Hersfelder Anzeiger.
Np. 1OO* HerSfeld, den 16. December. - 1854*
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Zu den Friedens-^kusfichken.
Nach den Mittheilungen der Zeitungen hat Oesterreich mit Frankreich und England einen Allianz-Vertrag geschlossen, durch den die contrahircn- den Mächie sich gegenteilig verpflichten, einen Frieden auf der Grundlage der bekannten vier Punkte herbei- zuführen. Die ministerielle „Oesterreichische Corresponcenz" sprach, indem sie den Abschluß des Vertrages ankündigte, sich dahin aus, daß „die Solidarität der Europäischen Interessen, die derselbe constatire, die Einigung des Willens und der Macht dreier Großstaaten, die er beurkunde, die berechtigte Aussicht aus den'Beitritt der alten und bewäbrien Bundesgenossen Oesterreichs, die nicht würden fern bleiben wollen einer Allianz, welche nur die Wiederherstellung des Friedens auf fester allseitig befriedigender Grundlage bezwecke", — daß dies „Alles der Hoffnung Raum lasse, daß den gerechten und billigen Ansinnen Europa's rückhaltsioS entsprochen und damit die Ruhe des Welttheils wiederhergestellt und gesichert werden werde."
Wir müssen gestehen,, daß die zweifelbaste Form, deren das amtliche Organ des Wiener Cabinels bei seiner Ankündigung sich bediente, uns, einigermaßen überrascht hat. Rußland hatte, als der "Vertrag vom 2. December abgeschlossen wurde, bereits in der bestimmtesten und unzweideutigsten Weise erklärt, daß es die vier Punkte annehme- Diese Annahme war eine vollkommen rückhaltlose, weil in dem Aktenstücke, du>ch welches dieselbe erfolgte, sogar die Vorbehalte zurückgezogen waren, unter denen der Kaiser von Rußland früher (6. Nov.) sich zu der Annahme bereit erklärt hatte. Den „gerechten und billigen Ansinnen Europa's" war daher rückhaltlos eni- Jprgd)Cit Unter diesen Umständen wäre man zu Wien berechtigt gewesen, nicht bloß eine unbestimmte Hoffnung, sondern die zuversichtlichste Erwartung zu hegen; und wenn man dennoch in einer amtlichen Mittheilung die Form des Zweifels porzog, so müssen dazu wichtige Gründe vorhanden gewesen sein. "
Wir machen keinen Anspruch darauf, das Dunkel diplomatischer Geheimnisse zu durchdringen. Wir müssen eS daher dahin gestellt sein lassen, welcher Art die Gründe sind, die das Oesterreichische Cabinet bestimmen, den Erfolg seiner Bemühungen zur Herstellung und Sicherung des Friedens ungeachtet der Annahme der vier Punkte von Seiten Rußlands, noch immer als zweifelhaft zu betrachten. Dagegen glauben wir an die Versicherungen erinnern zu dürfen, welche Oesterreich in Bezug auf seine Stellung zu der Kriegs- und Friedensfrage gegen seine deutschen Verbündetem übernommen hat. In der Depesche an den Grafen Esterhazy vom 9. November, durch die Preußen zu der Annahme des Zusatz-Artikels und der Anträge an den Bundestag bestimmt wurde, erklärte das Wiener Cabinet:
„So lange Rußland die vier Punkte nicht angenommen hätte, müßte Oesterreich das Recht sich vorbehalten, selbstthätig zur Erzwingung derselben einzuschrei- ten. Hier würde eS sich frügen, ob Preußen und der Deutsche Bund mit uns zu gehen bereit wären. Wir würden übrigens einen desfallsigen Beschluß nicht fassen, ohne vorher und zwar rechtzeitig mit unseren Bundesgenossen in vertrauliche Berathung zu treten." Zwar lehnte-das Wiener Cabinet es ab, „im Falle der Annahme der vier Punkte von Rußland bestimmte Verpflichtungen einzugehen", weil es „dadurch in diesem Falle allein'gebunden wäre, während die Mächte des Ostens und Westens freie Hano behielten." Indessen wurde unmittelbar darauf zurückge- rusen, wie „schon am 28. August dem Berliner Hofe zu erkennen gegeben" worveg, „daß Rußland, wenn es durch unzweideutige Annahme der vier Punkte eine angemessene Friedensgrundlage ernst barbieten wollte, so lange es bei vielem Entschlüsse beharrte, nicht zu besorgen hätte, Oesterreich unter seinen Gegnern 'zu erblicken." Und hinzugefügt wurde ausdrücklich: „Hätte Rußland zur Unterhandlung auf Basis der vier Punkte sich bereit erklärt unb würde» dann die West-