Hrrsfelder Anzeiger.
... , u-r. —J ■ — ' 7 ■ ■ - ' -
Sr*. 65» HerSfeld, den 16. August. 1854t
Der »Hers fei der An leider" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwoch- und Sonnabends. — Preis desselben bei der Exp*. »ition (Neumarki No. 587) pro Quartal 7 S«r.^6 Hllr.; bei den Postanftalren kommt der übliche Postausschlag hinzu. .— Anzeigen «Bet Art werben ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mu 6 Killer berechnet.
Die Dcfterreichischen Interesse« werden durch den Russisch-Türkischen Krieg auf's Lebhafteste berührt, — wer wollte das läugnen? Oesterreich kann nicht wünschen, daß die Slavischen Bevöl- kerungen. an seiner Süvgr'enze noch heftiger aufgeregt werden; Österreich könlile nicht zu,geben, daß ote Moldau und Walachei Russische Provinzen würden; Oesterreich müßte auf's Dringendste da in wirken, baß die Donau ihm nicht durch Vordringen Rußlands nach Westen kennalrinst vielleicht versperrt werden sonnte. Oesterreich muß überhaupt wünschen, daß der Krieg, der sich so unmittelbar an seine Grenzen heranvrängl und dessen Rückschläge nicht bloß materielle sind, baldigst beendet werde.
Aber sind deshalb Oesterreichs Interessen dieselben wie die Interessen der Westmächte, occr richtiger gesagt, wie die Interessen Englands, mit dem Fiank- reich nur eben zur Zeit eooperirt? — Man kann nicht läugnen, daß es heut zu Tage Staatsleute giebt, Viren politi'cher Horizont nicht gerade zu unbescheidene Limen- fioneH .umspannt; aber für so einfach halten wir doch kaum irgend einen Kolitis er, daß er glauben könnte, Lord Palmcrslon wolle Rußland schwächen, damit Oesterreich gestärkt werde! Oder war es England, das für das Europäische Gleichgewicht in die Schranken trat, als Carl Albert die Lombardei dem Scepter Oesterreichs entreißen wollte? War es England, dessen mächtiges Wort'sich erhob, als die Krone des heiligen Stephan von dem Hause habsburg in das Lager der Ungarischen Rebellen ühergcfühil wurde? Run ebenso wird es auch Lord Feuerbrand sein, der allezeit Friedens,tifter, der den »Ruhestörer Rußland" bänoigt, tamtt Österreich ein stilles Leben führe, ungetrübt rmch Kostuth und Mazflni; Großbritannien wird sich einigst bemühen, daß Oesteri eich immer mehr erstarke und daß sein Einfluß und sein Handel in der Levante wachen könne.--
Ueber die Thoren! Jst'g doch, als ob die Geschichte nur dazu da. wäre, damit sie Mepscheu nichts aus ihr lernen; es ist, als ob der Gottes Finger, der die Völker lenken will, nicht mehr erkannt werden sollte, — sie müssen erst hlneinfallen in die Hände des lebendigen
Das heutige England wünscht freilich — anders als 1848 und 1849! -— mit Oesterreich sich zu alln'ren. aber nur, uai vulch Oesterreichs aft reine Ziele zu erreichen und um Oesterieich durch Losreißung von seiner östlichen AUian« aus eine schiefe Eseue zu stellen, wo kein Halt mehr ist. England verfolgt Tendenzen, die O»sten eich auf caS Entschiedenste abwnien muß, wenn es eben eine Habsburgische Monarchie bleiben will; Frankreich will die DemuchtgüngRußlands, des alten AUnrlen von Oesterreich; Rußlands Kaiser dagegen hat feierlich hin Wort gegeben, daß er Alles das in den Donaulänvern vermeiden will, was die Oesierreichi- schen Interessen »eiligen würde.
Die Reovlutivnäie aller Länder hoffen azrf Oesterreichs Büncniß mit dem Westen, und das Wiener Ca- btnet sollte trotz Spanien mno Parma sich die Hände binden lassen? Wer möchte das glauben?.' — *t*
EageSbegebenheiten.
Magdeburg, 10 August. Das hiesige Könial. Polizei-Direclorium haue u ler dem 8. Juni v. I. gegen die nete Gemeinde Mrselbst verfügt, vag die Versammlungen derselben in Zukunft nicht mehr während der Siuncen des evangelsswen Gottesdienstes statlhaben dürften. ES wurde zur Begründung dieser Versugung bemerkt, die Gemeinve chave seit der Zurücknahme ihrer Concession den Charakter einer geduldeten Religions- GeseUichafl verloren, und es fö nte also religöse Erbauung nicht mehr als Zweck ihrer Versammlungen betrachtet weiden; in Folge dessen fielen diejenigen ihrer Zusammenkünfte, welche während, des evangelischen Sonntags- Gollesvienstes staiisIiicen, unter das im §. 7 der Verordnung pom lö. Mai c. enibdütne Bei bot. Die stete Gemeinde hatte gegen diese Verfügung bei der hiesigen Königl. Regierung Beschwerde eingelegt, der Bescheid der Regierung inceß, der tn diesen Tagen ihr zugcfer- tigt worden ist, weist diese Beschwerde als unbegründet zurück. Die Gemeinde beabfiottigt jetzt eie letzte Instanz zu brschreiten. '
.Elbing, 7. August. Gestern beschlossen die Jesuiten ihre Mission an hiesigem Orte. Solos, die Ravicaletl haben trotz des Hohnes, mit dem sie die Befirebungk« der Paties verfolglen, doch nicht umhin gekonnt, die e>