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rent und Mitgarant der Verhältnisse' der europäischen . Christenheit werde.

Wir [ino entfernt von dem falschen Grundsätze, als ob Rechte ein weniger guter Besitz waren, als irgend ein anderer; aber gehen wir,selbst zu dem gröbsten Punkte, der Conservation des äußeren Besitzstandes über, so fin­den wir da denselben^ Gegensatz. Rußland seinerseits ' stimmt selbst in Betreff der „Integrität der Türkei" (sei rS aus mißverständlicher Ueberiragung ronservattver Grundsätze auf einen Fall, auf dem sie gar. keine Anwen­dung finden können; sei es aus Concession gegen die übrigen Mächte) mit diesen überein; es ist, sogar nach­dem es von der Türkei angegriffen war, nicht von seinen früheren Erklärungen carüder abgegangen. Eng­land und Frankleiw dagegen haben-aufs betulichste zu verstehen gegeben, daß ihr Wunsch auf eine Verände­rung des Besitzstandes gerichtet ist. Auch der Vorbe­halt weiterer Forderungen bei Stellung der bekannten 4 Frieoenspunkie, kann kaum anders ausgelegt werden; denn alles was von bloßen R c ch tS schmälerungen mög­lich war, enthalten die 4 Punkte bereits. Ob die zuver­sichtlichen Revisoren der Karle von Europa officiell dazu angeleitet sind; ob Finnland bereits Schweden angebo­ten ist; ob 'man die Krim erobern will, um sie zu be­halten oder nicht: darüber urtheilen wir hier nicht, weil e^ sich nicht officiell beweisen laßt, und wenn ein engli­sches Regierungsmilgliev bereits vor dem Publikum von der Revoluiionirung Polens gesprochen hat, so wol­len wir selbst dies bis auf röciieres einer Nachtisch- Stimmung zu gut schreiben. Aber daS allgemeine Kriegs­geschrei, das auch die Regierungen nicht verleugnen, ist , dies: Rußland wird zu mächtig, es muß geschwächt wer­den! — Es ist der Grundsatz des EommuniS- mus, auf das Gebiet des Völkerrechtes über­tragen, und es ist schwer zu begreifen, mit welcher Naivität man selbst in Deutschland diesen Grund, als ob er der vor Gou und Menschen berechtigste von der Welt zu einem Angriffskriege wäre, deutschen Fürsten anempfehlen kann. „Die Gelegenheit ist jetzt so günstig, wie sie vielleicht nie wieverkehrt," sagt man; warum also (ist Der nothwendige Nachsatz) sollte uns eine so schöne Gelegenheit nicht zu — Spitzbuben machen?

Reichte der Vorwand, den man zum Kriege er­griff: der Schutz des Islam uno die Verhinderung des Schutzes christlicher Mnbrücer — dazu hin, den gegen­wärtigen Krieg Lu einem der fluchwürdigsten zu machen, die noch geführt worden; so macht ihn der Hintergrund, der hinter jener Vorwand hervortritt, nicht viel lievens- würdiger: — der praktische Communiömuö im Großen.

Eagesbegebenheiten.

Karlsruhe, 27. Nov. Während den Forderungen des Eizbischoss von Freibutg Von Seiten der Badischen Regierung im Wesentlichen nachgegeben wirb, stehen die tulherlschtn Gemeinden deS Landes noch fortwährend

in demselben Verhältniß der Unsicherheit, ba^— jetzt mit geringen Unterbrechungen und vorübergehenden Erleichte­rungen — gerade vier volle Jahre währt. Der Vor­stand deS lutherischen Missions-Vereins in Amsterdam hat sich in einer tief eingehenden Eingabe an Se. Kö« nigl. Hoheit den Prinz Regenten gewendet uno um Dul­dung und Anerkennung der Badischen Glaubensgenossen gebeten, auch gleichzeitig Se. Maj. den König von Prc u- ßen um Veimillelung in gleicher Weise, wie für Die Madiai'schen Eheleute in Toöcana, angerufen. Allerdings hat seitdem die unfreiwillige Confinirung des Pastors Eichhorn in Kemoach ausgehört uno derselbe hat nach Durlach zu seiner Familie zurückkehren dürfen; aber noch immer ist derselbe polizeilich überwacht, noch immer wäh­ren die Geldstrafen gegen denselben fort und mehren sich von Tag zu Tage. Möchten doch die lutherischen Kir- chenregimente Deutschlands an theilnchmenoer Bruderliebe den Niederländern nicht nachstehen. Der Zugang zu der Person ihres theuersten Lanocsherrn ist den Lutheranern seit langer Zeit verschlossen; so geneigt er persönlich den­selben auch zu sein scheint, so werden die Deputirten der Gemeinden jetzt doch von Sr. Kömgl. Hoheit fern ge­halten. Lchristliche Bitten der bedrängten Gemeinden an den Prinz-Regenten aber werden von Dem Geheimen Kabinette dem Minister des Innern ubergeben uno von diesem mit hohen Sporteln belegt.

Fr^ciburg, 2. Dec. Nächster Tage werden die letzten eoloaten, welche seiner Zeit wegen Theilnahme am Ausstanve verurihellt wurden und nunmehr von der Milbe unseres Regenten^ Die Begnadigung erhalten ha­ben, aus Der hiesigen Strafanstalt entlassen, um unter Begleitung bis an Die Grenze ihre Reise nach Amerika anzutreten. Es soll Darunter auch Einer sein, gegen den lebenslängliche Gefangenschaft erkannt war.

Weimar, 2. Dec. Eckermann, der langjährige Freund Goclhe's, ist gestorben.

Spanien. — Eine telegraphische Depesche aus Madrid vom 1. Dec. lautet: „In ihrer Sitzung vom heutigen Tage haben Die Cortes mit 206 gegen 2ll Stimmen entschieden, däß der Thron Issabella's II. und ihre Dynastie Die Grundlagen der gegenwärtigen politi­schen Organisation Spaniens seien."

Die neueste Nachricht vom Kriegsschauplatze findet sich heul in folgender Depesche.

Petersburg, 5. Dec. Fürst Mentschikoff meldet vom 27. Nov. (15. a. Si.), daß Der Feind förlfährt, Sebastopol zu dombardiren, aber sehr schwach und fast ohne uns Verluste oder Befchäbigungen zuzufügen. Er befestigt seine Position und stellt neue Batterieen auf, deren Feuer er indessen noch nicht eröffnet hat.

— Die See-Unfälle durch Die Stürme vom 14. November werden wiederholt als sehr bedeutend geschil­dert. Ein nördlich von Eupawlia gestrandetes Franzö­sisches Kriegsschiff, das Pulver und 40 Pferde an Bord hatte, soll nach einigem Schießen genöthigt gewesen sem,. sich zu.ergeben.