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Hersfelder Anzeiger.

Nr. 59t HerSfeld, den 26. Juli. L8L4

Der »HerSfelder Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- dition <Neumarkt No. 5Ü7) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den PSstanstalien kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Welcher Wechsel!

Binnen nicht voll vierzig Jahren welcher Wechsel der Erscheinungen aus der politischen Bühne! Im Juli 1815 Napoleon I. auf demBellerophon" Kriegsgefan­gener und äußerst erbittert über das treulose Albion, welches nicht so einfältig sein will, ihn als Gast will­kommen zu heißen. Im Juli 1854 Napoleon III. feier­lich am Bord desHannibals" empfangen, des Flag- gen^chiffs einer Brit-ischen'Flotten-Abthrilung, die Fran­zösische Landtruppen nach der Ostsee überführen soll. Letzterer Umstand ist allein schon ein merkwürdiger, selbst in unserer konfusen Zeit; kelterten des Lagers von Boulogne auf Englischen Schiffen!

Auch chat sich der ehrliche Michel desselben sogleich bemächtigt und sieht darin mit Entzücken eine Bürgschaft für die Unauflöslichkeit des Britisch-Französischen Bünd­nisses. Außer Stande, die Angelegenheit so feierlich zu nehmen, sind wir doch damit einverstanden, daß beim künftigen Ausbleiben der Schiffe die Lage des Erpeeiti- onscorps mehr als unangenehm werden könnte. _ Uebri- gens erklärt sich die sonderbare Erscheinung einfach ge­nug:, man hat freilich etwas spät entdeckt, daß ohne Landtruppen in der Ostsee nichts auszurichten sei. Groß­britannien kann dieselben nicht liefern, Frankreich ver­mag es, besitzt aber keine Schiffe zum Transport, und da ultra posSe nemo obligater, so liefert jeder Staat waS er eben hat. Vielleicht meinen die Halbmondmänner, hier spreche die heimliche Verzweiflung über daö neue Ungewjller, welches Rußland im Norden bedroht. Nie- mais befanden sie sich mehr im Irrthum, denn wir be­trachten den Vorgang als einen neuen Beweis von der wenigen Ucberlegung bet den Cabineten von London und Paris. Ein Mangel, der sehr schlimme Folgen für sie haben kann!

Die neuerlich bei Calais eingeschiffte Division ist gewiß höchstens zehntausend Mann stark, ohne Reiterei mit Belagerungsgeschütz und einigen Felv-Batterieen, ob bespannten? bleibt zweifelhaft. Nehmen wir an, die TransporsiFlotte erreiche in den ersten Tagen des August den Finnischen Meerbusen, sollen die Truppen etwa un- lveit Helsingfors oder Kronstadt, oder sonstwo an's Land steigen? Das möchte ein überaus schlechtes Ende neh­men. Also bleib: kaum etwas Anderes übrig, als ihnen

die Alands-Inseln zum einstweiligen Aufenthaltsort an- zuweisen. Inzwischen segelt die Flotte wiederum nach der Französischen Küste, übernimmt eine zweite Division von ungefähr gleicher Kopszahl, und erscheint damit, unserer Berechnung nach im Anfänge des September. Wollte man auch annehmen, daß zwanzigtauscnv Mann sich eher auf das Finnische Festland wagen dürfen, ohne einer gewissen Niederlage entgegen zu gehn, so vermögen doch die vorhandenen Schiffe nur die Halbschied auf einmal , überzuseßen. Was dann geleistet werden soll, muß bin­nen der nächsten zwei Wochen geschehen; yenn später machen die Aequinoctial- Stürme alle Operationen der Flotte, zumal wenn sie mit Truppen überladen ist, höchst gefährlich.

Allerdings haben die bisher von Großbritannien und Frankreich getroffenen Maaßregeln unsere Meinung von der dort waltenden militairischen Einsicht bedeutend ab- geschwächt. Dennoch halten wir die dort Regierenden nicht für dergestalt beschränkt, daß ihnen unbekannt fein/ sollte, was eben gesagt worden. Unter dieser Voraus­setzung muß man annehmen, es liege ein für nicht Ein- geweihete annoch verborgener Umstand im Hintergründe. Sollten die beiden Cabinete des offenen Beitritts der Schwedischen Regierung im Augenblicke, wo Hülfölruppen anlangen, gewiß sein? Das würbe ihnen zwar nicht übermäßig viel helfen, brächte aber mindestens Vernunft' in .die Sache. (N. Pr. Z.)

Verordnung vom 24. Juli 1854, den Handel mit Feldfrüchten betreffend.

Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm der I|te Kurfürst rc. rc. verordnen:

um die Unternehmungen wirksam zu beseitigen, welche dem Einflüsse der Erndte-Ergebnisse auf die Feuchtpreise hindernd entgegentreten,

auch die Durchführung des bestehenden Verbots der Händel über noch auf dem Halme stehende Feld- fiüchle sicher zu stellen, , ,

nach Anhörung Unseres Gesammt- Staatsministeriums, wie folgt:

Alle über Feldfrüchte vor der Erndte abgeschlossene