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NkP. 92. HerSfeld, den 18. November. 1854.

Der »HerSfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der ^xp«» titivu (Neuwarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art wcr»e« ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Rückblick übe» die orientalische Frage.

' (Aus dem Volksblatt für Stadt und Land).

4. Die Veranlassungen des gegenwärtigen A u s v r u ch s.

Was nach dem verhängnißvollen Jahr' 1848, dessen Kind in unetzr als einer Beziehung die jetzt so ge­nannteorientalische Frage" ist, die Aufmerksamkeit ' zuerst wieder auf die Türkei lenkte, war die Flüchtlings- frage- Ganz nach altem Herkommen und innerer Wahl« Verwandtschaft warf sich ein Theil des Auswurfes der europäischen Revplutzon nach ihrer Beilegung zu den Türken, ward theils selbst Türke, theils suchte er dort wenigstens eine Zuflucht bis auf bessere Gelegenheit. Aus das Nähere Der darauf folgenden Conflicte' haben wir uns hier nicht einzulassen; ganz wie es in der Ord­nung, staueen in dieser Frage Oesterreich undHllßiauv (und wir zweifeln nicht, auch-Preußen, soweit es nach Umständen Theil nehmen konnte) auf ,rer einen, England und Frankreich auf der andern Seite (das in o b er ne England hat wenigstens auswärts das bon «panische Frankreich hat von Natur, mit ober wider Willen revolutionäre Sympathien,) Auch in der montenegri­nischen Sache, die dann folgte (Montenegro "war der Kern einer neuen Gährung unter den christlichen Bevöl­kerungen , die wie sie durch gewohnte tiulttche Greuel aufgestuchelt wurde, so wiederum neue solche Greuel weckte) erblicken wir noch denselben guten Einklang Oe­sterreichs und Rußlands. ,

Es folgte endlich die vielbekannte Sendung des Für­sten MennchiHff. Ihre Veranlassung im ganzen scheint^ ' (wenn wir einmal Vermuthungen ausspiechen wollen) gewesen zu sein, daß der Kaiser von Rußland den ver­wirrenden Einfluß ver ,beiden Seemächte in Konstanki- nopel, der sich auf die Partei der Reformist! ken stützt, in jüngster Zeit in einem Maaße, zunehmend glaubte, der ihm für die orientalischen Verhältnisse bedenklich erschien, und im' geglaubten Einvernehmen mit Oesterreich durch einen entschiedenen Schrill das Gleichgewicht des Einflusses zu seinen Gunsten wieder hcrzustellen wünschte. Alle seine Vorbereitungen oder vielmehr tur gänz­liche Mangel an Vorbereitungen von militärischen, sowie, von .diplomatischen (und 'der letztere Mangel, näm­lich, an einem vorgängigen positiven Einverständnisse. mit Oesterreich und Preußen, ist es, was wir vorzüglich bekla­

gen) zeugt davon, basier jedoch keine ernsthaften Verwicklun­gen in Folge dieses Schrittes erwartete. Er mochte auf die friedlichen und loyalen Gesinnungen eines eben ins Amt getretenen Ministeriums' Aderdeen in England zu viel rechnen; mochte Louis Napoleon ein so gewagtes Spiel, wie derselbe wirklich unternommen hat, nicht zutrauen. Charaktere, wie der seinige pflegen einen Schritt, den sie für recht und nothwendig halten, zwar überhaupt nicht nach den möglichen Folgen abzumcssen; wir sagen nur: er hatte anders gerüstet sein müssen, wenn er diese Folgen seines Schrittes hätte erwarten können.

' Die an die Pforte gestellten Forderungen selbst, mit denen wir es das Gebiet der bloßen Vermuthungen verlassend bei der rechtlichen Beurtheilung des.Schrit- tes allein zu thun haben, waren zweierlei eine spe­cielle: die Herstellung der griechischen Küche in ihren Ansprüchen auf die heiligen Stätten des gelobten Lan­des eine allgemeine: die bündigere Zusickerung des Rechtsschutzes der griechischen Kirche in der Türkei überhaupt.

Die erste dieser Fragen betreffend, so hat allerdings von der Zeit der Kreuszüge^ (und vor ihnen von der des heiligen Franziscuö) die abendländü'che Kirche ältere und überwiegendere Ansprüche an jenen Stätten der Vereh­rung besessen;,die griechilche Kirche, die freilich noch ursprünglichere Besitzerin, ist nach und nach veidrängend wieder eingetrelen; die Treulosigkeit und Habsucht des türkischen Regimentes, demRe. re" überhaupt nichts als ein Mittel zu Erpressungen und Chikanen sind, hat den Streit zwischen beiden Kirchenparieien schadenfroh (und wo hätte der Vater aller Schadenfreude sie lieber auslassen sollen, als gerade an diesen Stätten) immer erneuert und wachgehalten. Louis Napoleon, der i ernste improvisine Regent ier Franzosen, hatte, um sich als Beschützer der Kirche zu zeigen, dem Sultan plötzlich einen 'wenigstens den neuesten Besitzstand angreifenden Ferman zu Gunsten der Katboliken abgedrückt. Es war dies ein. Stück" jener stoßweisen, reget- und rücksichtslosen Kolitis, wie sie Frankreich überhaupt nur auszuüben ver­mag und wie es sie gegen die Türkei schon mehrmals auSgeÜbt hatte. In 'dieser Frage erhielt Rußland Genugthuung, Frankreich schien die kleine Schlappe, ruhig rinzullecken, und es ist nicht riet Frage, die wettern An­laß zur Verwickelung gegeben hat, sondern die zweite.

Daß Rußland aus dem vorigen Jahrhundert Hrr