Hers seid er Anzeiger.
Nr. «7. V . Hersfeld, den 23. August. 1854.
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Rückblickeauf -aS Jahr 1812.
Rußland muß zu einem „demüthigenden Frieden" gezwungen werden, darüber sind die Westmächte mit den freisinnigen Literaten Deutschlands vollkommen einverstanden. Früher mochte das ziemlich leicht erscheinen, seitdem sind Staatsmänner und Pudliessten etwas nachdenklich geworden, und sprechen bereits von der Nothwendigkeit eines zweiten FeldzugeS. Diese erkennen auch wir an, vorausgesetzt, daß man, was bisher geschehen oder vielmehr nicht geschehen, überhaupt als Feldzug bezeichnen dürfe.
Napoleon I. wollte Rußland ebenfalls zu einem demüthigenden Frieden nöthigen,, oder die Russen nach Asien zurückwerfen, wie der „Moniteur" sich emphatisch ausdrückte. Bekanntlich mißlang dies dem großen Feldherrn in wahrhaft vernichtender Weise; heut erblickt man auf Seite der Verbündeten keine einzige Persönlichkeit, die nur entfernt mit ihm verglichen werden dürfte. Unter den obenwallenden Umständen erscheint es daher zeitgemäß, die Ursachen seines Schiffbruchs nochmals zn betrachten, wobei vom Stärkeren .geschlossen werden kann, was den Epigonen bevorsteht.
Wir werden den Leser hier aber -nicht mit einer breiten Erzählung des Russischen Feldzuges heimsuchen, sondern nur die Punkte hcrvoi heben, welche auf den Ausgang desselben von entscheidendem Einfluß-gewesen, oder sonst von besonderem Interesse sind.
, I.
- Allgemeine Verhältnisse. <
Unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges erhielt die politische Lage Rußlands einen höchst günstigen Umschwung. Kaiser, Alexander ralificirie am 23. B^ni den zu Bukarest (28. Mai) mit der Pforte ge- schloflcnen Frieden, wodurch tie Donau-Armee größten« weils verwendbar wurde, wenn auch Monate bis zu ihrem Erscheinen auf dem Kriegsschauplatz' verstreichen mußten. Früher schon war die Verbindung mit der dahin zu Stande gekommen, daß gs^^Elfche Monarch chch verpflichtete, derselben den ' Besitz Norwegens durch Unterhandlungen oder Waffen- gewalt zu verschaffen. Damit erledigte sich lere Belorg- m Bezug aus Finnland; doch erscheint der ge-,
wonnene Vortheil bedeutender, als in der Wirklichkeit stattfand. Nur ein geringer Theil der in Finnland ver» sammelten Truppen hat nämlich erst später und ohne wesentlichen' Erfolg an dem großen Kampfe Theil genommen. — Mit Großbritannien wurde am 18; Juli zu Oerebro Frieden geschloffen, doch ohne den Nutzen, von welchem die heutige Welt bisweilen faselt. Vielmehr steht unzweifelhaft fest, daß die Englischen Minister nur geringes Vertrauen in Rußlands Widerstandskraft setzten, und daher zu seiner Unterstützung Anfangs soviel wie nichts thaten.
Buonoparte beherrschte damals die Hälfte unseres Erdtheils ganz unbedingt. Scheinbar unabhängig, hatte Preußen doch keine Wahl beim Herannahen deb Krisis, es mußte sich dem Eroberer anschließen, oder als Staat untergeben. Oesterreich, obwohl in geringerer Be- drängniß, that dennoch das Gleiche, weil man einen für Rußland ungünstigen Ausgang des Kampfes glaubte, und solchenfalls sich erhebliche Vortheile versprach. Ueber- dics hätte bewaffnete oder unbewaffnete Neutralität gewiß Buonoparte's Mißtrauen so erregt,,daß nach Beendigung des Russischen Krieges ein ernstes Zerwürfniß mit ihm in sicherer Aussicht stand.
Beurtheilt man die militairische Lage eines Staats lediglich nach der Kopfzahl des unmittelbar verwendbaren Heeres, so befand sich Rußland in großem Nachtheil. Es hatte an der Westgrenze 214,000 Streitbare, nicht einmal ganz vollständig versammelt, und dahinter 30,000 Reserven, biren Ausbildung noch Vieles zu wünschen übrig ließ. Binnen einigen Monaten konnten ungefähr 50,000 Mann aus Finnland unv der Walachei beziehungsweise bei Riga am Styr eintreffen. Dagegen führte Buonüparte beinahe eine halbe'Million tüchtiger Soldaten herbei, andere 57,000 waren ■ noch zurück, und überdies erreichten 95,000 Mann Ersatztruppen vom August bis November die Russische Grenze.
Dazu kommt die zersplitterte Aufstellung beim schwächeren Theile, während dieHäuptmässe des stärkeren eng vereinigt vordrang. Endlich waren auch die Verhältnisse der obersten "Leitung sehr ungünstig. Kaiser Alexander gab dieselbe bald auf, nach seinem Abgänge ' trat eine Art Zwüterzustanv ein, und als Kutusow das Commando übernahm, war das Verlangen der Altrussen erfüllt, aber ein irgend ebenbürtiger" Gegner für