Hersfelder Anzeiger.
A^p. SV. He-rSfeld, den 6. December. 1854.
Der „Sera selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Erpe« dition (Neuwarkt No. 587) pr? Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeige« aller Art wcroen ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Obersten von Specht, Kpmmandeur der zweiten Jn- fanterie-Brigade, und
den Obersten von Loßberg, Kommandeur der ersten Jn« fanterie-Brigade, zu General-Majors zu befördcn; sowie
dem Rittmeister und Flügel-Adjutanten von Eschwege den Charakter als Major zu ertheilen,
dem Hofmarschall von Heeringen die erbetene Erlaubniß zur Annahme und Tragen des von Seiner Hoheit dem Herzog von Sachsen.Meiningen demselben verliehenen Commandeur- kreuzes erster Klasse des Sachsen-Ernstinifchen HauSordens zu ertheilen.
Kassel, I. Dezember. Die feierliche Beisetzung der sterblichen Hülle der verewigten Prinzessin Karoline Friederike Wilhelmine von Hessen hatte heute Mittag um Haib drei Uhr statt. Stach Dem ersten in allen Kirchen stattgefundenen Geläute versammelte, sich das Leichengefolge in dem Fürstenhause, welches die Hoch- sslige bewohnt hatte und vor welchem sich eine Escadron Garde du Corps aufstellte. Se. königl. Hoheit der Kurfürst begab sich mit Dem Hofstaate in die- Gemächer der hohen Verblichenen, woselbst sich auch II. HH. die Herzogin und der Erbprinz von L>achsen-Me,iningen, S. Durchlaucht der Prinz Aleris von hessen-Phi- lippsthal.Barchfelv und I. Durchlaucht die Fürsten vonHanau einfanden. Nachdem die höchsten Herrschaften sich zum letzten Anblick der selig Verblichenen in das Sterbczimmer begeben und wieder zurückgezogen hatten, wurde der Larg, unter Vortritt des Kammerherrn Frei- Herr v. Dörnberg und gefolgt von den höchsten Herrschaften ünv dem Hofstaate von zwölf Hofoffizianten bis vor die Treppe getragen, woselbst die Hofdame Fräulein V. Gilsa die schwarze Sammeidecke darüber breitete und Wer rothsammetne stiberbefranzle Kissen mit dem Louisen- Orden und einem Kranz von weißen Rosen und Myr- then, darauf befestigte. I. Hoh. die Herzogin von Sachsen-Meiningen. undI. Duchlaucht die Fürstin von Hanau zogen sich hierauf nebst dem weiblichen Hofstaate zurück. Der Sarg wurde auf den Leichenwagen gehoben, die Garde du Corps machte die Honneurs; das Geläute begann zum zweiten Male und dauerte bis zur Erreichung des Friedhofes. Der Zug ging in folgender Ordnung: Eine Hache Escadron Garde du
Corps; ein Trauermarschall; ein zweispänm'ger Hofwagen mit dem Hofprediger Konsistorialralh Martin und seinem Gehülfen; ein sechsspänniger Hoswagen mit dem Kammerherrn Fieiherrn v. Dörnberg; zwei Trauermar- schälle; der Trauerwagen mit acht Mappen bespannt, die Pferds mit schwarztuchenen Decken mit Silberborten und
1 in Silber geschlagenem Wappen und Krone, geführt von 8 Marstalls-Livreedienern an schwarzumflorten Beizstglen; ' zu beiden Seiten die zwölf Hofoffizianten in schwarzer Kleidung, daneben der Livreestaat der hohen Verblichenen; zwei Trauermarschälle; Seine Königliche Hoheit der Kurfürst im achtspännigen L-taatswagen nebstSr. Hoheit dem Erbprinzen von Sachsen- Meiningen; Se. Durchlaucht der Prinz von Hes- , sen - Philippsthal - Barchfeld im sechsspännigen Staatswagen; ein sechsspänniger Wagen Ihrer Durchlaucht der Fürstin von Hanau, worin sich Ihre Durchlauchten die Prinzen von Hanau befanden; das Gefolge Sr. Königl. Hoheit des. Kurfürsten in zwei sechsspännigen Hofwagen; sodann eine lange Reihe Wagen, worin sich die Mitglider des Staatsministeriums, die Generalität und eine große Anzahl höherer Militär- und Civilbehörden in Uniform und viele theilnehmende Personen in schwarzen Anzüssen befanden- den Zug schloß eine halbe Escadron Gaide du Corps' Derselbe ging die Königsstraße hinunter über den Kö- nigsplatz, an der Kasernenwache vorbei, nach dem alte» Friedhvfe, von dessen Eingang an bis zum Grabe die Leibgarde Spalier machte. Am Eingänge des Friedbo- fes wurde Se. Königl. Hoheit der Kurfürst von der mesammten protestantischen Geistlichkeit im Ornat empfangen; der Sarg wurde durch die Hofoffizchnten abgeuommen und unter VorKitt der Geistlichkeit ,>n^ des Kammerherrn Freiherrn v. Dörnberg, gefvlat von Seiner Königlichen Hoheit dem Kurfürst?»' und dem ganzen Trauergeleite, zur Grabstätte neben dem Mausoleum der verewigten Kurfürstin g tragen und K S'M M»d,m t« Sorg «ng.frnf, LA" A L . erste Hofprediger, Konststorialrath Martin, die Dicken- rede, welche einen tiefen und ergreifenden Eindruck machte und nach deren Beendigung sämmtlicheSÄ Dritten Male eine halbe Stunde lang läuteten. 8