Hersfelder Anzeiger.
sr*. AA. HerSfeld, den 13. September. 1854»
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LageSvegevenheiten.
K a f s e l, 6. September. Generallieutenant von Kaltenborn, welcher vor vier Tagen in einem hoffnungslosen Zustande von Wildbad plötzlich hierher zurückgekehrt war, ist gestern Mittag gestorben.
Wien, 7. Sept. Fürst Gortschakoff hatte gestern abermals eine längere Conserenz in dem Ministerium des Auswärtigen, und soll bei dieser Gelegenheit betreffs der von Sr. Majestät dem Kaiser Nicolaus befohlenen Räumung der Fürstenthümer die befriedigendsten Eröffnungen gemacht haben.
Berlin, — Dem Vorgänge der Regierung ju Königsberg mit einem Erlasse, nach welchem denMigen Wirthen, welche fortfahren, Brantwein auf Borg zu verabfolgen, die Erlaubniß zum Brantwein -Ausschank entzogen werden soll, wird man seitens mehrerer anderer Bezirks-Regierungen folgen, und stehen ehestens gleiche Erlasse in den verschiedenen Provinzen zu erwarten.
Breslau, 7. September. Der ehemalige Bank- Assistent Sachs, welcher in der hiesigen städtischen Bank 12,100 Thlr. unterschlagen, diese -Unterschlagung durch - Fälschung von Urkunden verdeckt und demnächst nach Amerika in Gemeinschaft mit dein Commis Menzel entflohen war, ist nach einer heut eingegangenen Nachricht zu New-Iork in der Nacht vom 22. zum 23. v. M. verhaftet worden.
Groß-Glog au, 3. September. ZudenUeber- schwemlnungcn erhält die N. Pr. Ztg. von dem Kö- »mgltchen Landrath des Glogauer Kreises folgende Schil- derung: Die furchtbare Ueberschwemmung, von welcher die Provmz Schlesien in der letzten Hälfte des August heimgesucht wurde, hat auch den Glogauer Kreis hart und schwer betroffen. Vier Dammbrüche fanden in demselben am 24- und 25. August d. J. statt. Noch heute gleicht die Oder-Niederung im Osten und Westen von Glogau rmem Wellenlängen und breiten See. Dreißig Ortschaf- ten stehen ganz, viele andere zum Theil mit ihren Feldmarken unter Wasser, eine Fläche von mehr als drei Quadratmellen mit einer Bevölkerung von 8000 Seelen . von dem Unglück betroffen. - Die Noth, das Elend unter den Bewohnern der überschwemmten Ortschaften $ entsetzlich. Das Wasser überfiuthele ihre Wohnungen, lief zu Thüren und Fenstern aus und ein, und
stand an manchen Orten bis unter das Dach. Auf dem Boden deS Hauses mußten die Unglücklichen Schutz suchen vor den hereinbrechenden Wogen, beständig'der Angst preisgegeben, mit den unterspülten Gebäuden in die Fluthen zu versinken. Tagelang mußten sie jeder warmen Speise entbehren, da das Wasser den Ofen in der Stube zerstört, den Heerd in der Küche überflutet hatte und das Strohdach auf dem Boden kein Feuer gestattete. Das Brüllen des in den Ställen tief im Wasser stehenden Viehes vermischte sich mit dem Jammer der Menschen. An andern Orten hatten die Bewohner beim Einbruch der Fluthen mit ihrem Vieh die Flucht ergriffen, und auf einer nahen Anhöhe Tag und Nacht unter freiem Himmel zubringend, mußten sie Hab und Gut den wilden Wogen überlassen. Die Verheerungen, welche das Wasser angerichtet, sind furchtbar. Die schöne, reiche Ernte dieses Jahres ist theilweise vernichtet. Das Getraide, welches sich noch - auf dem Felde befand, namentlich Weizen, Hafer und Gerste, ist fortgeschwemmt. Kartoffeln, Rüben und anderes Grünzeug unter dem Wasser sind ganz verdorben; die fruchtbarsten Felder verschlammt und versandet. Auch ein großer Theil der bereits eingebrachten Ernte ist in den mit Wasser angefüllten Scheunen verdorben; das Getraide hat sich durch die Nässe erhitzt und geht in Fäulniß über. An Futter für das Vieh mangelt es gänzlich, und die unglücklichen Ueberschwemmten sehen einer trostlosen Zukunft entgegen. Viele Wohn- und Wirthschafts-Gebäude sind bereits eingestürzt; vielen andern droht noch der Einsturz. -Besonders hart betroffen - sind die Ortschaften: Glogowitz, wo fast sämmtliche Dominial-Gebäude, Mühchau, wo viele Wohnhäuser fortgerissen wurden und dessen Bewohner mit ihrem Vieh auf einer Anhöhe imWalve campiren; Wo tschau, dessen Häuser messt bis unteres Dach im Wasser standen; Zerban und skeyben, die, den Dammbrüchen zunächst gelegen, den heftigsten Andrang der Fluthen aus- zuhalten hatten. — Noch lassen sich die angerichteten Verheerungen nicht ganz übersehen,, aber das Unglück ist grenzenlos. Der Blick in die Zukunft ist sehr trübe; viele Wohnungen der ärmeren Klasse sind kaum bewohnbar geblieben und drohen den Einsturz und Krankheiten aller Art stehen als unausbleibliche Folgen zu erwarten; so droht auch der Mangel an Kartoffeln, so wie der