Einzelbild herunterladen
 

Akv. 104» HerSfeld, den 20. December. 1854*

M^T Der Hersfelde» Anzeiger erscheint auch im nächsten Jahre in derselben Weise wie bisher, wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Diejenigen geehrten Abonnenten, welche ihr Abonnement erneuern wollen, belieben dieses bei der ihnen zunächst gelegenen Poststelle baldigst zu thun. Vke« hinzutretende Abon­nenten erhalten die Nummern vom Tage der Bestellung an bis zum 1. Januar 1855 umsonst. Alle Poststellen nehmen Bestellungen an. Das Quartal kostet 7| Sgr., bei den Posten kommt der übliche Post ausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die gewöhnliche Zeile oder deren Raum mit 8 Hllr., bei Wiederholung aber mit 6 Hllr. berechnet.

Uerrerfich-re, dauerhafte, gesunde und wohlfeile Bauart.

Ja! die Läuse» und Gebäude der Me»st>>en zur Sonne zu richten und v»» Lchmg-ine» zu -»baue», ist ode» wird in der nächsten Zeit Notwendigkeit.

Der Notbwendigkeit gehorchen Himmel und Erden, gehorcht der Mensch.

Dr. Faust.

Der verewigte, um Menschenwobl isehr verdiente Hofrath Dr. Faust zu Bückeburg nährte unv pflegte leb­haft die Idee, eine Reformation des Bauwesens herbei- zuführen, indem er

1) stakt der hohen Dächer, welche er die Erbsünde der Gebäude nannte, flache, wasserdichte, feuersichere und zum Begehen geeignete Dächer, wobei durch Erhöhung veS ganzen Gebäudes um ein Stockwerk der Bodenraum vollständig und in werthvollerer Weise ersetzt werden sollte,

2) statt der hölzernen, der Zerstörung durch Feuer, Schwamm rc. ausgcsetzlen Wände, Mauern von einem völlig feuerfesten Material, dem Lehm, resp, den daraus geformten Lehmsteinen, und

3) die Stellung der Gebäude zur. Sonne nach Mittag in Borschlag brächte. *)

In der That hätten Verwüstungen ganzer Städte durch das entfesselte Element des Feuers, wie wir sie in diesem Jahre in unserem Vaterlande zu beklagen haben, nicht wohl vorkommen können, wenn massive Lehmsteingebäuve und platte feuerfeste Dächer, den ver­heerenden Flammen wenig oder gar keine Nahrung var- geboten hätten, und man zugleich auf den flachen Dächern im Stande gewesen wäre, sich frei zu bewegen und der Weiterverbreitung des Feuers erfolgreichen Widerstand zu leisten. In unserem Klima jedoch, wo Wasser in Verbindung mit der Kälte im Winter sehr zerstörend

) Beitrag zum Bauwesen von vr. Faust Hosrath und Leibarzt; Bückeburg 1830. In Lommission in der Hahn'schen Hofbuchhandlung zu Hannover.

wirkt, ist es mit großen. Kosten und unsicherem Erfolge verbunden, platte Dächer auf die Dauer zu erhalten, daher wir noch an die steileren Dächer gebunden bleiben werden, welche das Wasser schnell von dem Gebäude obleiten. Diese Dächer sollten aber überall nur aus völlig feuerfestem Material bestehen und nur solche Zicgelarten in Anwendung gebracht werden, welche ohne die höchst feuergefährliche Unterlegung mit Strohfiedern so dicht auf einander schließen die seinen Fugen müßten mit Kalkmörtel verschlossen werden daß dadurch Luft­strömungen und Schneegestöber, sowie bei einer Feuers- brunst das Flugfeuer von dem Innern der Gebäude ob# gehalten würden.

Zur schnellen Fortpflanzung einer Feuersbrunst tra­gen außer den mit Stroh unterlegten Hohlziegeldächern, die schmalen, zwischen den meisten Gebäuden befindlichen Winkel sehr viel bei, weil darin das Feuer wie in Zug­kanälen stark angefacht wird, ohne daß sie einen Raum zur Aufstellung der Löschapparate tc. und deren Bedie­nung darbieten. Diese Winkel nutzen gar nichts; sie sind häßlich und wegen der Ausnahme des Regenwassers und aller möglichen Unreinltchkeitcn ungesund und den Gebäuden nachtheilig, daher man sie auch bei neueren Städteanlagen, wie z. B. in der Oberneustadt zu Cas- sel, in der Neustadt zu Hanau, zu Carlshafen etc. gän- lich vermieden hat. Die erwähnten Winkel entziehen den nutzbaren Raum gerade da, wo man, wie in engen Städten, den meisten Werth auf denselben zu legen. Ur­sache hat. Entweder führe man daher die Gebäude in einer solchen Entfernung von emadcr auf, ba^bie Zwi- schenräume breit genug sind, um als Hof- oder Garten- raum Nutzen zu gewähren, wie es z. B. in Darmstadt, Bockenhelm rc. geschehen ist, oder man stelle die Gebäude dicht an einander mit einer gemeinsamen, bis durch vaS Dach gehenden massiven feuerfesten Scheidewand, so daß .dieselbe nicht nur als Brand - und Schornsteinmauer Nutzen bringt, sondern auch der Weiterverbreitung eines Brandes ein Hinderniß und der Löschmannschaft bei ihren Operationen eine Schutzmauer bietet. Da eine