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Hersfelder Anzeiger.

Nr. 98. HerSfeld, den 9. December. 1854*

Der „Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expe" bitten (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen «0« Art weisen ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Rückblick über Me orientalische Frage.

. (Aus dem Bolksblatt für Stadt und Land).

(Fortsetzung.) )

Die Belege über den Charakter tiefer vom Glauben emancipirien Civilisation in Wort und That sind im Volksblatte zahlreich gegeben. Ihr Vater, der sein Eritis sieut Deus schon in die Obren unserer ersten Eltern geflüstert hat, ist eben der „Lügner von^Anfüng" und wer Ä gesagt, muy auch B sagen. Die Theffatier unv Bulgaren, wie die armen Finnen und Lappländer wissen davon zu erzählen. Auf die Einzelbeüen brauchen wir nicht zurückzukommen. Aber eine . Bemerkung im ganzen müssen wir noch hinzufügen, indem rar und zu den officiellen Quellen zurückwenven. Keinem Men­schen von einigem GeschmÄck"-und Urtheil kann es entge­hen, daß ein merkwürdiger Conirast durch die Proclama« tionen, die Kriegsberichte, die Belobigungen u. s. w. ver beiden kriegsführenden Theile hindurchgeht. „Der Styl ist der Mensch" — dieser Latz läßt sich auck im großen Maaßstabe anwenven. Es offenbaren sich bis in die Weise des Ausdrucks zwei wesentlich unterschiedene Gei­ster- Wir sehen auf der einen Seite den Styl männli­cher Entschlossenheit, die weiß, daß Der Ausgang nicht von ihx abhängt, die das Ihrige thut und erwartet, daß jeder daS Deinige thue, ohne viel Worte zu machen. Wir sehen auf 6er andern Seite den Styl der Renom« mage die auf Dtc_ Größe ihrer äußeren Mittel und auf die eigene Vortresfilchkeit ihrer Nationalität oder Bildung pocht. Auf der einen Seite unverkennbar einen Geilt der Opferwilligkeit, des Ernstes unv der Zucht, auf der andern ein fahriges, gespieltes Gebühren fast in jedem Zuge und Worte. Der eine Theil weist bei jeder Gelegen« heil nach oben, von dannen allein Heil unv Legen kommt auch in schweren Schickungen; verändere baut in seinen Sägern Theater und übt BalletS zur Feier von Siegen, die bisher nirgends anders als auf seinen Lippen sind, die er aber als einen schuldigen Tribut des Herrn der Heerschaaren in Anspruch zu nehmen scheint. — Wir stehen vor dieser hellen Thatsache und können nicht darüber-

Der principielle Gegensatz zeigt sich aber auch drit­tens in den .positiveN-Gegenstänocn des Krieges. Die Versicherung .eines Schutzrechts, das dem Kaiser von Nußlanv an der griechischen Kirche in der Türtel^ustehl,

war bekanntlich und vielgenanntlich der erste Zankapfel. Die Westmächte erkannten dasselbe zwar an, aber sie ver­sagten Rußland es wirksam zu mattiern Hat Ruß­land ein positives Recht (und das ward in den Wie­ner Noten selbst bezeugt) und wird ihm die Anerkennung dieses Rechtes von der andern Seite verweigert, so hat es keinen Sinn, ihm die maaßvolle Ereculionsmaßregel, die in Der Besetzung Der Fürstcnlhümer lag, zum Ber­brechen zu machen. Das war die erste Position. Die UnhaUbmkeil derselben fühlend, machten Die westlichen • Mächte die Schwenkungen zu dem Vorschläge, einen ge­meinsamen Schutz Der christlichen Mächte über die verschiedenen christlichen Confessionen in der Türkei aus Zwcckmäßigkeitsgrünveu an die Stelle zu setzen. In den von unsers Königs Maejstät vermittelten Fried ensvor- schiägcn, kurz vor dem Ausbruch des Krieges, ging Ruß­land auf dieses Verlangen ein, es stimmte'einer Altera­tion seines Rechtes zu. Jetzt nehmen England und Frankreich eine andere Retraile; sie verlangen in den bekannten 4 Punkten, daß gar kein rechtlicher Schutz der christlichen Kirchen in der Türkei cristire und setzen Dem gegenüber „volle Souveränität des Sultans über ' seine christlichen Unterthanen", indem sie sich nur auf dessen „Wohlwollen" verlassen und auf ihren moralischen Einfluß zum besten einer anzustrebenden allgemeinen in­differenten Religionsfreiheit- Hier sind also die Gegen- sätze: Von der einen Seite: Schutz einer bestimmten . Konfession und bestehenden Kirche vor antichristischer Un­terdrückung: von Der andern: eine phantastische unv un- -

. ausführbare allgemeine Religionsfreiheit. Von der einen: Garantie positiver Rechte; von der andern: das „allge­meine Beste" mlö der Maaßstab, nach welchem das Recht sich fügen muß, v. H. souveräner Menschenwille unv Menschencinsicht als alleiniger Richter darüber, was eri- stiren und gelten soll oder nicht — eS ist derselbe Grund­satz, den Die französische Revolution in einem einzelnen Lande anwanvle unv in dessen Namen Nobespierre als Präsident deS Wohlfahrtö-AuSschusses regierte, hier auf Die völkerrechtlichen Verhältnisse angewandt. Von der einen Seite die schuldige Hülse der unterdrückten Glieder Der Christenheit, die in den Grundsätzen Der Heiligen Allianz wurzelt; von der andern die Looslösung von Den tiefsten Grundlagen des europäisches Völkerrechts bis zur Forderung getrieben, daß der Großtürke Mitpacis-