Hersfelder Anzeiger.
Rp^ NN. Hersfeld, den 27. September. 1854.
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Es -üvfte unsern Lesern
eben so ergehen wie uns, nämlich, daß sie das lebhafte Verlangen hätten, sich endlich einmal wieder mit etwas Anderem zu beschäftigen, als immer und immer wieder mit orientalischer Frage. Zur Abwechselung. haben wir deshalb eine Frage gewählt, welche das öffentliche Interesse, wenn-auch vielleicht augenblicklich weniger in Anspruch nimmt, doch nicht weniger verdient, als die Türkei mit allen ihren eigennützigen und uneigennützigen Freunden. Nur zu oft ‘ist in diesen Blättern auf die Gefahren hingewiesen, mit denen der in riesigen Dimeu- jioncn anwachsende.Pauperismus die gesammle Europäische StaatS-Ordnung bedroht, und daß hier, wie nirgend anders, eine wahrhaft Europäische Frage und der verhängnißvollste Kreuzzug christlicher Civilisation gegen antichristliche Barbarei inmitten sei. Leider aber hat die scheinbare Ruhe auch die Besten wieder eingelullt, und man hat sich deshalb^im Allgemeinen darauf beschränkt, der Noch durch neue Steuern und der Unzufriedenheit durch polizeiliche Ermahnungen abzuhelsen.
Nichtsdestoweniger verdrießt es uns nicht, diese Frage immer wieder in den Vorvergrund zu drängen und von Neuem — wie wir uns schon oft bemüht — in das Licht zu stellen, daß die bisher versuchten Mittel das Uebel nothwendig verschlimmern.müssen. Nicht daß wir unsere Leser mit einem statistischen Nachweis der ganzen Summe der vorhandenen Noth und Hoffnungslosigkeit ermüden und ängstigen wollen, — die Armen-Budgels der Com- , munen, die Noth- und Angsirufe der Armen wie.der Reichen überleben uns jedes nähern Commentars. Was uns hier beschäftigen soll, ist der principielle Nachweis, daß die gesetzliche Armenpflege, wie sie gegenwärtig gehandhabt wird, vergeblich und mit nach- thkiligen Folgen zu ersetzen uNd wieder gut zu machen suche, was bei der Entwickelung sehr verschiedener gesellschaftlicher Verhältnisse und bei der Wahrnehmung sehr abweichender Pflichten versehen worden ist.
In der gesetzlichen Armenpflege, wie man sie jetzt als Universal-Heilmittel empfiehlt, werden die Pflichten, welche aus dem Verhältniß der Familie,
aus dem der Genossenschaft, aus dem des Dienstes, aus dem des Sta atsverb a nd es und aus dem der kirchlichen Gemeinschaft entspringen, zusammen- faßt und, soweit dies eben möglich oder unmöglich ist, zugleich erfüllt. Dies führt nothwendig zu einer Verwirrung und Auflockerung aller dieser Verhältnisse und gesellschaftlichen Bande, uno es ist unmöglich, die schon vorhandene Verwirrung und Auflösung durch deren Fortsetzung zu heilen. Will man die sociale Ordnung wieder befestigen und einer gesunden Entwickelung zuführen, so muß man die oben angeführten verschiedenen Gesichts- punkle, von welchen aus dem Bedürftigen Hülfe gewährt wird, trennen und jedem Verhältnisse, oder vielmehr den daraus entspringenden Pflichten, eine besondere, ihrer eigenthümlichen Natur entsprechende Behandlung ange- dechen lassen. Eine andere Behandlung erfordern die aus der Familie, eine andere die aus der Genossenschaft, eine andere die aus dem Dienst-Verhältniß, eine andere die aus Rücksichten der allgemeinen Sicherheit, wiederum eine andere die auS der kirchlichen Gemeinschaft entspringenden Pflichten. An die Stelle der gesetzlichen Armenpflege, wie sie heute besteht, muß daher ein System verschiedener Maaßregeln und Einrichtungen treten, welche — wenn schon in einem innern Zusammenhänge — doch jede,ihr eigenes Organ und ihre eigene Entwickelung haben. (N. Pr. Ztg.)
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Rentier Joseph Max Trebisch zu Wien zum Kurfürstlichen Konsul daselbst zu ernennen.
LageSbegebenheiten.
Wien, 19. Sept. Der hiesige St. Severinus- Verein, als derzeitiger Vorort der General-Versammlung Deutscher Katholiken- Vereine, hat, da die diesjährige Versammlung in Köln nicht stattfinden kann, zur- Förderung und Beschleunigung dieser Angelegenheit, von einem ihm zustehenden Rechte Gebrauch machend, den