Hers selber Anzeiger.
Nr. 58. HerSfeld, den 22. Juli. 1854.
Der »Hers seid er Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expe. dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. —> Anzeigen aller Ay werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Frankreich borgt und re-ueirt.
Abgesehen von den Zinsen für Cautionen, Canal- Anleihen und die sogenannte schwebende Schuld, hatte die Französische Staatskasse am 1. Januar 1852 jährlich zu zahlen:
48,618,185 Thlr. an Renten von 5 Procent,
238 745 ' „ „ - „ „ 4t „
632,410 „ „ „ ,/ 4 zz
14,325,098 ' „ „ „ „ 3
,63,814,538 Thlr.
Im Laufe des jetzigen Jahres ward Behufs der Kriegskosten eine dreiprocentige Anleihe von beinahe sieben und sechzig Millipnen Thaler gemacht. Allein Anfangs Juli betragen die über den gewöhnlichen Etat für Heer und Flotte bewilligten Credite" bereits mehr als zwei und neunzig Millionen. Was ist das Ergebniß dieses außerordentlichen Aufwandes? Die mehr als zweideutige Waffenthat vor Odessa, die Vergewaltigung des Königs von Griechenland, und daß die Landtruppen noch keinen Schuß gethan haben. Wenig Waare für vieles Geld, und sehr geeignet, an das bedenkliche Wort zu erinnern: La France s’ennuye.
Ein neues Anlehen, beträchtlicher als das letzte, ist unabweisbar vor der Thüre. Sollte- Jemand ängstlich fragen, wo das hinauswill, so können, wir ihn vielleicht beruhigen, übrigens weit davon entfernt, die Anlage seiner Gelder in Französischen Papieren zu befürworten.
- Schon die Restauration wollte, um-ihren Finanzen aufzuhelsen, die fünfprocentige Rente herabsetzen. Allein die damals durchaus liberalen Geldsäcke waren in den Kammern so stark vertreten, daß der Vorschlag durchfiel. Der höhere Philister, reich und übermüthig' gemmren, fand nachgerade die Regierung der älteren Bourbonen unerträglich, ließ sie mittelst der „großen Woche" beseitigen und legte sich einen Bürgerkönig zu. Obwohl dieser ein gouvernement, ä bon' manche versprochen hatte, hielt er die gute Meinung des Bourgeois doch allzu hoch, um irgendwie sein Herz b. i. seinen Geldbeutel unsanft berühren. Unter der wohlfeilen Regierung konnte daher von einer Renten-Redaction nicht die Rede sein. Indeß wurde Louis Philipp dem quecksilbernen Volke langweilig und verlor die Krone auf eben so jämmerliche Art, wie er sie erschlichen. Das republikanische Regiment
trat in beinahe lächerlicher Gestalt ein, bis endlich die turbulenten Frösche —freilich ganz wider Willen —ihren Storch fanden. Ohne Umstände vccretirte der damalige „Prinz-Präsident" am 10. März 1852, daß die fünfpro- centige Rente al pari zurückgezahlt oder in 4tprocentige verwandelt werden sollte.
Ueber die Ausführung des DecretS mangeln uns bestimmte Nachrichten, und hinsichtlich der büaren Rückzahlung könnten wohl leise Zweifel aussteigen. Jedoch bei der sanften Gewalt, die allen Maaßregeln Napoleons III. den wünschenewerthen Nachdruck giebt, kann man annehmen, daß die bezweckte Zinsersparniß von 4,861,810 Thalern, wirklich eingetreten sei. Davon gehen ungefähr zwei Millionen Interessen für das letzte. Anlehn ab, man kann also mehr als drei und neunzig Millionen zu drei Prozent borgen und zahlt dennoch nur eben so viel Zinsen, als am 1. Januar 1852.
Werden denn diese Millionen bis zum Ende des KriegeS vorhallen? Gewiß nichtl ^aber in dem glücklichen Frankreich mit seiner freien Verfassung, wacht der gesetzgebende Körper für das Wohl der Steuerpflichtigen. Sollte dieser seinem Kaiserlichen Brotherrn die kleine Gefälligkeit neuer ausgiebiger Anleihen, und gleichzeitig einer Herabsetzung der 4^procentigen Rente abschlagen'? Zwar ist im Decret oom" 10. März 1852 den fünfpro- eentigen Convertiten 10jährige Sicherheit gegen kühne Griffe verheißen, allein wenn das souvcraine Volk durch seine Vertreter erklärt: das könne nicht sein, wird Niemand widersprechen. Wenigstens gewiß nicht laut.
__(N. Pr. Z.)
Eagesvegevenheiten»
Kassel, 20. Juli. Gestern wurde in der Nähe von Wolfsanger in der Fulda ein männlicher Leichnam aufgefunden, welcher nach Ausweis eines bei ihm Vorgefundenen Reisepasses den Namen Ernst Folfang Klöckn'er aus Lichisa führt; nach einer ebenfalls bei ihm gefundenen Bescheinigung hatte er einen Platz in.der 2. Kajüte zur Ueberfahrt nach Amerika bezahlt, außerdem trug er bei sich 2 leere Geldbeutel, einen Schlüffel, ein Taschenmesser und einen Feuerstahl.
Berlin. Auf die neulich erwähnte Beschwerde der freien Gemeinde in Magdeburg wegen Nicht-