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Hersfelder Anzeiger.

N^ 80. Her-feld/ den 7. Oktober. 1854.

DerHerSfeldtr Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Erpe. bitten (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Szr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Eagesvegevenheiten.

t Hersfeld, 6. October- Die auch von uns ge­brachte Nachricht von der Einnahme der Festung Sebastopol, der Abführung der Russischen Flotte re. durch die Alliirtcn hat sich bis jetzt noch nicht bestätigt. Wir hatten diese Nachrichten derKasseler Zeitung" ent­nommen, deren Redacteur übrigens, HerrWilh. Ober- müll er,. den Schauplatz seiner türkenfreundlichen 'Thä­tigkeit hat verlassen müssen.

Eine telegraphische Depesche aus Wien, eingegangen zu Frankfurt am 4. October Mittags um halb 2 Uhr meldet aus Konstantinopel vom 25. Sept. nach derOesterreichlschen Korrespondenz" das Ge­rücht vom Falle Söbastopvls sei falsch; die Verbündeten in der Krim hätten Mangel an Kavallerie: die Gefechte mit den Russen seien hartnäckig: die asiatische Armee be­finde sich in übelm Zustande.' Feldzeugmeister Heß war'am 2. d. M. zu Jassy eingetrossen-

Telegraphische Nachrichten aus Kopenhagen vom 3. d. M. Abends melden, daß zu Styborg und Helsingör Befehle an die französischen Kriegsschiffe eingetrossen sind, vorläufig in der Ostsee zu bleiben. ' '

Der Hamburger Korrespondent meldet aus Kopen­hagen, das Volksthing habe, dem Vernehmen nach, bevor es zur Ministeranklage schreite, eine Adresse an den Kö­nig in Berathung genommen; am 3. d. M- sollte pie Schlußberalhung darüber stattfinden.

Der Inhalt der gestern Abend gleichzeitig zu Ber- lin, Frankfurt, Hamburg rc. aus Wien, Triest, Athen, Parts, Madrid :e. telegraphisch gemeldeten ^Nachrichten ist folgender:

Wien, 4. Oktbr. Koch keine offizielle Bestäti­gung der Einnahme Sebastopol, die jetzt stärkstenS be­zweifelt wird. Der Felvzeugnmstcr s. Heß ist am 2

zu Jast'^ eingezogcn, und die Moldau von den österreichischen Truppen besetzt.

, W'h ^El. Nachrichten aus Konstanti- Mel vom.£3. Sept. besagen, es seien dort sechs Dampf- Ichssfe mit Verwundeten ängekommen; das falsche Ge­rücht von der Einnahme'Sebastopol habe uiedersckssagcnv gewirkt; vielmehr habe man in der Krim bedeutende BertheidtgungSanstalten angetroffen, und sich überzeugt, oast man Rußlands Verfheldigungskratt unterschätzt hatte.

Aus Trapezunt vom 16. Sept. wird der Triester Zeitung gemeldet, daß General Andromikoff sich in Osurgethi be­festige und im türkischen Lager die Desorganisation ein- reiße; die russischen Posten waren bis zur persischen Grenze - vorgeschoben-; eine Karawane von 3000 Pferden war wie­der von den Russen aufgehoben und nach Erivan abge- sührt. .Aus Athen vom 29. Sept. meldet dieTrie- ster Ztg." daß die Franzosen Petessta und die äußere Stadtlinie besetzt und einjährige Mielhkontrakte abgeschlos- * sen haben. Man erwartete eine Ministerveränderung.

Amtliche- Bekanntmachungen.

Nach einer Bekanntmachung des Großherzogl. Säch­sischen. Staats-Ministeriums, Departement des Innern zu Weimar vom 11. v. M. zeigt sich unter dem im lau­fenden Jahre in der vasigen Gegend erbauten Roggen das s. g. Mutterkorn in so ungewöhnlicher Menge, daß jene Landesbehörce zu polizeilichen Maaßregeln gegen den Verkauf des mit Mutterkorn verunreinigten Roggens auS Gesunvheits-Rücksichien sich veranlaßt gesehen hat.

Es wird dieses den Ortsvorständen im Kreise zur Veröffentlichung in ihren Gemeinden und Bedeutung der Bäcker in denselben unter Beifügung einer Beschreibung dieses s. g. Mutterkorns hierdurch mit der Auflage be­kannt gemacht, auf das aus dem Großherzogthum Sach­sen-Weimar eingcführt werdende Korn ein besonderes Augenmerk zu haben und in geeigneten Fällen sofort dahier Anzeige zu machen.

Hersfeld, am 4. October 1854.

, Kurfürstliches Landrathsamt. Muffarth.

Beschreibung Des f g Mutterkorns.

Mutterkorn, Rankkorn, Kornmultcr, eine Krankheit des Roggens, welche mit dem Waitzenbrande einige Aehnlichkeit hat und auch bei anderen Grasarten ver­kommt. Einzelne Körner in der Roggen-Aehre schwellen zu einer ungewöhnlichen Größe an, haben aber keinen Keim. Diese Körner sind bleich, mehr ober weniger stahlgrau oder schwärzlich, inwendig bald weiß, bald grau und ebenso auch bald geruch- und geschmacklos, bald mit einem Übeln, widrigen Geruch und Geschmack versehen. Da diese Krankheit unter so verschiedenen Erscheinung«, vorkömml, so hat man bis jetzt ein gut- /