. Wer weiß, wer jetzt sich für mein Heil, Mir unbekannt, bemühet, Und wer für mein belekteren Theil An saurer Arbeit ziehet?
4. Wer weiß, wer wir mein Feld besä't, Worauf mein Korn mir grünet, Und wo vqs Bischen Weizen steht, Das mir zur Nahrung dienet?
5. Wer weiß, wer mir den Lisch jetzt deckt, Der mich hinfüro weidet, Wo Gott ein gutes Herz erweckt, Das meinen Rücken kleidet?
6. Wer weiß, wo jenes Schaflein geht, Das meine Wolle träget, Und wo das sanfte Bcillein stehr, In das mich Gott noch leget?
7. Wer weiß, wo noch mein Brünnlein quillt, Woraus ich trinken' werde?
Vielleicht, wenn Du, o Herr, es willt, Quillt es aus fremder Erde.
8. Denn Du, mein Gott, Du führst uns oft- Ganz fremde, ferne Straßen,
Du treibst uns weg, ganz unverhofft, Wo wir sonst ruhig saßen!
9. Wer weiß das Plätzchen und den Raum, Der ganz' für uns sich schicket. _ Wer weiß den Garten und den Baum, Der künftig mich erquicket?
f ^'.'treuer Vater! das weißt Du! tr^ ja nichts verborgen.
rum weicht, ihr Sorgen, laßt mir Ruh'! enn.^j»ll will für mich sorgen!
Altes Gold. *)
den Sprüchwörtern stehen die sprüchwörtli- chen Redensarten, und in denen ltegr fo "viei-miies>-ech« tes Gold, wie in den Sprüchwörtern selbst. Da fällt mir so eine ein, die ich am Rhein und da herum gar oft gehört habe. Sie lautete so:
'„Ach, wie schmeckt das Wasser so gut, — hatt' ich mein Mühlchen noch," sagte der Müller!
Da liegt Etwas drin; denn der Müller, dem man's so in den Mund legt, konnte auch sagen: „All' mein Silber und all' mein Gold ist mir durch die Gurgel gerollt, und das Mühlchen dazu," und, als er statt des Weins und Branntweins, in dem Hab' und Gut und Mühlchen ertrunken waren, Wassertrank, um seinen Durst zu löschen, sagt' er: „Ach, wie schmeckl's Wasser so gut! Hätt ich ich jetzt mein Mühlchen noch einmal," ich müßt', was ich thäte! Aber die Reue ist meist wie der hinkende Bote, sie kommt, wie der, zu spät. Wenn sie's auch nicht sagen, wie hier in der Redensart, die Sausause, die im Alter darben und betteln und Wasser trinken und gerne trocken Brod äßen, wenn sie's hätten: wenn sie's auch nicht ausspiechen, sag' ich', wie mag's im Herzen so oft klingen: „Wie schmeckt das Wasier so gut, ach hält' ich mein Mühlchen noch" — oder meine Aecker, mein Haus — meinen frühern Wohlstand! Und wenn sie auf das Häuflein bettelnder Kinder blicken und denken, wie hätt ich' die versorgen können! Und wenn sie hinaufzublicken wagen, wo Der wohnt unv thront, der sie ihnen anvertraut — Hu; mich schuckerl bei dem Gedanken! Wie mag's da in der Tiefe der 'Leele aus-
*) AuS der Spinnstube von W. O. v. Horn. 18v5»