Hersfelder Anzefger.
#h?> 2» HerSfeld, den 6. Januar. ' . 18SS
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Seine Königliche Hoheit de,r Kurfürst haben allergnävigst geruhet:
den Secondlieutenant von Starck vom Jäger-Bataillon zum 3. Infanterie.Regiment zu versetzen,
den Portepee-Fähnrich Weber vom Jäger-Bataillon zum Secondlieutenant in Lemseshen, und
den Portepee-Fähnrich Gischler dom 2. Jnfanterie-Regi- ment zum Secondlieutenant im 1. Infanterie - Regiment (Kurfürst) zu ernennen.
Georg Derfflinger.
Unter den Helden, welche sich um die Begründung der brandenburgischen,, später preußischen Staats-Macht " Verdienste erwarben, steht Jörg Dersflinger oben an, durch Tapferkeit und Beharrlichkeit und edle Gemüths- Eigenschaften, die ihn als Mensch so hoch stellen wie er <!§WWffi« e rster reich« schen Bauern im Lande ob der Enns, ist einem anmuthvol- len Weiler um das Jahr 1606, im März geboren. Dir Vater suchte der Religion wegen im nördlichen Deutschland einbürgerliches Unterkommen, während der Sohn unter schwedischer Fahne sich Freiheit des Glaubens zu erkämpfen strebte. Dort, wo es auf Tüchtigkeit und Rcchtschaffcnheit ankam, hatte er sich bald bemerkbar gemacht, bald die unteren Stufen des Dienstes zurückgc- legt. Im Jahr 1635 war er schon, Obrist-Lieutenand der Reiterei und vertrieb mit 200 Reitern die vier Mal stärkeren sächsischen Heerhaufen aus den Städten Halle und Morizburg Im Jahr 1637 finden wir ihn unter Oberst Pfuhl's Befehl auf einem Zuge durch Thüringen, wo er beiMeiningen ein schweres Gefecht mit feindlichen Reitern zuletzt siegreich bestand, gleich nachher aber durch den verstärkten Feind, unter Obrist Druckmüller, neuerdings angegriffen unv nach verzweifelter Gegenwehr geschlagen ward, so daß er nur mit 60 Reitern der Mez- zclei,- gewiß nicht auf schimpflicher Flucht, entkam. Im Jahr 1638 zum Obrfften Hinaufgerückt, zeigte er sich nun besonders thätig, im schwedischen Heere die Bewegungen zu zügeln, dadurch hetvorgerufen, daß der Sold den Truppen nicht gehörig bezahlt ward. Unter den Kriegern waren deshalb Gerüchte von allerlei Unter- schleifen und Veruntreuungen verbreitet, und ein allgemeiner Heer-Aufstand lag nicht ferne. Durch seinen geraden Sinn, durch sein zutrauliches Wesen war Derff- lunger längst ver Liebling nicht nur seiner Untergebenen^
sondern des gesummten Heeres geworden; Alle schenkten ihm unbedingtes Zutrauen und beauftragten ihn mit Erledigung ihrer Beschwerden. In dieser Angelegenheit reiste er nach Hamburg, sich mit der schwedischen Heer- Verwaltung zu berathen, erreichte dort seinen Zweck und söhnte das Heer mit seinem Heerführer Torsiensohn vollkommen aus. Von Letzterem ward er dann nach Siebenbürgen' geschickt, mit Rakotzi wegen gemeinsamer Kriegführung zu unterhandeln, kehrte aber bald wieder zurück, seine Sache, die er mit voller Ueberzeugung ergriffen, durch sein Schwert kräftiger zu stützen. Im Jahr 1642 brach er mit seiner Heer-Abtheilung in der Leipziger Schlacht zuerst die feindlichen Schaären, halte so am meisten zur Erringung des glänzenden Sieges gewirkt, weshalb er kenn auch' vom Ober-Feldherrn mit ver Siegeskunde an die Königin Christine gesandt wurde, welche ihn für seine wichtigen Dienste zum General - Major ernannte. Bei Torstensohd'S Einfall in Mähren (1643) belagerte Dersflinger Leipnick und nahm eS nach hartem Widerstände. Obschon er im Kriegsdienste sich vom Bauern bis zu den höchsten Ehren - Aemtekn emporge- schwungen, meist mit Glück und Sieg gekrönt, segnete er dennoch die Nachricht des Friedens, die dem Vaterlande nach dreißigjähriger Noth endlich mildere Aussichten gewährte. Da er sich während des Krieges mit dem auö der Mnrk Brandenburg entstammten Fräulein Margaretha von Schaptew verheiralhet hatte, wählte er die Heimath der Gattin zu der seinigen und ließ sich in Brandenburg nieder, wohnte die meiste Zeit in Berlin. Binnen sechs Jahren hatte der Krieger sich völlig an den heimischen Heerd gewöhnt, sich alle Künste des Frieden dzu eigen gemacht, als er plötzlich von Neuern durch Kriegs - Getümmel aufgestört und vom Kurfürsten von Brandenburg unter die Fahnen seines neuen Vaterlandes berufen wurde. Nach seinem alten Range trat er sofort in's braneenburgische Heer unv befehligte dessen Reiterei. Im Sommer 1654 wandte er sich zuerst gegen Polen und nahm dort mit Sturm das Kloster Prziment, obgleich es beinahe ringsum durch einen tiefen See geschützt lag, nahm die Stadt Bombst eben so rasch, öb- schon deren Besatzung ihm an Zahl überlegen war. Am 20. Juni 1657 ward der General-Lieutenant der Reiterei zum geheimen Kriegsrach befördert, und als sich die Spannung zwischen Brandenburg und Schweden zum Bruche gestaltete, gegen die Heermacht gesandt, unter welcher er in früheren Jahren gefochten halte. Derfflin