Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Anzeiger.

^ 69> HerSfeld, den 30, August. 1854»

Der »Hers felder Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Erpe- dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der 'Kurfürst haben allcrgnävigst geruhet:

den Obersten und General-Adjutanten von Loßberg zum Generalmajor zu ernennen.

Seine- Königliche Hoheit der Kurfürst haben dem Prinzen Luitpold von Agiern Königlichen Hoheit, den Kur­fürstlichen goldenen Löwenorden verliehen.

Ausschreiben des Gesammt- Äams- Mir nisteriums,

vom 24steu August 1854.

Nachdem durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten für die Dauer der Abwesenheit des General-Lieutenants von Kaltenborn, Commandeur der Infanterie-Division, welcher,durch Allerhöchste Verordnung vom 19ten Januar d. I. zum Oberbefehlshaber ernannt worven,

General-Major von Bardeleben, Com- wanveur der Cavallerie-Brigade, , bis auf weitere Verfügung mit den Geschäften des Ober­befehlshabers beauftragt worden ist; so wird dies zur allgemeinen Nachachlung hierdurch bekannt gemacht. Cassel, am 24sten August 1854.

, Kurfür stlichcs G esammt-S taats- M i n i st e r i u m. Hassenpflug. Volmar. v. Haynau. Für den Ministez des Hauses, 1 und des Aeußeren: ch. Meyer.

vt. L otz. ,

-kvli^e auf das Jahr 1813.

in.

Moskau.

Ohne ernstlichen Widerstand mußte die erste Russische Westarmee vor der großen Ueberzahl des Feindes in

Lager von Drissa zurückgehen. Hier ergab sich alsbald die bodenlose Unhaltbarkeit des Phull'scheu Planes, unangenehme Erörterungen fanden statt, und

Kaiser Alerand er faßte den Entschluß, das Heer zu verlassen. Barclay's weiter Rückzug nach Smolensk war durchaus unfreiwillig, wegen des Mißverhältnisses der gegenseitigen Streitkräfte, und weil daselbst dieVer- "einigung mit der zweiten Westarmee zu hoffen stand. Die dort gelieferten höchst mörderischen Gefechte darf man als eine Concession an die Stimmung des Heeres betrachten, welches, über das bisherige Weichen erbittert, zu schlagen verlang'e. Piernachst trat wiederum eine ebenso gebieterische Nothwendigkeit wie bei Drissa ein, und höchst wahrscheinlich hätte die Bewegung von Smo- lensk bis Borovino auch ohne den Berlin-Petersbur­ger Operations-Plan.stattgesunven. Daß der Nachtrab fast gänzlich den Gegnern durch Geschützfeuer möglichst viel Schaden that, ohne sich auf etwas Ernstliches ein- zulassen, ist einfach sachgemäß.

Kutusow, inzwischen an die Spitze des Heeres getreten, mußte die Schlacht von Borovino liefern, weil Moskau dem Feinve nicht ohne Schwertschlag überlasten werden konnte. Uebervies war die beabsichtigte Ausglei­chung der gegenseitigen Streitkräfte so ziemlich cingetre- ten, denn das Französische Heer zählte nur noch 133,000*), vaS Russische 121,000 Mann nebst zehn- tausend Milizen. Hätte der Anführer des letzteren die unbeschreibliche Tapferkeit und Ausdauer seiner Soldaten zu benutzen gewußt, so war der Sieg wahrscheinlich. Allein Kutusow's Anstalten vor der Schlacht blieben unter dem Mittelmäßigen, und während derselben verhielt er sich vollkommen passiv. Sogar- ben vielgepriesenen Flankenmarsch von der Straße nach Rjagan aus die sg. alle Kalugarn hat er nicht angeordnet, sondern sich ab­dringen lassen.

Eine angebliche Aeußerung Buonaparte's, die seim Secretair berichtet, wird als Stutze der kindischen Ansicht benutzt, daß er in Sinolenök hätte Halt machen sollen. Es kommt wenig darauf an, ob er Aehnliches hingeworfen, da seine Handlungen ganz entgegengesetzt waren, denn alsbald ging der Zug gegen Moskau wei­ter. Vollkommen dem Zwecke gemäß, denn in Moskau

*) Die dasselbe bildenden Truppentheile betrugen beim Ue- berschreiten der Grenze beinahe 280,000 Streitbare, wovon nur einige Tausend für Detachirungen abzuziehen sind. Ein Finger­zeig für alle Federhelden, die Rußlands Demüthigung als gewiß und leicht behandeln!