Hersfelder Anzeiger.
Np. N4. Hersfeld/ den 16. September. 1854.
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Verordnung.
vom 7. September 1854,
die Herabsetzung der Uebergangs-Abgabe vom Branntwein betreffend.
Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm der Iste, Kurfürst rc. rc.
verordnen, auf den Grund der mit den übrigen Regierungen des Zollvereins getroffenen Vereinbarung, nach Anhörung Unseres Gesammt- Staatsministeriums und unter Hinweisung auf die im §. 13 des Zollgesetzes vom 28sten December 1837 erwähnte landstündlsche Zustimmung wie folgt:
Die im S. 2 des Gesetzes vom 3lstcn October 1848 auf sechs Thaler acht und zwanzig Silbergroschen acht Heller für die Kurhessische Ohm bestimmte Uebergangs- Abgabe von dem aus den Zollvereinsstaaten sowie aus der Grafschaft Schaumburg und der Herrschaft Schmal- kalden nach Kurhessen (mit Ausschluß dieser beiden Bezirke) übergehenven Branntwein wird vom 1sten October v. 3- an auf vier Thaler zwanzig Silbergro- schen für die Kurhessische Ohm zu 50 Procent Alkohol nach Tralles herabgesetzt.
Alle, die es angehet, haben sich hiernach zu achten.
Urkundlich Unserer Allerhöchsteigenhänvigen Unterschrift und des beigedrückten Staatssiegels gegeben zu Gaffel am 7ten September 1854.
Friedrich Wilhelm.
Vt. Hassenpflug. Vt. Volmar. -Vt’. v. Haynau.
Vt. v. Baumba.ch.
Seine Äönialict>e Hoheit der Kurfürst haben allergnadlgst geruhet:
den Obergerichts - Referendar Ludwig Eberhard von Ha- nau zum ObergerichtSanwalte in Fulda zu bestellen.
EageSvegebenheiten.
W i e n. — Dem Vernehmen nach werden einige Oesterreichische Aerzte in verschiedene von der Cholera
heimgesuchte Gegenden des Auslandes im RegierungsAuftrage abgehen, um Beobachtungen dieser Krankheit zu machen.
Wien, 9. Sept. Die Rüstungen sind noch immer nicht eingestellt. Die Armee an der Ostgrenze erhält noch fortwährend Nachschub; die Truppendurchzüge nach G a l i - äffen und Ungarn sind zwar nicht mehr so häufig als in den letzten Monaten, haben aber keineswegs gänzlich aufgehört. Dasselbe gilt von Artilleriegut, von Muniti- ons-Sendungen und von umfassenden' Maaßregeln für die Verpflegung der Armee. Außerordentlich stark ist der Stanv der Cavallerie und Artillerie bei der 3. und 4. Armee; beide Heereskörper haben, glaubwürdigen Nachrichten zufolge, nach ihrem gegenwärtigen Etat' mehr als 80,000 Pferde.
Berlin, 12. Septbr. Dem Vernehmen nach hat in diesen Tagen der Generalpolizeidirektor die Bäcker Berlins versammelt und ihnen in Folge der vielfach laut- gewordenen Klagen erklärt, daß wenn das Brod nicht alsbald ein den billigeren Fruchtpreisen entsprechendes Gewicht erhalte, täglich 25,000 billigere Brode von außerhalb beschaffen und verkaufen lassen werde.
BreSlau, 9. Seplemb. sZur Ueberschwem- mungZ Die Fluchen treten immer mehr zurück und an nur einzelnen tiefgelegenen Stellen unserer Feldmarken ist noch stagnirenbes Wasser zu bemerken. Ist somit die Wassersgefahr als solche wohl als beseitigt anzusehen, so treten die schrecklichen Verheerungen der furchtbaren Ucberschwemmung erst jetzt recht zu Tage. Von dem Schaden an öffentlichen Straßen, Brücken und namentlich Dämmen ganz abgesehen, sind die Verwüstungen der Privatgebäude und der Aecker wahrhaft entsetzlich. Die Feldfrüchte, die noch nicht genutet waren, sind fast ganz vernichtet, namentlich die Kartoffeln, die an den meisten Orten vom Wasser ausgesputl und bereits angefault sind, und der pestilenzialische Geruch von diesen verfaulenden Felvsrüchten beginnt seine nachtheiligen Folgen auf die Gesundheit zu äußern. In den umliegenden überschwemmt gewesenen Dörfern grassiren bereits heftige Fieber mit typhösem Charakter. Die Bestellung der Wintersaat wird leider auch nur noch an wenigen Orten möglich sein. Die Unterstützungen von nah und fern fließen in reichem Maaße; hier in Breslau sind für die