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Hersfel-er Anzeiger.

Nv. 93> HerSfeld, den 22. November. 1854»

Der »Her-felder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal »iti»v (Neuwarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 H«r.; bei den aller Art wcroe» ausgenommen »nd die Zeile oder deren Nanm mit

, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe. Pestanstnllen kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeige» 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

RüSSliek über |He orie«t«Iische Frage.

(Aus dem Volk-blatt für^Stadt und Land).

' » 5. England und Frankreich.

Manßhat viel darüber geredet, ob in der Agitation gegen Rußland Frankreich eigentlich England oder Eng­land Frankreichin« Schlepptau genommen habe". Die Wahrheit scheint zu sein, daß sie sich eben gegenseitig gezogen oder gestoßen haben. Sie fanden sich einander auf halbem Wege entgegenkommend un» die sich darbie- tente Gelegenheit, in einer so erwünschten Gesellschaft (während man noch überraschenderer Weise von den beiden ankern, den deutschen Großmächten minve- stens ruhiges^ Zusehen hoffen konnte) den Krieg gegen

* Rußland zu beginnen, hat fwohl beide mit dem Gedanken dieses Krieges» erstj vonzfern, dann in rascher Annäher­ung vertraut gemacht und dies nach allen bisherigen Traditionen widernalürlicheZBündniß aufgcrichwt- Wie . man sagt: Gelegenheit macht Diebe, fo könnte es also hier heißen: Gelegenheit macht Kriegslustige. Auf LouiS Napoleons Seite durfte in dieser Begegnung wohl der bewußtere Wille, auf der Seite Englands da­gegen die größere von selbst wirkende Wucht der reellen Interessen und der Nationalempfindung gewirkt haben. Beides letztere fehlte in Frankreich bei dieser Gelegen- Heit eigentlich gänzliche

Rußland und England? sind »die beiden eigentlichen Weltcoloffe biefer Zeit England durch die Energie seines Volksstammeö und die Ausbeutung der natürlichen HülfSquellen feine« kleinen Jnielkerns fast künstlich em- p^rgelchräubt, wohl ziemliche auf den Gipfel angelangt Rußland ein noch jugendlicher, von nachhaltiger Kraft in Der Entwicklung auf einem ungemeffenen Raume be­griffen. ES liegt im Wesen der Verhältnisse, wie die . irdische Geschichte sie mit sich bringt, daß beide in Zu­sammenstoß gerathen müssen. ' Nicht in der Tstrkei allein, . auch in den weniger selbständigen Staaten auf dem . Festlande von Europa begegnet sich schon jetzt vielfach paralysirend ihr Einfluß (die auch principiell entgegenge- ' gesetzte Natur dieses Einflusses werden wir weiterhin ins Auge zu fassen haben). Werden sie aber hier, auf dem europäischen Festlande durch das Gewicht der übrigen Großmächte in Schranken gehalten, so sind zwei andere Schauplätze wo thuen ein unbeschränkteres Messen ihrer Kräfte an einander bevorsteht, zur See und in

Asien. Die russische Marine, wenn sie sich auch noch lange nicht mit der von der Industrie furchtbar eisen- und dampfgerüsteten Englands messen kann, ist doch in der jüngsten Zeit durch die Energie des Kaisers in einer Weise herangewachsen, die der Alleinherrscherin der Meere und Küsten schon Besorgnisse für die Zukunft einflößt. In Asien sieht England mit scheelem Auge auf die seit 1814 und 1829 gefaßte Position Rußlands in Trans- kaukasien, und es ist auch hier ein ganz anderes Motiv, was unter dem noblen Namen der Freiheitssympathien die räuberischen Bergvölker auf alle Weise unterstützt, in deren wirklich begeistertem Propheten Schamyl der muselmännische Fanatismus seinen letzten Aufschwung ge­nommen hat. Von der andern Seile des caspischen Meeres sah man gerade zu der Zeit als die neueste orientalische Frage" sich. erhub ein russisches Heer­corps in Turkestan Vordringen, nicht mehr weit von der Grenze der Afghanen, der kriegerischen Nachbarn Ostin­diens erscheinen. Hier, in Ostindien, ist. die verwund­barste Stelle der englischen Macht. Unverkennbar ist der Beruf Rußlands, des äußersten Gliedes der wcltbe- herrschenten indogermanischen Wölkerfamilie nach Osten und gleichsam des Vorpostens Der Christenheit, zur Vor­mundschaft über jene asiatischen Hochlande, wozu auch die ganze Eigenthümlichkeit Rußlands es am meisten be­fähigt, und zur allmähligen Erziehung der Völkerschaften, von denen sie bewohnt sind. An allen halbwilden Höfen zwischen der Donau und dem Jnvuö begegnen sich seine Agenten mit denen Englands. Und wie Konstantinopel die Veranlassung zum Ausbruch einer tief und weit gegründeten Nebenbuhlerschaft darbot, so ist es auch eine der wichtigsten Positionen darin. England sieht in ihm den Schlüssel für Rußland wie zur Leeherrschaft, so auch zu Asien und es zweifelt'deshalb nicht an dem Willen-Rußlands, sich desselben zu bemächtigen.

Der Krieg, der jetzt im Namen der Türkei entbrannt ist, ist ein . Krieg, der eigentlich ganz und allein für England gelührt wird. Seine Zwecke: die Zerstörung der russischen Kriegs- und Hanoels-Manne; die Abhaltung Rußlands von einem Vordringen nach Osten; die recht­zeitige Erschütterung seiner anWachsenven Macht wenig­stens auf eine geraume Zeit. Bei dem allen ist nichts zu fragen uno zu wundern und auch die ganze bisherige Führung des Krieges ist, wie in die Augen fällt, le­diglich und ausschließlich (und zwar' mir gewohnter