Hers selber Anzeiger.
Np> 66* Hersfeld/ den 19. August. 1854.
Der »Hers feld er Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expe. ditwn (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Secretair bei dem Oberpostamtc zu Cassel in Vorschlag .gebrachten Postsccretair Ferdinand Humburg zu Frankfurt, die allerhöchstlandosherrtiche Bestätigung zu ertheilen.
Eagesvegebenheiten.
Dresden, 12. August. Se. Majestät der König Johann trafen heute Vormittag nach 10 Uhr von Wee- fenstein im hiesigem Königl. Schlosse ein. Se. Kaiser!. Hoheit der hier anwesende Erzherzog Maximilian hat heute Sr. Majestät dem König im Auftrag Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich ein eigenhändiges Beileids- schreiben Allerhöchstvesselben überreicht. Ebenso hatte der Gothaische Staatsminister v. Seebach die Ehre Sr. Majestät ein Schreiben seines Souveräns, des Herzogs von Sachsen -Koburg-Gotha, cmszuhändigcn. Heute Vormittag hat Se. Majestät ferner die eidliche Verpflichtung des gestern von München zurückgekehrten StaatS- ministers Freiherr» v. Beust vollzogen. Gestern Mittag haben Allerhöchstvieselben in Gegenwart des Ge- sammtministeriums und der beiden Präsidenten der letzten Ständeversammlung nach §. 138 der Verfassungs- urkünde die Allerhöchste Zusage wegen Aufrechthaltung der Verfassung, sowie des Inhalts der, auf die Par- tlcularverfaffung der Obcriausitz sich beziehenden Urkunde
"November 1834, ertheilt und cö ist von Allcr- hochstdenselben ein Eremplar der hierüber auSgefertigten Urkunde den gedachten Präsidenten der Kammern einge- yandlgt worden; das zweite Eremplar dieser Urkunde kTln. ^!"^'n der Oberlausitz zur Ausbewahrung im 2!rc^töc übergeben werden.
b?' ^ Nach einer über Od essa hier ein« geflangenen Nachricht vom 6. August war der Russische V:ce-AdMlral Nachimoff am 4. August mit einem großen Therl seiner Flotte von Sebastopöl ausgelaufen, hatte eine Kreuzung in der Umgebung Sebastopols vvrgenom- men und kehrte sodann in den Hafen wieder zurück, ohne 9ia.VeJnbI1^ wahrgenommen zu haben. Ein ^^ tie Nachricht von dieser Expedition nach Odessa gebrächt und strqf während der Fahrt cben- falls kem feindliches Schiff.
— Vom Asiatischen Kriegsschauplatze ist in Wien die Nachricht eingegangen, daß die Russischen Truppen unter General Wrangel bei Bajazet, am Süd- obhange des Ararat, wieder einen Sieg über die Türken erfochten haben. Der Verlust der Letzteren soll sich auf 3000 Mann belaufen, und die Sieger haben 4 Kanonen und 17 Fahnen erobert.
1 Zur Lehre und z u m N u tz e n.
So lange Menschen auf Erden und unsere Voreltern aus dem Paradiese vertrieben sind, so lange hat eS auch an mancherlei Klagen zu keiner Zeit gefehlt. Zum Trost in dieser letzten klagenreichen Zeit kann manchem vielleicht dienen, was ein Mitleser des »Volksblatts für Stadt u. Land" aus einer alten geschriebenen Chronik der Mark Brandenburg demselben miltheilt. Es heißt da:
1388 ist sonderlich' zu merken; daß damals in der Brandenburger Mark, ist das rechte Aureum Seculum, das ist die güldne Zeit gewesen, daß man ein Schaaf für 4 Wetten, eine Kuh für 5 Schilling (Lübisch) deren ein jeder 12 märkische Pfennige gegolten. 1 Scheffel Roggen für 11 Ps, eine Tonne Bier 4 Schillinge, ein Manvel Eier 4 Pfennig, ein Pfund Butter 2 Pf. und ein Tagelöhner hat zum Tagclohn 3 Heller, sowie auch Essen und Trinken bekommen.
1399. In diesem Jahre ist ein solcher kalter Winter gewesen, daß plan auf der Ostsee, von Lübeck bis an den Sund, und von dannen bis Dänemark hat zu Fuße gehen können. (Als sonderlich harte Winter werden außerdem genannt 927, 1394, 1408.)
1427 ist ein solcher warmer Winter gewesen, daß die Pfirsich- und Kirschbäume, Roggenblumen und andere Kräuter auf’ St. Nicolai geblüht haben. Daher im folgenden Sommer eine schreckliche Pest entstanden, wie wohl Pomarig u. Cattely, die Pest im 25. Jahr setzen.
1468. In diesem Jahr ist wegen res kühlen und nassen Wetters im Sommer, eine große Theuerung und Hungersnoth in der Mark gewesen.
1473 ist ein heißer und dürrer Sommer gewesen, worauf ein sehr harter und grimmiger Winter erfolget.
1479. In diesem Jahre ist ein so gelinder und warmer Winter gewesen, ohne einigen Schnee und Frost, 1 worauf ein sehr heißer und trockner Sommer erfolget.