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Hersfelder Anzeiger.

Np. 1OO* HerSfeld, den 16. December. - 1854*

XS*' Der Hersfelder Wnjei - erscheint auch im nächsten Jahre in derselben Weise wie bisher, wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Diejenigen geehrten Abonnenten, welche ihr Abonnement erneuern wollest, belieben dieses bei der ihnen zunächst gelegenen Poststelle baldigst-zu thun. Neu hinzutretende Abon* nenten erhalten die Nummern vom Tage der Bestellung an bis zum 1. Januar 1855 umsonst. --Alle Poststellen nehmen Bestellungen an. Das O'mrtal kostet 7| Sgr., bei den Posten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die gewöhnliche Zeile oder deren Raum mit 8 Hllr., bei Wiederholung aber mit 6 Hllr. berechnet.

Zu den Friedens-^kusfichken.

Nach den Mittheilungen der Zeitungen hat Oester­reich mit Frankreich und England einen Al­lianz-Vertrag geschlossen, durch den die contrahircn- den Mächie sich gegenteilig verpflichten, einen Frieden auf der Grundlage der bekannten vier Punkte herbei- zuführen. Die ministerielleOesterreichische Corresponcenz" sprach, indem sie den Abschluß des Vertrages ankündigte, sich dahin aus, daßdie Solidarität der Europäischen Interessen, die derselbe constatire, die Einigung des Wil­lens und der Macht dreier Großstaaten, die er beurkunde, die berechtigte Aussicht aus den'Beitritt der alten und bewäbrien Bundesgenossen Oesterreichs, die nicht würden fern bleiben wollen einer Allianz, welche nur die Wie­derherstellung des Friedens auf fester allseitig befrie­digender Grundlage bezwecke", daß diesAlles der Hoffnung Raum lasse, daß den gerechten und billigen Ansinnen Europa's rückhaltsioS entsprochen und damit die Ruhe des Welttheils wiederhergestellt und gesichert werden werde."

Wir müssen gestehen,, daß die zweifelbaste Form, de­ren das amtliche Organ des Wiener Cabinels bei seiner Ankündigung sich bediente, uns, einigermaßen überrascht hat. Rußland hatte, als der "Vertrag vom 2. Decem­ber abgeschlossen wurde, bereits in der bestimmtesten und unzweideutigsten Weise erklärt, daß es die vier Punkte annehme- Diese Annahme war eine vollkommen rück­haltlose, weil in dem Aktenstücke, du>ch welches dieselbe erfolgte, sogar die Vorbehalte zurückgezogen waren, un­ter denen der Kaiser von Rußland früher (6. Nov.) sich zu der Annahme bereit erklärt hatte. Dengerechten und billigen Ansinnen Europa's" war daher rückhaltlos eni- Jprgd)Cit Unter diesen Umständen wäre man zu Wien berechtigt gewesen, nicht bloß eine unbestimmte Hoffnung, sondern die zuversichtlichste Erwartung zu hegen; und wenn man dennoch in einer amtlichen Mittheilung die Form des Zweifels porzog, so müssen dazu wichtige Gründe vorhanden gewesen sein. "

Wir machen keinen Anspruch darauf, das Dunkel diplomatischer Geheimnisse zu durchdringen. Wir müssen eS daher dahin gestellt sein lassen, welcher Art die Gründe sind, die das Oesterreichische Cabinet bestimmen, den Er­folg seiner Bemühungen zur Herstellung und Sicherung des Friedens ungeachtet der Annahme der vier Punkte von Seiten Rußlands, noch immer als zweifelhaft zu betrachten. Dagegen glauben wir an die Versicherungen erinnern zu dürfen, welche Oesterreich in Bezug auf seine Stellung zu der Kriegs- und Friedensfrage gegen seine deutschen Verbündetem übernommen hat. In der Depesche an den Grafen Esterhazy vom 9. Novem­ber, durch die Preußen zu der Annahme des Zusatz-Ar­tikels und der Anträge an den Bundestag bestimmt wurde, erklärte das Wiener Cabinet:

So lange Rußland die vier Punkte nicht ange­nommen hätte, müßte Oesterreich das Recht sich vorbe­halten, selbstthätig zur Erzwingung derselben einzuschrei- ten. Hier würde eS sich frügen, ob Preußen und der Deutsche Bund mit uns zu gehen bereit wären. Wir würden übrigens einen desfallsigen Beschluß nicht fassen, ohne vorher und zwar rechtzeitig mit unse­ren Bundesgenossen in vertrauliche Bera­thung zu treten." Zwar lehnte-das Wiener Cabinet es ab,im Falle der Annahme der vier Punkte von Rußland bestimmte Verpflichtungen einzugehen", weil esdadurch in diesem Falle allein'gebunden wäre, wäh­rend die Mächte des Ostens und Westens freie Hano behielten." Indessen wurde unmittelbar darauf zurückge- rusen, wieschon am 28. August dem Berliner Hofe zu erkennen gegeben" worveg,daß Rußland, wenn es durch unzweideutige Annahme der vier Punkte eine ange­messene Friedensgrundlage ernst barbieten wollte, so lange es bei vielem Entschlüsse beharrte, nicht zu besorgen hätte, Oesterreich unter seinen Gegnern 'zu erblicken." Und hinzugefügt wurde ausdrücklich: Hätte Rußland zur Unterhandlung auf Basis der vier Punkte sich bereit erklärt unb würde» dann die West-