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Hcr5s/löer Anzeiger.

Rv «8. HerSfrld, den 26. August. 1854.

Der „Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expe- tition (Nenmarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen «ller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Rückblicke auf das Jahr 1812.

ii. _

Operations-Plane.

Man würde dem Französischen Heerführer Unrecht thun durch die Annahme, daß er die erwähnten Hindernisse nicht gekannt oder unterschätzt habe. Nie­mals sind von ihm größere Anstalten zur Verpfle­gung getroffen worden, sowohl durch die ungeheuren Lieferungen, zu denen Preußen sich gezwungen sah wie durch Ankauf in weiter Ferne. Dabei war ihm ge­wiß klar, daß die allmählig in Wiltta, Minsk, Smolensk zusammen gebrachten Vorräthe dem rasch gegen Moskau dringenden Heere nur in höchst geringem Maaße nützlich sein könnten. Jedenfalls waren sie wegen der Möglich­keit eines Stillstandes der Operationen, für die nach­rückenden Ersatztruppen und den künftigen Rückmarsch der Armee angehäuft.

Ohne Zweifel sah Büonaparte voraus, daß die Halbschied der nach Moskau bestimmten Streitmasse unterwegs zu Grunde gehen werde. Indeß reichte, was davon übrig blieb, also die tüchtigsten und stärksten Sol­daten, vollkommen aus, ihm den Besitz der alten Haupt­stadt zu sichern, und dort lag nach seiner Ansicht von dem Charakter Kaiser Alexanders der Friede. Ob diese Ansicht von Hause aus unrichtig gewesen, ob der Einfluß Steins oder einer andern noch höher stehenden Persönlichkeit den Kaiser bestimmt, kann heut wohl Nie- mand genau wissen. Auch erscheint es insofern gleich­gültig, als Rostopschins heroische That in Moskau bald jede Annäherung an Büonaparte unmöglich machte.

Ereigniß solcher Natur liegt außerhalb mensch- »"Vsr Voraussicht, und wenn es Buonäparte's ganzen Knegsplan niederschlug, ist letzterer darum noch nicht verwerflich. Dennoch wagt eine ganz unbefugte Kritik, den Heerführer darüber zü Hofmeistern, daß er sein Un­ternehmen nicht in zwei Feldzüge zerlegt habe. Ver­muthlich sollte Büonaparte, aller Orten siegreich, in der .zweiten-Hälfte des August bei Smolensk, b. i ungefähr zwanzig Märsche, von Moskau, Halt machen. Unsinn! und zwar quavrirter, weil es unmöglich gewesen wäre, zweimal hunderttausend Mann während des Russischen Imkers sicher unterzubringen und bis zum Mai des folgenden Jahres zu ernähren. — Früher schon ward

gerügt, daß er die Herstellung Polens nicht ausgespro­chen, was zumeist ein politisches Versehen sein würde, jedoch durch die Rücksicht auf Oesterreich erklärt ist. Al­lerdings war dasselbe vermeidbar, wenn im Allianz- Tractat der Austausch Galiziens gegen die Jllyri­schen Provinzen nicht bloß als möglich erwähnt, son­dern sofort festgestellt wurde. Ob aber eine noch größere Theilnahme, als die Polön ohnehin bewiesen, den Aus­gang -des Kampfes anders gestaltet hätte, muß unent­schieden bleiben und erscheint uns höchst zweifelhaft. Eher möchte auffallen, daß die Preußischen und Oester- reichischenTruppen nicht sämmtlich zur großen Armee gezogen und statt der Polen gegen V o l h y n i e n u. s. w. nur Deutsche verwendet wurden, nicht geeignet, den nationalen Enthusiasmus der Einwohner zu entzünden. Ueberdies war unzweifelhaft, daß ihr Ober-Befehlshaber, Fürst Schwarzenberg, denselben möglichst abkühlen werde, weil ein Polnischer'Aufstand längs der Galizi- schen Grenze seinem Kriegsherrn nicht erwünscht sein konnte.

Hinsichtlich desRussischenKriegsplanes wal­tet ein Verhältniß ob, beinah dem Streite um Homers Geburtsstätte vergleichbar. Mehrere erhebe» nämlich Anspruch darauf, ihn wenigstens in seinen Grundlinien vorgezeichnet zu haben, und wahrscheinlicher Weise mit vollem Recht. Unter den zu unserer Kenntniß gelangten hat der Prinz Eugen von Württemberg und sein militairischer Begleiter, Oberstlieutenant v. Wolzogen, die Priorität; ihre desfallsigen Aufsätze gehören dem Jahre 1810. Gleichzeitig oder wenig später erläuterte Scharnhorst in Berlin seinen Vertrauten die Noth­wendigkeit des langsamen, schlachtlosen Zurückweichens der Russischen Armee, sprach aber zugleich Zweifel aus, ob die Alt-Russen sich dazu verstehen würden. Ohne Zweifel gelangten seine Joeen in die Wohnung des Rus­sischen Gesaneten, wo man völlig damit einverstanden war; Clausewitz erwähnt, daß man die Sache dort da­hin formulirte, der erste Pistolenschuß- dürfe erst bei Smolensk fallen. — Ferner war der General v. d. Kne- sebeck, damals als Oberst a. D. in ländlicher Zurück- gezogenheit lebend, ganz auf dieselbe Ansicht gekommen, und erachtete für Pflicht, sie seinem Monarchen vorzu« tragen. Das hohe Vertrauen des Königs Friedrich Wilhelm beehrte ihn mit einer Mission nach St. Petersburg