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Hersfclder Anzeiger.

NP. 82. Hersfeld, den 14, Oktober. 1854»

Der »HerS selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- dition (Neumarkt Ro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag chinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Sociale Gedankenspähne.

Familie, Genossenschaft, Gemeinde bilden die Grundlagen des Staats. Durch Aufhebung der Erb- uNtcrthänigkeit ist die Familie (im weiteren Sinn), durch die Gewerbefreiheit aber die Genossenschaft be­seitigt. Die Gemeinde besteht noch wenigstens dem Namen nach, der Gemeinsinn fehlt sehr häufig,'denn die Gemeinde ist zwar noch nicht aufgehoben, steht jedoch in der Luft, da ihre Grundlagen, Familie und Genossen­schaft, fehlen. Der Familie und Genossenschaft ist die Polizei als Haupt octroyirt und da dieserVater" nicht die Mittel hat, seine zahlreichen, sich maaßlos ver­mehrenden Kinder zu ernähren, so erachtet er es beque­mer, seine Sorgen der Ge'ineinde aufzubürven. Dies die Entstehung ves Proletariats! Man hatte nur die ma­teriellen Vortheile, nicht aber die moralischen Nachtheile jener aufhebenden Gesetze erkannt und die Macht des Familienrechts (im engern Sinn) überschätzt. Jetzt, wo die Entsittlichung in entsetzlicher Weise überhand nimmt, möchte man dem Uebel steuern. Aber wie? Man ar­beitet an Stamm uno Zweigen, aber nicht an der Wurzel.

Der größte Nachtheil, welcher Eltern und Kin­der, die einander in der Noth verlassen, jetzt trifft, ist: Erblosigkeit d. h. gerade herausgesagt: Nichts! bet den Klassen, aus denen das' Proletariat hervorzu- gehen pflegt, die Regel, denn wo nichts ist, va ist auch nichts^zu erben und, zum Versorgen die Gemeinde da. * _ trüber konnte und durfte nur der einen eigenen Heerd gründen und sich niederlassen, der sich über die * o ^W auszuweisen vermochte. Dafür sorgte auf ter Gutsherr, in der Stadt die Genossen- imast. Für den, verschuldet oder unverschuldet, in seiner ^uruckgckommenen mußten Gutsherr und Genossen- Ichast emtretcn, das Proletariat war und blieb unbekannt.

^St-gelten zwei gesunde Fäuste als Vermögen. Für das Arbeit will und findet, möchte das ausrelchen. aber auch für eine Familee?

j^' tie Familie mit einer Noth- sebon h', ^ .m-u L geheirathet werden. Ist

;ur ^f'"H'^"lommcn beschafft und das Nothwendigste das ""^ Hausstands vorhanden, so gehört obne Va7, tanzenden Ausnahmen. Wenn die Braut Wnbn§I ^ und, ^" öcr ^m Altar, in der Pfarr- -Wohnung getraut wird, so ist das leider kaum noch

, ehrenrührig. Glücklich, wenn eine so zusammengckom- meneFamilie" ohne Schulden beginnst, dann reicht der Erwerb wenn es nämlich stets Arbeit giebt, nicht bloß zum Unterhalt, .sondern auch wohl zu einem SparpstB nig hin. Dies aber ist leider wieder die Ausnahme! In der Regel beginnt die Familie mit demBankerutt, daher Bettelei, Diebstahl, Lug und Trug an der, Tagcs- Ordnung.

Die Kinder wachsen bis zur Schulpflichtigkeit auf- sichtlos. Die Schule wird als eine Last betrachtet, welche die Ausgaben vermehrt, der Schullehrer in der Zucht der Kinder durch die Eltern nicht rchterstü^t, der Confirman» den-Unterricht nach Möglichkeit beschränkt und der Tag der Einsegnung als ein Momen^fefeierst wo die Eltern die Kinder los werdend. h. vermicthen'können, und das Familienband ist gelöst! 4-'

Was Lchullehrer und Prediger nicht vermocht haben, das soll nun Lehrherr und Dienstherrschaft nachholen, d. h. Die Kinder erziehen. Unvankbares Geschäft! Ach­tung vor fremden Eigenthum bringen die Kinder selten mik Denn woher das, was sie den Eltern in die Wirthschaft gebracht, kommt, darnach wird nicht gefragt. Der Fleischeslust wird gestöhnt und das goldene Kalb angcbelct. Geld muß man sich machen, auf welche Weise? gleichviel!---

Daher nichtsnutzige Lehrlinge und zuchtloses Gesinde.

Will niemand mehr solch Gcsindel nehmen, dann entsteht die Frage der Orls-Angehörigkeit. Ist die- Heimath ermittelt, so mag die Gemeinde oder Guls- Herrschatt sehen, was sie damit anfangs, die Familie sieht gelassen zu.

Darum stellt die Familie wieder her! Zwinge man die Familie, Eltern, Kinder, Geschwister, wie man statt deren jetzt die Gemeinde zwingt, sich ihrer be­dürftigen Mitglicoer zunächst anzunehmen, dann ist die Möglichkeit gegeben, die Familie, so wie Zucht urb Sitte in ihr wicdcrhcrzustellcu.

Seine Königliche Hoheit ber Kurfürst haben allergnädigst geruhet:-

dem Pfarrer Conrad Rothfuchs in Schenklcngsfeld Die erledigte Pfarrei Sand in der Klasse Gudensberg, und dem außerordentlichen Pfarrer Rudolph Heußne'r auS Rinteln die erlevigte Pfarrei Ottrau in der Klasse Reukirchen zu übertragen, sowie den praktischen Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer Dr. Am and Rehm in Kirchhain zum Phpsikus und AmtSwundarzt zu Brotterode provisorisch zu bestellen.