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wie es hiißt, zugleich zerabredet wird, daß jede der übri­gen Mächte im Schwarzen Meere ebenfalls nur sechs Kriegsschiffe halten Dürfe. Indessen hat Die Sache, so " angenehm und billig sie auch scheint, dennoch ihre drei starken Bedenken. Erstens, daß Rußland Adjacent des Schwarzen Meeres ist, die W e st m ä ch l e aber nicht, daß es sich demnach gegen Rußland um die Beschrän­kung eines natürlichen Rechts, in seinen Häfen zu thun, was es will, für die Weltmächte aber außerdem noch um den Erwerb eines neuen, Rechtes auf fremden Bo­den handelt, und das letztere auf den Fall eines erneuten Krieges die Zahl von sechs Schiffen nach Belieben jeden Augenblick vermehren können, während dieses für Ruß- - lano, da es keine Häfen am Mittelmeer besitzt, that­sächlich । unmöglich ist. Es wurde also durch die Annahme einer solchen Bedingung sich zu einem Coloß nicht mit thönernen Füßen, sondern ohne alle Füße, resp, zu einem Fisch ohne Flossen selbst degradiren. Zweitens wird Preußen noch in langer Zeit keine sechs Kriegs­schiffe, um sie ins Schwarze Meer zu entsenden, übrig haben, und eS hat mithin nicht den geringsten Vortheil von dieser auf Kosten Rußlands für die „abendländische Civilisation" zu machenden Eroberung, es sei denn, daß es die Hurrah-Artckel der demokratischen Zeitungen als seinen abschläglichen Antheil an jener Cultur-Eroberung ansicht. Dilticnö aber, und das ist die Hauptsache, ist die Erobe- ^ rung noch gar nicht gemacht; vielmehr haben die West- mächte durch ihr Drängen nach Deutschen Bündnissen auf das Deutlichste an den Tag gelegt, daß sie sich außer Stande fühlen, für sich allein Rußland auch nur zu irgend einer nachlhelligcn Bedingung zu nöthigen. Wenn nun auch Rußland, um des Friedens willen, nicht mit den Westmächlen, sondern mit Oesterreich zu einigem Nachgeben bereit ist, so wird es doch' schwerlich, ohne besiegt zu sein, wie Karthago im zweiten Puntschen Kriege es war — unv bis dahin^ möchte noch manches Wasser «nv manches Blut ins schwarze Meer fließen — sich sagen lassen: nur sechs Kriegsschiffe!

Lagesbegebenheiten.

Kassel. — Durch landesherrliche Verordnung vom 19. v. M. ist der Kriegszustande im Kurstaaie aufgehoben worden.

Hanau, 18. Dec. Nachdem^ gestern Abend um 7 Uhr die letzte Leiche der am 16. k. M. Mittags durch den Umsturz der 'Mauer des Brand'schen Hauses Ver­unglückten zu Tage gefördert wurde, stellen sich nun fol­gende Verhältnisse heraus. Todte 13, Verwundene 10, zusammen 23. Mehrere Verwundete sind noch in Le­bensgefahr, da doppelte Brüche der Gliedmaßen unv starke Conlusionen bei ihnen staltfanven, so daß leider das Sterderegister noch nicht als geschlossen zu betrachten ist. Die Beerdigung der Todten hat noch nicht statt gehabt, va deren gerichtliche lSckiion von Seilen des Kriminalgerichts verfügt worden ist. Für den Herrn

Brand fürchtet man großen pekuniären Nachtheil, ba derselbe die neue veränderte Police der Gothaer Feuer­versicherung weder bezahlt noch in Händen hatte, und durch feuergefährlichere Bauveränderungen diezalte Po­lice als nicht mehr gültig erscheint; man ist deshalb auf den Ausgang äußerst gespannt.

London, 12. Dec. Auf dem auswärtigen Amte ist gestern die Trauerkunre eingelroffen, daß die wacke­ren Reisenden Dr. Barlh unv Hemy Waddington dem pestilentialischen Klima Afrika's zum Opfer gefallen sind. Dr. Barlh hatte in seinem letzten Briefe seine bevorste­hende Abreise von Timbuctoo nach dem Innern ange- zeigt. Wo und unter welchen Umständen ihn der Tod ereilt hat, wissen wir zur Stunde noch nicht.

London, 14. Dec. In der heutigen Parlaments« Sitzung wurde eine vom Kriegsminister Herzog von- Newcastle entworfene Bill eingebracht, welche die Regie­rung ermächtigt, eine Fremdenlegion anzu werben, die jedoch aus höchstens 1500 Mann bestehen soll. Die Lesung vieler Bill erfolgte sogleich. — Lord John Rüs­sel verspricht ten mit Oesterreich abgeschlossenen Allianz« tractat vorzulegen, sobalv die Ratifikation erfolgt ist.

Bom russisch türkischen «Kriegsschauplatz.

Die neueste Nachricht vom Kriegsschauplatze befindet sich heute in folgender Depesche:

Petersburg, 20. Dec. Vom 8. bis zum 13. Dec. hat sich nichts Wichtiges bei Sebastopol zugetragen. Es wurden einige 2lugfäUe mit Erfolg gemacht; bei einem derselben hauen wir dem Feinde in den Trancheen drei kleine Mörser abgenommen und einige untere von grö­ßerem Kaliber vernagelt. Das Feuer der Belagerer ist schwach, unter Verlust ganz unbedeutend.

Eben so weil der Zeit nach gehl die folgende Fran­zösische Depesche:

PariS, 20. Dec. Aus dem Lager vor Sebasto­pol vom 13. d. M. wird gemeldet, daß nichs Wichtiges vorgefallen und daß besseres Wetter eingetreten sei.

Paris, 18. Dec. »ver heutige „Monikeur" ent­hält eine Depeiche aus dem Lager von Sebastopol vom 9. v. Der französische General Montepello ist angekom­men. Es wird versichert, vaß der Russische General Liprandi Die Höhe vor Balaklawa verlassen und sich mit dem Fürsten Menlschikoff nördlich des Tschcrnaja Flus­ses, welcher aus seinen Ufern getreten, verbunden habe. Die Ankunft von 5016 Mann Französischer Verstär- kungStruppen ist angetuncigt.

Amtliche • Bekanntmachungen.

Dem Wirth K-'vtt zu Obergcis sind in der Nacht vom 15. auf Den 16. D. M. zwei Gänse gestohlen wor­den. — Svuren des Tbäiers find kahier anzuzeigen.

Hersfeld, am 21. December 1854.

Kursürgl. Landrathsamt. Ausfarth-