Hers selber Anzeiger.
Np. VV HerSfeld, den 2. September. 1854.
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Rückblicke auf -aS Jahr 1812.
IV.
Die Katastrophe.
Als Buonaporte am Morgen des 26- October die Armee aus der Gegend von Malo Jarosläwetz nach Borowsk maischsren ließ, war der Rückzug durch den gänzlich verwüsteten Landstrich längs der Hauptstraße entschieden. Damit zugleich der Untergang deS Heeres. Freilich mißt er benleiten lediglich der Kälte bei, und. versichert, daß nach der Erfahrung von zwanzig Jahren der November höchstens 6 Grav unter dem Gefrierpunkt bringe. Jedenfalls eine vorsätzliche Unwahrheit, denn vierjährigen Beobachtungen zu Moskau gemäß ist im November der durchschnittliche Thermometerstand — 3g, weßhälb siebenzehn Grad Kälte an einzelnen Tagen nicht eben überraschen. Dieser Kältegrav trat wirklich am 12. und 13. November ein, dann'folgte gelinderes Wetter, und als man die Beresina erreichte, war der Fluß, ungeachtet seines geringen Falles, nicht zugefroren, sondern trieb nur Eisschollen. Tödlend war die Tempera-- 1ur erst einige Tage später, indem das Thermometer am 5. December 18, an den folgenden zwei Tagen 25 und 27, während der Nacht zum 9. 28 Grav unter Null zeigte. Dabei darf indeß nicht unbemerkt bleiben, daß nur ungefähr ein Sechstheil des nach Moskau gekommenen Heeres von diesem ElendHeimgesucht ward; der ganze Ueberrest war bereits todt oder gefangen.
Hieraus geht deutlich hervor, daß vorzugsweise Mangel und Strapazen die verbündeten Streitkräfte aufgerieben haben. Wenn der Soldat, selbst bei nur mä- ßiger Kälte, allnächtlich im Freien lagern muß, der che- ^ lebenden Getränke, des Brodes, sowie aller gewohnten Nahrungsmittel entbehrend, und lediglich auf das Fleisch gefallener Pferde angewiesen, so wird er unfehlbar bald erliegen^ Genau dasselbe Ergebniß zeigte sich bei den zwei unweit Polotzk stehenden Heerlheilen, welche (nach Abzug der Entsendungen) 64,000 Mann stark den Riemen überschritten, und seitdem eine geringe Verstärkung erhalten hatten. Am 15. Setober, also zu einer Zeit wo von starkem Frost noch keine Rede war, zahlten sie nur noch 18,179 Mann unter den Waffen. >
Jenseit der Beresina verließ Buonaparte bald die Armee, woraus wir ihm keinen Dorwurf machen, weil
er derselben nicht helfen konnte und in Paris nützlicher war. Widerwärtig ist dagegen die gemeine Lügenhaftigkeit seiner Behauptung: Wilna hätte bet besseren Anstalten Murai's -- welcher das Ober-Commanvo erhalten — behauptet werden können. Diesseits des Riemen gab es keine Ruhestätte für die beklagenswerthcn Trümmer, und bei einem anderen Gegner als Kutusow hätte kein Mann den Grenzfluß wiedergesehen.
Letzteres wäre leicht zu erweisen, wenn die Maaßregeln des Generals von Karmins bis Wilna genauer betrachtet würden. Das unterbleibt hier jedoch, als dem Zwecke der vorliegenden Aufsätze fremd; wogegen einige Sätze Platz finden mögen, die daraus a bzuI e itett und von hoher Wichtigkeit sind.
Bereits im Jahre 1812 waren nach Buonaparte'S Urtheil sechsmal hunderttausend Mann nothwendig, um Ruß land im Innern mit Erfolg zu bekämpfen. '
Eine so starke Armee, wenn auch auf verschiedenen Kriegstheatern vertheilt, kann dort mittelst des Requisitions- SystemS nur kümmerlich unter der Bedingung leben, daß sie nirgend lange verweile. Anderer ScitSist'das System der regelmäßigen Magazin-Verpflegung für den Vorvrin- genden unanwendbar, selbst wenn er einen mehrjährigen Krieg führen wollte, und sich deßhalb immer mit der Eroberung mäßiger Strecken begnügt.
Mit dem Gewinn Moskau's (gegen Petersburg wird schwerlich Jemand operiren) ist nur wenig erlangt, wenn der Beherrscher Rußlands dabei beharrt, vor der Räumung des Reichs keinen Frieden anzunehmen. Und diese Beharrlichkeit ist, wegen der räumlichen Verhäl- nisse, nur dort möglich.
' Muß das feindliche Hexr ohne Friedensschluß den Rückweg antreten, so benutzt es entweder etue andere Straße als vorher, oder die Nothwendigkeit tritt ein, auf der früher eingeschlagenen-abzuziehen. ‘ Ersteren Falles machen sich ungefähr dieselben Schwierigkeiten der Verpflegung geltend, wie während des Vorrückens; im zweiten ist das Verderben der Armee unvermeidlich. NPZ.
Eagesbegebrnheiten.
'Wien. — Die Truppenzüge nach Galizien dauern noch immer fort und waren nur 12 Stunden in Folge der in den letzten Tagen vorgekommenen Elementar-Er-